Planetare Verteidigung: Europa und Japan besiegeln Zusammenarbeit
Die Europäische Weltraumorganisation ESA und die japanische Raumfahrtagentur JAXA haben in Berlin zwei Abkommen zur planetaren Verteidigung unterzeichnet. Darunter ist auch eine Kooperationsvereinbarung zur gemeinsamen Mission zum Asteroiden Apophis. Die Ramses-Mission soll 2028 starten und Apophis bei seinem seltenen Vorbeiflug an der Erde im April 2029 begleiten.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA und die japanische Raumfahrtagentur JAXA haben ihre Zusammenarbeit im Bereich der planetaren Verteidigung formell besiegelt. Am 7. Mai unterzeichneten ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher und JAXA-Präsident Hiroshi Yamakawa in Berlin ein Memorandum sowie eine gesonderte Kooperationsvereinbarung zur sogenannten Ramses-Mission. Letztere soll den erdnahen Asteroiden Apophis bei seinem Vorbeiflug an der Erde im Jahr 2029 aus nächster Nähe beobachten.
Gemeinsam gegen eine globale Bedrohung
Planetare Verteidigung bedeutet: Objekte im Weltraum frühzeitig erkennen, ihre Flugbahnen verfolgen und im Ernstfall Gegenmaßnahmen entwickeln. ESA-Chef Aschbacher beschrieb das als „globale Verantwortung" und betonte, die Unterzeichnungen markierten den Schritt von gemeinsamen Absichten zu konkreter Umsetzung. Die Vereinbarungen bauen auf einer gemeinsamen Erklärung vom November 2024 auf, in der beide Agenturen ihre Zusammenarbeit ausweiten wollten. Veranstaltungsort war die italienische Botschaft in Berli. Die ESA hatte kurz zuvor OHB Italia als Hauptauftragnehmer für die Ramses-Mission ausgewählt.
Apophis kommt und ESA und JAXA sind dabei
Das erste greifbare Ergebnis der Partnerschaft ist die Ramses-Mission. Der Asteroid Apophis, rund 375 Meter im Durchmesser, wird am Freitag, dem 13. April 2029, in nur 32.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeifliegen. Das ist näher als viele Satelliten in geosynchronen Umlaufbahnen und ein Zehntel der Mondentfernung. Ein Einschlagrisiko besteht nicht, aber ein Vorbeiflug dieser Art tritt bei einem Objekt dieser Größe nur alle 5.000 bis 10.000 Jahre auf. Für bis zu zwei Milliarden Menschen soll Apophis mit bloßem Auge sichtbar sein.
Ramses soll 2028 starten und den Asteroiden bereits vor dem Vorbeiflug erreichen, um zu beobachten, wie die Schwerkraft der Erde Form, Oberfläche und Bewegung des Himmelskörpers verändert. Vorher-Nachher-Vergleiche sollen Aufschluss über Struktur und Zusammensetzung geben. Diese Daten könnten für künftige Abwehrstrategien wertvoll sein. Die Aufgabenteilung ist klar: Die ESA verantwortet Bau, Integration und Betrieb des Raumfahrzeugs, die JAXA stellt Solarpaneele, eine Infrarotkamera und den Start an Bord ihrer H3-Rakete bereit.
Beide Agenturen arbeiten bereits länger zusammen. Beispiele dafür sind die beiden Erdbeobachtungsmissionen EarthCARE und BepiColombo sowie die Hera-Mission, die noch in diesem Jahr das Doppelasteroidensystem Didymos ansteuern und Techniken zur Asteroidenablenkung erproben soll.

