20.05.2026 - Allgemein, Raumfahrt

Marsforschung auf Deutschlands höchstem Gipfel

Ein Team der Universität Würzburg hat Ende März auf der Zugspitze getestet, ob ein Roboter auch in einer Höhle zuverlässig aus der Ferne gesteuert werden kann. Das Experiment glückte: Über eine Kette aus fünf Funkrelaispunkten ließ sich der Rover auf mehr als 250 Metern Tiefe stabil kontrollieren.


Bild: Erlend Hellerslien / DLR

Forschende der Universität Würzburg haben Ende März 2026 auf der Zugspitze eine simulierte Marsmission durchgeführt. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob ein Erkundungsroboter auch in einer abgeschirmten Höhlenumgebung zuverlässig aus der Ferne gesteuert werden kann.

Warum ausgerechnet Höhlen?

Die Oberfläche vom Mars ist extremer Strahlung und gewaltigen Temperaturschwankungen ausgesetzt, unter denen komplexes Leben kaum überleben könnte. Unterirdische Höhlen dagegen bieten natürlichen Schutz und gelten deshalb als aussichtsreichere Suchgebiete. Das Problem: Funksignale dringen kaum in solche Umgebungen ein. Wer dort einen Roboter einsetzen will, braucht neue technische Lösungen.

Genau daran hat das Team des Interdisziplinären Forschungszentrums für Extraterrestrik der Universität Würzburg gearbeitet. Als Testgelände wählten die Forschenden den Kammstollen am Schneefernerhaus auf der Zugspitze. Der 1926 gebohrte Tunnel bietet durch seine abgeschirmte Umgebung und gute Erreichbarkeit nahezu ideale Bedingungen für solche Experimente. Die Forschungsstation im Gebäude, einst ein Hotel, gilt heute als weltweit einmalige Einrichtung ihrer Art.

Funkkette durch den Berg

Der eigentliche Versuch ahmte die Kommunikationswege einer echten Marsmission nach. Das Steuersignal startete in einem Kontrollzentrum auf der Erde, lief dann weiter zu einem Nachbau einer Funkstation, die einen Satelliten im Marsorbit simulierte, und von dort zu einer Empfangsstation am Eingang des Stollens. Im Tunnel selbst wurde das Signal über fünf einzelne Zwischenstationen wie in einer Eimerkette weitergereicht, bis es den Rover tief im Berg erreichte. Über diese Kette ließen sich Fotos aufnehmen, Laserscans erstellen und gezielte Fahrbewegungen auslösen. Die gesammelten Daten flossen denselben Weg zurück ins Kontrollzentrum, wo das Team in Echtzeit über die nächsten Schritte entschied.

Das Ergebnis war eindeutig: Auf einer Strecke von mehr als 250 Metern funktionierte die Verbindung stabil. Projektleiter Hakan Kayal zieht ein klares Fazit: Das Experiment zeige, dass komplexe Erkundungsszenarien auch unter extremen Bedingungen zuverlässig umgesetzt werden können. Ergänzt wird das Projekt durch eine Kamera am Schneefernerhaus, die seit September 2025 in Betrieb ist und gleichzeitig den Himmel beobachtet und die Datenübertragung zwischen Bodenstation und simuliertem Satelliten erprobt.

Quelle: https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/einblick/single/news/mars-technik/