03.05.2026 - Allgemein, Raumfahrt

Vom Weltall aus Tiere im Blick: Icarus startet zweiten Satelliten

Das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und das Unternehmen Talos haben den Mikrosatelliten „Raven" ins All gebracht, um Tierbewegungen und Umweltveränderungen weltweit per Satellit zu verfolgen. Es ist der erste eigenständige Satellit des Projekts Icarus 2.0 – weitere sollen folgen.


Bild: Sergio Izquierdo / Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie

Das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und das deutsche Raumfahrtunternehmen Talos haben erfolgreich einen Mikrosatelliten ins All gebracht, der Tierbewegungen und Umweltveränderungen weltweit beobachten soll. Der Satellit mit dem Namen „Raven" startete an Bord einer Falcon-9-Rakete von SpaceX vom Weltraumbahnhof Vandenberg in Kalifornien.

Ein Netz für das „Internet der Tiere"

Raven ist der erste eigenständige Satellit der Initiative Icarus 2.0 – einem europäisch geführten Projekt, das eine eigene unabhängige Weltrauminfrastruktur für die Tierbeobachtung aufbaut. Ziel ist es, mit winzigen Sensoren ausgestattete Tiere auf allen Kontinenten nahezu in Echtzeit verfolgen zu können: Wo wandern sie hin, wie reagieren sie auf Klimaveränderungen, wie breiten sich Krankheiten aus? Die Initiatoren sprechen von einem „Internet der Tiere", das globale Ökosysteme sichtbar machen soll.

An Bord empfängt Raven Signale von Tieren, die mit kleinen Sendern ausgestattet sind, und übermittelt deren Positionsdaten an Forschungsteams am Boden. Bis zu sechs Datenaktualisierungen pro Tag soll das System langfristig liefern, sobald die geplante Konstellation aus mindestens fünf eigenständigen Kleinsatelliten vollständig im Orbit ist. Zwei weitere Starts sind noch für 2026, zwei weitere für Frühjahr 2027 geplant. Zusammen mit einem bereits im November 2025 gestarteten Empfänger auf einem Satelliten der Universität der Bundeswehr München werden dann sechs Icarus-Empfänger gleichzeitig in der Erdumlaufbahn aktiv sein.

Neben Talos und dem Max-Planck-Institut sind die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR, der Satellitenhersteller EnduroSat sowie die National Geographic Society an dem Projekt beteiligt. Letztere soll die Technologie über ihr weltweites Netzwerk aus Forschenden auch kleineren Institutionen zugänglich machen.

Neustart nach politischem Rückschlag

Icarus 2.0 ist der Nachfolger eines Systems, das von 2020 bis 2022 auf der Internationalen Raumstation betrieben wurde – damals noch in Zusammenarbeit mit der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wurde der Betrieb eingestellt. Das neue System ist nun vollständig europäisch aufgebaut und unabhängig von einzelnen staatlichen Partnern. Talos miniaturisierte die Technologie dafür auf die Größe eines Schuhkartons, was den Einsatz auf deutlich kleineren und günstigeren Satelliten ermöglicht.

Quelle: https://www.mpg.de/26456835/icarus-startet-zweiten-satelliten