20.07.2026 - Allgemein, Raumfahrt

Weltraumteleskop PLATO: Elektronik bereit für den Weltraum

Die Weltraumteleskop PLATO hat seine Tests zur elektromagnetischen Verträglichkeit erfolgreich abgeschlossen. Das Team hat überprüft, ob die zahlreichen elektronischen Systeme des Weltraumteleskops störungsfrei zusammenarbeiten. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist an der Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA maßgeblich beteiligt. Die Tests fanden im Maxwell-Testlabor des Weltraumforschungs- und Technologiezentrums ESTEC der ESA im niederländischen Noordwijk statt. Mit dem Abschluss dieser Tests hat PLATO nun die letzte wichtige Prüfung bestanden, damit das Raumfahrzeug für den Start freigegeben werden kann.


Bild: ESA - R. Moorkens O'Reilly

Die neun Meter hohe Testkammer ist vollständig von leitenden Metallwänden umgeben. Sie bilden einen Faraday-Käfig, der äußere elektromagnetische Signale abschirmt. Schaumstoffelemente an Wänden und Decke absorbieren zudem elektrische Signale und verhindern störende Reflexionen innerhalb der Kammer.

Nachdem die Kammer verschlossen worden war, schaltete das Testteam die elektronischen Systeme von PLATO ein und führte verschiedene Funktionsprüfungen durch. Dabei wurde unter anderem untersucht, ob sich einzelne Instrumente, elektronische Module oder Kommunikationssysteme gegenseitig stören. Solche unerwünschten Wechselwirkungen werden als elektromagnetisches „Übersprechen“ bezeichnet.

Auf einem Satellitensystem wie PLATO arbeiten zahlreiche empfindliche Systeme auf engstem Raum zusammen. Übersprechen könnte beispielsweise wissenschaftliche Messungen verfälschen, die Kommunikation mit der Erde beeinträchtigen oder die Steuerung des Satelliten stören. Die Tests haben nun bestätigt, dass alle elektronischen System auf PLATO auch im gemeinsamen Betrieb wie vorgesehen funktionieren.

Letzter großer Test der Raumsonde vor dem geplanten Start im Frühjahr 2027

Mit den Prüfungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit hat PLATO den letzten großen Test seiner Qualifikationskampagne abgeschlossen. Diese hatte im Januar 2026 mit Vibrations- und Akustiktests am ESTEC begonnen. Dabei wurden die Erschütterungen und die Schallbelastung während eines Raketenstarts simuliert.

Anschließend wurde PLATO im Large Space Simulator der ESA weiter getestet. In der größten Weltraumsimulationskammer Europas wurde die Raumsonde dem Vakuum sowie extremen heißen und kalten Temperaturen ausgesetzt. Dabei zeigte sich, dass die Kameras, die Elektronik und die Temperaturregelung auch unter weltraumähnlichen Bedingungen funktionieren.

Der Start von PLATO ist derzeit für März 2027 vorgesehen. Eine Ariane-6-Trägerrakete soll das Weltraumteleskop vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana auf den Weg zum Lagrange-Punkt L2 bringen. Dieser liegt rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt auf der sonnenabgewandten Seite. An dieser Position gleichen sich die Gravitationskräfte von Erde und Sonne und Fliehkräfte so aus, dass ein Satellit seine Position mit minimalem Energieaufwand stabil hält. Dabei kann er ohne Unterbrechung gleichzeitig die wissenschaftlichen Beobachtungen durchführen und mit der Erde kommunizieren.

Mit 26 Kameras auf der Suche nach Planeten

PLATO steht für „PLAnetary Transits and Oscillations of stars“. Das Weltraumteleskop wird mit 26 Kameras gleichzeitig Hunderttausende Sterne über lange Zeiträume beobachten. Ziel ist es, insbesondere erdgroße Planeten aufzuspüren, die sonnenähnliche Sterne umkreisen.

Die Kameras werden beispielsweise kleinste regelmäßige Schwankungen der scheinbaren Helligkeit eines Sterns messen. Diese können entstehen, wenn ein Planet von der Erde aus gesehen vor seinem Stern vorbeizieht. Gemeinsam mit Beobachtungen bodengebundener Teleskope sollen so unter anderem Größe, Masse und Alter neu entdeckter Planeten bestimmt werden.

Die wissenschaftlichen Instrumente werden von der ESA und dem internationalen PLATO-Missionskonsortium bereitgestellt. Gebaut und montiert wurde das Raumfahrzeug vom industriellen PLATO-Kernteam unter Leitung von OHB SE gemeinsam mit Thales Alenia Space und Beyond Gravity.

Zentrale Beiträge des DLR und weitere deutsche Beteiligungen an PLATO

Die Auslese-Elektronik und die Datenverarbeitungssysteme für die schnellen Kameras von PLATO wurden inklusive der Software für die präzise Ausrichtung des Satelliten am DLR-Institut für Weltraumforschung in Berlin entwickelt. Das DLR leitet auch das internationale PLATO-Missionskonsortium und unterstützt neben Hard- und Software bei Kalibration und Betrieb der Ausleseelektronik der beiden schnellen Kameras sowie des Nutzlast-Computers und Teilen der Datenverarbeitung an Bord des Weltraumteleskops. Das DLR wird außerdem maßgeblich an der wissenschaftlichen Auswertung der PLATO-Daten beteiligt sein.

Weitere deutsche Beiträge werden von der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR mit Mitteln des Bundes finanziert: Die Einrichtung und Koordination des wissenschaftlichen PLATO-Datenzentrums – inklusive der Entwicklung von Datenverarbeitungs- und Datenanalyse-Pipelines – wird vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen geleitet. Deutschland spielt neben der Leitung des wissenschaftlichen Konsortiums auch eine wichtige Rolle beim Management, der Unterstützung zu den Datenverarbeitungs-Pipelines, beim Betrieb der Nutzlast sowie zur wissenschaftlichen Analyse der Missionsdaten, die an der Freien Universität Berlin durchgeführt werden.

Die Performance-Analyse der Nutzlast sowie Beiträge zur Rohdaten-Analyse werden an der Fachhochschule Aachen vorangebracht. Die Unterstützung der Kamera-Testkampagnen wurden vom Rheinischen Institut für Umweltforschung (RIU) an der Universität zu Köln begleitet. Deutsche Beiträge zum Programm der bodengebundenen Nachbeobachtungen von Planetenkandidaten kommen zudem von der Universität Göttingen, der Universität Heidelberg und der Thüringer Landessternwarte Tautenburg. 

Quelle: https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2026/weltraumteleskop-plato-elektronik-bereit-fuer-den-weltraum