ESA genehmigt zwei neue Scout-Missionen
Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat zwei neue Satellitenmissionen ihrer Scout-Reihe genehmigt: Hibidis soll die Artenvielfalt in Wäldern aus dem All beobachten, SOVA-S atmosphärische Wellenbewegungen in großen Höhen erfassen. Beide Missionen wurden am 20. Mai nach einem zehnmonatigen Auswahlverfahren offiziell bestätigt.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat zwei neue Satellitenmissionen für ihre Scout-Reihe ausgewählt: Hibidis und SOVA-S. Das zuständige Programm-Gremium genehmigte die Auswahl am 20. Mai, nach einem zehnmonatigen Bewertungsverfahren, in dem vier Kandidaten gegeneinander antraten.
Zwei Missionen, zwei Blickwinkel auf die Erde
Hibidis, kurz für Hyperspectral Biodiversity Scout, wird mit einer Kamera ausgestattet, die Licht in vielen verschiedenen Wellenlängen gleichzeitig erfassen kann, ähnlich wie ein erweitertes menschliches Auge. Durch Aufnahmen aus drei verschiedenen Blickwinkeln soll der Satellit das Blätterdach von Wäldern vom darunter liegenden Unterholz unterscheiden können. Das ermöglicht Rückschlüsse auf die Artenvielfalt in Ökosystemen, die vom Boden aus kaum zugänglich sind. Hauptauftragnehmer ist das italienische Unternehmen SITAEL.
SOVA-S, kurz für Satellite Observation of Waves in the Atmosphere, verfolgt ein grundlegend anderes Ziel. Der Satellit soll atmosphärische Schwerewellen beobachten, also großräumige Wellenbewegungen in der Luft, die ähnlich wie Meereswellen Energie von der unteren in die obere Atmosphäre transportieren, in Höhen zwischen 80 und 120 Kilometern. Dazu misst er ein schwaches, natürliches Leuchten der Atmosphäre, das durch chemische Reaktionen in dieser Höhe entsteht. Aktuelle Klimamodelle berücksichtigen diese Wellenbewegungen noch unzureichend; bessere Daten könnten die Vorhersage extremer Wetterereignisse verbessern und die Genauigkeit von Navigationssystemen erhöhen, etwa in der Luftfahrt. Gebaut wird der Satellit vom tschechischen Unternehmen OHB Czechspace, in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Kleine Satelliten, schnelle Ergebnisse
Die Scout-Missionen sind ein vergleichsweise junges Element im Erdbeobachtungsprogramm der ESA. Sie ergänzen die größeren, aufwendigeren Earth-Explorer-Missionen, die oft viele Jahre in der Entwicklung stecken. Scouts sollen bewusst kleiner, günstiger und schneller realisierbar sein, indem sie entweder bestehende Technologien in kompakterer Form einsetzen oder neue Beobachtungsansätze erproben.
Hibidis und SOVA-S reihen sich damit in eine wachsende Familie ein. Bereits gestartet ist HydroGNSS, der seit November 2025 wichtige Klimavariablen wie Bodenfeuchtigkeit und Meereseis misst. In Entwicklung befinden sich NanoMagSat zur Erforschung des Erdmagnetfelds sowie Tango, das Methan- und CO2-Emissionen großer Industrieanlagen aus dem All messen soll.

