10.04.2026 - Allgemein, Raumfahrt

ESA empfängt erstes Navigationssignal aus niedriger Umlaufbahn

Erstmals hat die Europäische Weltraumorganisation ESA ein Navigationssignal aus dem niedrigen Erdorbit empfangen und damit einen technologischen Meilenstein erreicht. Die Celeste-Mission soll künftig die Grundlage für ein robusteres europäisches Navigationssystem bilden.


Bild: ESA

Signal aus niedriger Umlaufbahn

Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat erstmals ein Navigationssignal aus dem niedrigen Erdorbit (LEO) empfangen. Wenige Tage nach dem Start der ersten Satelliten der Celeste-Mission wurde Anfang April im Navigationslabor im niederländischen ESTEC das Signal registriert. Es stammt vom Satelliten Celeste IOD-1 und gilt als Premiere für Europa: Erstmals wurde ein dualfrequentes Navigationssignal im L- und S-Band von einem europäischen Satelliten in dieser Umlaufbahn gesendet.

Die Bedeutung liegt vor allem in den technischen Eigenschaften solcher Signale. Satelliten in niedriger Umlaufbahn senden stärkere Signale als klassische Navigationssysteme in mittleren Umlaufbahnen und ermöglichen durch ihre Bewegung zusätzliche geometrische Messpunkte. Dadurch könnten Navigationsdienste künftig stabiler und genauer werden – insbesondere in schwierigen Umgebungen wie dicht bebauten Städten. Das neue System ist als Ergänzung zum bestehenden europäischen Navigationssystem Galileo gedacht und soll dessen Zuverlässigkeit erhöhen.

Ein Baustein für Europas Navigationszukunft

Celeste ist ein Demonstrationsprojekt für satellitengestützte Positions-, Navigations- und Zeitdienste aus niedriger Erdumlaufbahn. In der aktuellen Phase sollen insgesamt elf Satelliten verschiedene Signaltechnologien und Frequenzbänder testen. Der nun empfangene erste Datenstrom markiert einen frühen Meilenstein in der Inbetriebnahme, bei der derzeit auch andere Systeme der Satelliten überprüft werden.

Parallel dient die Signalübertragung dazu, internationale Frequenzrechte zu sichern und regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Die Mission ist Teil der europäischen Initiative „European Resilience from Space“, mit der die technologische Unabhängigkeit und Sicherheit im All gestärkt werden sollen.

Langfristig sollen die Ergebnisse von Celeste den Aufbau eines mehrschichtigen europäischen Navigationssystems vorbereiten, das bestehende Programme wie Galileo und EGNOS ergänzt. In den kommenden Monaten werden weitere Tests erwartet, darunter die Inbetriebnahme zusätzlicher Satelliten und die Auswertung der gesammelten Daten. Perspektivisch könnte daraus ein eigenständiges Navigationssegment im niedrigen Erdorbit entstehen, das Europas Rolle in der globalen Raumfahrt weiter stärkt.

Quelle (Englisch): https://www.esa.int/Applications/Satellite_navigation/Celeste/ESA_s_Celeste_broadcasts_first_navigation_signal_from_low_Earth_orbit