01.05.2026 - Allgemein, Raumfahrt

Sentinel-1D nimmt Betrieb auf

Der im November 2024 gestartete Radarsatellit Sentinel-1D hat seine Inbetriebnahmephase erfolgreich abgeschlossen und ist nun vollständig einsatzbereit. Damit ist die europäische Sentinel-1-Konstellation aus vier Satelliten erstmals komplett – und liefert rund um die Uhr, bei jedem Wetter, hochauflösende Radarbilder der Erdoberfläche.


Bild: ESA/Mlabspace

Der Radarsatellit Sentinel-1D ist offiziell in Betrieb. Nach dem erfolgreichen Abschluss der technischen Inbetriebnahmephase im Orbit – ein mehrstufiger Testprozess nach dem Start – liefert der Satellit nun regulär Daten. Damit sind erstmals alle vier Satelliten der Sentinel-1-Serie gleichzeitig aktiv.

Was Sentinel-1D kann – und warum es darauf ankommt

Sentinel-1D ist mit einem sogenannten Synthetic Aperture Radar ausgestattet, kurz SAR. Diese Technik ermöglicht hochauflösende Aufnahmen der Erdoberfläche unabhängig von Wolken, Regen oder Dunkelheit – ein entscheidender Vorteil gegenüber optischen Kameras, die auf Sonnenlicht angewiesen sind. Die Daten werden weltweit eingesetzt: zur Überwachung von Naturkatastrophen, zur Beobachtung von Meereisveränderungen, zur Erkennung von Bodenbewegungen oder Entwaldung. Behörden, Wissenschaftler und Katastrophenschutzorganisationen greifen gleichermaßen darauf zurück.

Neben seinen Messfähigkeiten bringt Sentinel-1D eine technische Neuerung mit: Gemeinsam mit seinem Vorgänger Sentinel-1C trägt er einen neuartigen Trennmechanismus, der dazu beitragen soll, Weltraumschrott zu vermeiden. Beide Satelliten sind damit die ersten ihrer Art, die dieses System tragen – ein Schritt, der dem wachsenden Problem überfüllter Erdumlaufbahnen Rechnung trägt.

Eine Mission, die Europa seit über einem Jahrzehnt begleitet

Sentinel-1D ist der vorerst letzte Satellit einer Reihe, deren Geschichte 2014 mit dem Start von Sentinel-1A begann. Damals markierte der Launch nicht nur den Beginn einer einzelnen Mission, sondern auch den Auftakt des Copernicus-Programms – dem Erdbeobachtungssystem der Europäischen Union. Die Mission war von Anfang an als Konstellation aus zwei Satelliten angelegt, die versetzt zueinander die Erde umkreisen, um eine möglichst lückenlose Abdeckung zu gewährleisten.

Nach dem Ausfall von Sentinel-1B im Jahr 2022 klaffte vorübergehend eine Lücke in der Datenversorgung. Mit den Nachfolgern Sentinel-1C und nun Sentinel-1D ist die Konstellation wieder vollständig. Über alle vier Satelliten hinweg zeichnet sich ab, dass die Serie auf eine ununterbrochene Beobachtungszeit von rund zwei Jahrzehnten zusteuert – ein Datenschatz, der langfristige Klimaanalysen erst möglich macht.

Wie es danach weitergeht, ist bereits in Planung: Die ESA arbeitet an einer Nachfolgegeneration namens Sentinel-1 Next Generation, die die Messreihe bis in die Mitte der 2030er Jahre und darüber hinaus fortführen soll.

Quelle (Englisch): https://www.esa.int/Applications/Observing_the_Earth/Copernicus/Sentinel-1/Sentinel-1D_goes_live_a_milestone_for_Europe_s_radar_mission