14.07.2026 - Allgemein, Luftfahrt

Neues Forschungsprojekt erprobt Drohneneinsatz bei Waldbränden

Im Forschungsprojekt LUITA untersuchen die Universität Stuttgart, das Fraunhofer IAO und die Landkreise Reutlingen und Zollernalbkreis, wie Drohnen Einsatzkräfte bei Vegetationsbränden mit schnellen Lagebildern unterstützen können. Ziel ist eine übertragbare Vorlage für den Drohneneinsatz in der Gefahrenabwehr in ganz Deutschland.


Symbolbild: unsplash.com/Matt Palmer

Das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart hat gemeinsam mit dem Fraunhofer IAO sowie den Landkreisen Reutlingen und Zollernalbkreis das Forschungsprojekt LUITA gestartet. Untersucht wird, wie fernpilotierte Drohnen Leitstellen und Einsatzleitungen bei Vegetationsbränden bereits während der Anfahrt mit Lagebildern unterstützen können.

Fehlende Ortsangaben erschweren die Einsatzplanung

Werden Einsatzkräfte zu einem Vegetationsbrand alarmiert, fehlt häufig die wichtigste Information: der genaue Brandort. In Wald- und Freiflächen gibt es keine Hausnummern, und Anrufende können ihren Standort oft nicht eindeutig beschreiben oder melden lediglich Rauchentwicklungen aus der Ferne. Hinzu kommt, dass das Gelände meist unübersichtlich ist und Entscheidungen unter erheblichem Zeitdruck getroffen werden müssen. Genau an dieser Stelle setzt LUITA an, dessen Name für "Luftgestützte interdisziplinäre taktische Aufklärung" steht. Ziel ist es, durch frühzeitige Lagebilder aus der Luft Brände schneller einzudämmen, Einsatzmittel gezielter zu disponieren und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Um dieses Ziel zu erreichen, bündelt das Projekt wissenschaftliche Expertise mit praktischer Einsatzerfahrung. Wie diese Zusammenarbeit konkret aussieht, zeigt die Aufgabenverteilung der beteiligten Partner.

Erprobung unter Realbedingungen in zwei Modellregionen

Das IAT koordiniert das Projekt und entwickelt gemeinsam mit den Partnern Einsatzszenarien, Maßnahmenpläne sowie Schulungs- und Evaluationskonzepte. Das Fraunhofer IAO untersucht, wie sich Drohnendaten in Leitstellenprozesse und organisationsübergreifende Abläufe einbinden lassen. Die Landkreise Reutlingen und Zollernalbkreis bringen die operative Perspektive ein, bauen die notwendige Drohnenport-Infrastruktur auf und erproben die entwickelten Lösungen in realitätsnahen Tests und Übungen.
Dafür werden fernpilotierte Drohnensysteme an ausgewählten Standorten in den beiden Landkreisen stationiert und in bestehende Alarm- und Einsatzstrukturen integriert. Nach einer Alarmierung sollen die zentral gesteuerten Systeme binnen 30 Sekunden starten und hochauflösende Live-Lagebilder aus der Luft liefern, sodass Leitstellen und Einsatzleitungen bereits während der Anfahrt eine belastbare Lageeinschätzung vornehmen können. Untersucht werden dabei unter anderem die Start- und Anflugzeiten der Drohnen, die Qualität der Live-Lagebilder sowie die Stabilität der Datenübertragung und die Kommunikationsabläufe zwischen Leitstelle, Einsatzleitung und Kräften vor Ort. Auch rechtliche und organisatorische Fragen wie Luftraumfreigaben, der Betrieb außerhalb der Sichtweite sowie die Koordination mit anderen Luftfahrzeugen fließen in die Untersuchung ein.

Die Projektergebnisse sollen als übertragbare Blaupause für weitere Landkreise und Regionen dienen, ergänzt um praxisnahe Handlungsempfehlungen und Leitfäden. Das Vorhaben ist am 1. Juni 2026 gestartet und wird im Rahmen der DATIpilot-Förderung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt umgesetzt. Beim Kick-off Ende Juni stimmten die Projektpartner Ziele, Arbeitspakete und die Planung erster Tests und Übungen ab.

Quelle: https://www.iao.fraunhofer.de/de/presseservice/aktuelles/drohnen-fuer-den-bevoelkerungsschutz.html