25.06.2026 - Allgemein, Luftfahrt

Studie zeigt Stärken und Schwächen der europäischen Luftfahrt auf

Eine im Auftrag des EU-Parlaments erstellte Studie bewertet die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Luftfahrt und identifiziert Stärken wie den Binnenmarkt und die führende Luft- und Raumfahrtindustrie neben Risiken wie hohen Klima- und Energiekosten. Als Chancen nennt sie den Ausbau nachhaltiger Kraftstoffe sowie neuer Technologien, verbunden mit konkreten Handlungsempfehlungen an die EU.


Symbolbild: Unsplash/Illia Cher

Im Auftrag des TRAN-Ausschusses des Europäischen Parlaments hat die Politikabteilung für Verkehr, Beschäftigung und Soziales eine Studie zur Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Luftfahrtsektors vorgelegt. Verfasst wurde sie von der Beratungsfirma Steer und im Mai 2026 veröffentlicht. Die Studie mit dem Titel Aviation Sector Strategic Action Plan analysiert Stärken, Risiken und Chancen der Branche entlang der Wertschöpfungskette.

Analyse deckt gesamte Wertschöpfungskette der Luftfahrt ab

Die Studie orientiert sich am Draghi-Bericht zur Zukunft der EU-Wettbewerbsfähigkeit aus dem Jahr 2024 und untersucht Fluggesellschaften, Flughäfen, die Luft- und Raumfahrtindustrie, Flugsicherungsdienste, die Bodenabfertigung sowie Flugkraftstoffe. Dabei vergleicht sie die EU mit Drittstaaten und bewertet zusätzlich die Arbeitsbedingungen der Branche. Als Stärken identifiziert die Studie den gut entwickelten europäischen Luftfahrtbinnenmarkt, der Markteintrittshürden für Airlines senkt und Verbrauchern Vorteile verschafft, sowie die weltweit führende Position der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie. Auch bei der Produktion von nachhaltigem Flugkraftstoff, kurz SAF, liegt die EU mit rund 20 Prozent der Weltproduktion vorn.

Hohe Klimaambitionen und Energiekosten als zentrale Herausforderungen

Gleichzeitig benennt die Studie deutliche Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit. So führten die hohen Klimaambitionen der EU durch Regelungen wie ReFuelEU Aviation und den Emissionshandel zu höheren Kosten für europäische Fluggesellschaften. Ob dies zu einer Verlagerung des Flugverkehrs an Flughäfen außerhalb der EU führt, lässt sich laut Studie bislang nicht eindeutig belegen. Als weitere Belastung nennt die Untersuchung die Energiekosten in der EU, die etwa doppelt so hoch liegen wie in den USA oder China und sowohl die Luft- und Raumfahrtindustrie als auch die SAF-Produktion verteuern. Zusätzlich verschärfen die seit 2022 geltenden Russland-Sanktionen die Lage, da europäische Airlines den russischen Luftraum meiden müssen, während chinesische Fluggesellschaften ihn weiter nutzen. Dadurch verlängern sich Routen zwischen der EU und China, was bereits zu Marktanteilsverlusten von bis zu 29 Prozentpunkten geführt hat. Auch bei den Arbeitsbedingungen zeigt sich ein gemischtes Bild: Während die Luft- und Raumfahrtindustrie durch qualifizierte, gut bezahlte Tätigkeiten geprägt ist, sind Arbeitsbedingungen in der Bodenabfertigung häufig schlechter, was den Fachkräftemangel begünstigt.

Als Chancen nennt die Studie den Ausbau der SAF- und E-SAF-Produktion sowie Investitionen in neue Technologien wie elektrische oder wasserstoffbetriebene Antriebe, künstliche Intelligenz und moderne Flugverkehrsmanagementkonzepte. Empfohlen werden eine gezielte Luft- und Raumfahrtstrategie, gesicherter Zugang zu kritischen Rohstoffen sowie Qualifizierungsstrategien gegen den Fachkräftemangel.

Quelle (Englisch): https://www.europarl.europa.eu/thinktank/en/document/CASP_STU%282026%29759338