13.07.2026 - Allgemein, Luftfahrt

Studie sieht bei ETS-Ausweitung auf Flüge nur geringes Ausweichrisiko

Eine neue ICCT-Studie zeigt, dass eine Ausweitung des EU-Emissionshandels auf internationale Flüge je nach Modell zwischen 4,3 und 14,3 Milliarden Euro jährlich einbringen könnte, bei einem Ausweichrisiko von maximal 3,1 Prozent. Damit widerspricht die Untersuchung der Annahme, Carbon Leakage sei ein durchgreifendes Gegenargument gegen eine Erweiterung des Systems.


Symbolbild: Symbolbild: Unsplash.com/Ansel Huang

Eine Ausweitung des europäischen Emissionshandelssystems ETS auf internationale Flüge könnte nach einer neuen Studie des International Council on Clean Transportation ICCT jährliche Einnahmen von mehr als 14 Milliarden Euro erzielen. Das sogenannte Carbon Leakage, also die Verlagerung von Emissionen ins Ausland durch umgeleitete Passagiere, bliebe in allen betrachteten Szenarien auf maximal 3,1 Prozent begrenzt.

Ausgangslage und Untersuchungsmethode

Das EU-ETS deckt bislang nur Flüge innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums sowie Verbindungen nach Großbritannien und in die Schweiz ab, Flüge von und zu Ländern außerhalb des EWR sind seit 2012 ausgenommen. Vor einer möglichen Überprüfung durch die Europäische Kommission, die zu einem Gesetzesvorschlag zur Ausweitung führen könnte, galt die Sorge vor Carbon Leakage bislang als zentrales Gegenargument: Fluggäste könnten über nicht-europäische Drehkreuze umbuchen, um die CO2-Abgabe zu umgehen, wodurch Emissionen verlagert statt reduziert würden.

Die ICCT-Studie gilt als bislang umfassendste Untersuchung dieses Risikos. Auf Basis realer Flugdaten aus dem Jahr 2023 bewertet sie zehn Modelle zur Ausweitung des ETS und untersucht dabei Einnahmen und Ausweichbewegungen von Passagieren, etwa durch den Wechsel von Umsteigeflughäfen oder zusätzliche Zwischenstopps. Allen Berechnungen liegt ein CO2-Preis von 70 Euro pro Tonne zugrunde.

Ergebnisse: Einnahmen und begrenztes Ausweichrisiko

Je nach gewähltem Modell fallen die möglichen Einnahmen unterschiedlich aus. Bei Einbeziehung aller international startenden Flüge ab europäischen Flughäfen ergäben sich rund 9 Milliarden Euro jährlich bei einer Leakage-Rate von 1,9 Prozent. Ein distanzbasierter Ansatz, bei dem nur die ersten 7.500 Kilometer eines Fluges bepreist werden, senkt die Leakage-Rate auf 1,1 Prozent und erhält dabei 96 Prozent der Einnahmen des reinen Abflugmodells. Werden sowohl abfliegende als auch ankommende internationale Flüge einbezogen, wie es der rechtliche Rahmen von 2008 ursprünglich vorsieht, ließen sich bis zu 14,3 Milliarden Euro jährlich erzielen, bei einer Leakage-Rate von 3,1 Prozent.

Laut Sola Zheng, Senior Researcher beim ICCT, sei das Ausweichrisiko beherrschbar und ließe sich durch eine durchdachte Ausgestaltung weiter verringern, während gleichzeitig Einnahmen für Investitionen in saubere Luftfahrttechnologien entstünden. Nikita Pavlenko, Programmdirektor für Kraftstoffe und Luftfahrt beim ICCT, ergänzt, verschiedene Ausgestaltungen brächten unterschiedliche Abwägungen zwischen Emissionsabdeckung, Einnahmen und Ausweichrisiko mit sich, ohne die ökologische Wirksamkeit des Systems zu gefährden.

Gezielte Maßnahmen wie streckenspezifische Freizuteilungen oder eine Klausel gegen Umgehungsstrategien könnten das verbleibende Risiko weiter senken. Auch eine abgestimmte CO2-Bepreisung außerhalb des EWR, etwa in der Türkei oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, könnte Umleitungsanreize deutlich verringern.

Quelle (Englisch): https://theicct.org/pr-extending-eu-carbon-pricing-to-international-flights-could-raise-over-14-billion-a-year/