DGLR-News Meldung

26.11.2019 - Rubrik: Politik/Gesellschaft, DGLR-Presseservice

Space19+ – DGLR unterstützt die Planungen für die europäische Raumfahrt

Seit 1975 bündeln die europäischen Staaten ihre Raumfahrtaktivitäten in der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Vom 27. bis 28. November 2019 treffen sich die Vertreter aller Mitgliedstaaten zur nächsten ESA-Ministerratskonferenz Space19+ in Sevilla, Spanien. Das Treffen ist entscheidend für die ganze Raumfahrtbranche, denn hier werden die Weichen für die nächsten Jahre gestellt. Die 22 Mitgliedstaaten entscheiden über Projekte und deren Finanzierung und legen somit die zukünftige Ausrichtung der europäischen Raumfahrt fest. Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) unterstützt die Planungen für die europäische Raumfahrt.

Bild: ESA

„Europa darf in der internationalen und sich immer schneller entwickelnden Raumfahrt nicht den Anschluss verlieren“, sagt DGLR-Präsident Prof. Rolf Henke. „Die zunehmende Kommerzialisierung beschleunigt die Prozesse. Hier muss Europa auch zukünftig wettbewerbsfähig bleiben. Denn die Raumfahrt ist ein wichtiger Markt: Viel Technik, die für und durch die Raumfahrt entwickelt wurde, findet in anderen Bereichen auf der Erde Anwendung – zum Beispiel in der Medizin, der Landwirtschaft oder im Katastrophenschutz.“

Das Wissenschaftsprogramm ist ein Pflichtprogramm, an dem sich alle ESA-Mitgliedstaaten nach einem festgelegten Schlüssel beteiligen müssen. Deswegen wird es bei Space19+ in diesem Bereich primär um die Anpassung des ESA-Budgets für die einzelnen Wissenschaftsmissionen gehen.

Mit einem neuen Programm zur Sicherheit möchte die ESA die Gesellschaft vor Gefahren aus dem All besser schützen. Das Thema ist bislang in keinem anderen Raumfahrtprogramm derart vertreten und könnte Europa eine Sonderstellung auf diesem Gebiet einbringen. Sowohl der Schutz der Erde vor dem Einschlag erdnaher Objekte (NEOs), als auch der Raumfahrtinfrastrukturen in deren Orbits sind elementar wichtig – letzteres ist insbesondere im Hinblick auf Megakonstellationen aus mehreren hundert bis tausend Kleinstsatelliten und Weltraummüll sowie die Sensitivität der Astronauten und Satelliten gegenüber Weltraumwetterereignissen zunehmend von Bedeutung.

Außerdem wird über das neue Erdbeobachtungsprogramm abgestimmt. Dieses umfasst Entwicklung, Bau und Betrieb von drei wesentlichen Arten von Satelliten: Erdbeobachtungssatelliten für wissenschaftliche Zwecke („Earth Explorers“), Sentinel-Satelliten für das Copernicus-Programm und Wettersatelliten für die europäische EUMETSAT-Organisation. Sie alle liefern Erdbeobachtungsdaten, die für das Verständnis des komplexen Systems Erde und des Klimawandels, sowie für die Überwachung zahlreicher Umweltparameter und damit für Wetter- und Klimavorhersagen unerlässlich sind.

Um sich die Unabhängigkeit von anderen Navigationssystemen zu sichern, startete Europa 2011 die ersten Galileo-Satelliten. Gemeinsam mit EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service), das die Positionsgenauigkeit steigert, bilden sie eine eigene europäische Infrastruktur. Im Rahmen des NAVISP (Navigation Innovation and Support Programme) der ESA werden neue innovative Ansätze zur wissenschaftlichen Nutzung der Navigationssignale und neuer PNT-Anwendungen unter Verwendung der europäischen Navigationsinfrastruktur untersucht.

Darüber hinaus wird es darum gehen, die Satellitenkommunikation in Europa zu stärken. Der Satellitenkommunikationsmarkt unterliegt weltweit einem scharfen Wettbewerb. Die USA, China, Japan, Indien und andere Nationen konkurrieren mit europäischen Anbietern in einem kommerziell geprägten Markt. Die ESA und ihre Mitgliedsländer arbeiten deshalb an verschiedenen Elementen des ARTES-Programms (Advanced Research in Telecommunication Systems), um diesen für Europa ökonomisch bedeutsamen Sektor im globalen Wettbewerb für sich zu gewinnen.

Die Ariane- und die Vega-Rakete sind die Grundvoraussetzung für eine unabhängige europäische Raumfahrt. In den nächsten Jahren muss ein reibungsloser Übergang des Betriebs von Ariane 5 auf Ariane 6 und von Vega auf Vega C gelingen. Darüber hinaus strebt die ESA produktbegleitende Verbesserungen zur Sicherstellung der globalen Wettbewerbsfähigkeit sowie die Entwicklung und Demonstration neuer, wiederverwendbarer Systeme und Technologien (Space Rider) an.

Um die europäische Wettbewerbsfähigkeit im Raumfahrtsektor zu stärken, wird es bei der Space19+-Konferenz außerdem darum gehen, die zukünftige Zusammenarbeit zwischen ESA und EU zu definieren und zu koordinieren. Ziel ist es, Ressourcen zu bündeln, Programme zu koordinieren und Synergien der beiden Institutionen zu nutzen, zum größtmöglichen Nutzen der Raumfahrt für unsere Gesellschaft. Die DGLR wünscht der deutschen Delegation unter der Leitung von Thomas Jarzombek, dem Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, viel Erfolg und Geschick, um die deutschen und europäischen Interessen zu vereinbaren.

Die DGLR - Informieren, Vernetzen, Fördern

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt – Lilienthal-Oberth e.V. (DGLR) ist die älteste Institution in der Bundesrepublik Deutschland, die allen, die sich privat oder beruflich mit Luft- und Raumfahrt beschäftigen, ein gemeinsames Forum bietet. Hier vernetzt sich das Wissen der Luft- und Raumfahrt, aktuelle Projekte und Entwicklungen werden vorgestellt und gute Ideen gefördert und honoriert.

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