02.06.2026 - Allgemein, Luftfahrt

Bauhaus Luftfahrt: Ambitionierter Klimaschutz in der Luftfahrt rechnet sich ab 2050

Der Thinktank Bauhaus Luftfahrt hat vier Szenarien für eine klimafreundliche Luftfahrt bis 2070 modelliert und kommt zu dem Schluss, dass ambitionierte Transformationspfade sich gesamtwirtschaftlich ab 2050 gegenüber einem konservativen Kurs rechnen. Die größten Chancen zur Emissionsreduktion bieten Wasserstoffantriebe und hocheffiziente Flugzeuge, während nachhaltige Kraftstoffe in allen Szenarien eine zentrale Rolle spielen.


Symbolbild: pexels.com/Planespotter Geneva

Der Thinktank Bauhaus Luftfahrt hat vier Szenarien veröffentlicht, die verschiedene Transformationspfade für eine kosteneffiziente und klimafreundliche Luftfahrt im Jahr 2070 vergleichen. Kernergebnis: Hohe Investitionen in eine ambitionierte Transformation zahlen sich gesamtwirtschaftlich aus.

Vier Pfade, ein Ziel

Ausgangspunkt der Studie ist die Frage, welcher Weg die Luftfahrt bis 2070 sowohl wirtschaftlich als auch klimatisch auf tragfähige Grundlagen stellen kann. Die Forschenden modellierten dafür das komplexe Zusammenspiel von Energieversorgung, Flugzeugtechnologie, Netzwerkstrukturen sowie ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Einbezogen wurden unter anderem die Entwicklung der Luftverkehrsnachfrage, die Flottendynamik und der künftige Energiemix.

Die vier untersuchten Szenarien basieren auf jeweils einer Kernannahme: eine Beimischung von 70 Prozent nachhaltigem Kraftstoff bis 2070, der vollständige Umstieg auf 100 Prozent nachhaltige Kraftstoffe bis 2060, der Einsatz bis zu 60 Prozent effizienterer Flugzeuge in Kombination mit nachhaltigen Kraftstoffen sowie ein radikaler Wechsel zu flüssigem Wasserstoff.

Wasserstoff spart am meisten, Effizienz senkt Kosten am stärksten

In allen Szenarien steigen die direkten Betriebskosten pro Passagierkilometer um 35 bis 55 Prozent, vor allem wegen der teureren alternativen Kraftstoffe und der CO2-Bepreisung. Der konservative Pfad mit 70 Prozent nachhaltigem Kraftstoff ist zunächst etwa zehn Cent pro Passagierkilometer günstiger als die ambitionierteren Varianten. Ab 2050 kehrt sich dieses Verhältnis jedoch um: Die ambitionierten Pfade werden gesamtwirtschaftlich günstiger, weil sie die gesellschaftlichen Kosten durch den Klimawandel erheblich senken. Der gesellschaftliche Nutzen der ambitionierten Szenarien gegenüber dem konservativen Pfad wird dabei auf mehrere Billionen Dollar beziffert.

Bei den Emissionen zeigen sich deutliche Unterschiede: Im konservativen Szenario liegen die jährlichen Treibhausgasemissionen bis 2070 bei etwa 2,8 Gigatonnen CO2-Äquivalent. Hocheffiziente Flugzeuge in Kombination mit nachhaltigen Kraftstoffen könnten die Emissionen um bis zu 40 Prozent senken. Das Wasserstoffszenario bietet mit bis zu 74 Prozent weniger CO2-Äquivalent-Emissionen das größte Reduktionspotenzial, setzt dabei allerdings eine geringe Klimabelastung durch Kondensstreifen sowie Anpassungen der Flugrouten voraus. Als wirksamster Kostenhebel erweisen sich hocheffiziente Flugzeuge der nächsten Generation, da sie kraftstoffbedingte Mehrkosten am stärksten abfedern können, trotz hoher Entwicklungs- und Anschaffungskosten.

Quelle: https://www.bauhaus-luftfahrt.net/de/klimafreundliche-luftfahrt-mehr-ambition-zahlt-sich-aus