Team Gen 6 soll Alternative zu FCAS werden
Nach dem Scheitern des deutsch-französischen FCAS-Projekts hat ein Bündnis aus acht Rüstungsunternehmen unter dem Namen „Team Gen 6" ein europäisches Nachfolgeprogramm für den Eurofighter vorgestellt. Die Allianz setzt auf multinationale Zusammenarbeit, konkrete nächste Schritte hängen jedoch von der Bundesregierung ab.
Acht deutsche und europäische Rüstungsunternehmen haben auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin ein gemeinsames Positionspapier veröffentlicht. Unter dem Namen „Team Gen 6" wollen sie ein neues europäisches Luftkampfsystem entwickeln und damit die Lücke schließen, die das gescheiterte FCAS-Projekt hinterlässt.
Neun Jahre, kein Ergebnis: Das Scheitern von FCAS
FCAS steht für „Future Combat Air System" und war das ambitionierteste europäische Rüstungsprojekt der vergangenen Jahre. Im Juli 2017 hatten die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron das Projekt gestartet. Ziel war ein gemeinsamer Kampfjet der nächsten Generation, der in Deutschland den Eurofighter und in Frankreich den Rafale ablösen sollte. Doch die Vorstellungen der beteiligten Unternehmen Airbus und Dassault über Fähigkeiten und Ausrichtung des Flugzeugs lagen zu weit auseinander. Anfang dieser Woche bestätigten Bundeskanzler Friedrich Merz und Macron das endgültige Aus des Projekts, neun Jahre nach dessen Ankündigung.
Das Scheitern wiegt schwer: Ohne einen modernen Nachfolger für den Eurofighter rückt die Frage nach Europas militärischer Unabhängigkeit wieder in den Vordergrund. Amerikanische Kampfjets vom Typ F-35 machen bereits einen wachsenden Teil der europäischen Flotten aus, was angesichts der zunehmenden Spannungen in den transatlantischen Beziehungen Bedenken auslöst.
Team Gen 6: Neue Allianz mit offenem Ausgang
Die Antwort einer Gruppe deutscher Unternehmen folgte prompt. Zur Allianz „Team Gen 6" gehören die Rüstungssparte von Airbus, MTU, Hensoldt, MBDA, Autoflug, Diehl Defence, Liebherr sowie Rohde und Schwarz. Der Name bezieht sich auf die angestrebte sechste Generation europäisch entwickelter Kampfflugzeuge. Das Konzept sieht vor, Kampfflugzeuge mit Besatzung mit unbemannten Drohnen in einem militärischen Datennetz zu verbinden. Einen deutschen Alleingang schließen die Initiatoren ausdrücklich aus: Angestrebt wird eine multinationale Kooperation, unter anderem mit dem schwedischen Hersteller Saab und einer neu gegründeten spanischen Rüstungsallianz.
Airbus-Rüstungschef Michael Schöllhorn mahnte auf der ILA zur Eile: „Jetzt müssen wir aufs Gaspedal treten." Durch das FCAS-Aus habe man bereits Zeit verloren. Wie die konkreten nächsten Schritte aussehen, ist jedoch noch offen. Entscheidend wird die Haltung der Bundesregierung sein, da sie als Auftraggeber für neue Bundeswehr-Kampfflugzeuge das Projekt letztlich in Gang bringen muss. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius zeigte sich grundsätzlich offen für „Team Gen 6", schloss aber auch den Kauf weiterer US-amerikanischer Kampfflugzeuge nicht aus.

