Flug um den Flaugergues-Krater auf dem Mars
Ein virtueller Rundflug um einen gewaltigen Einschlagskrater – dieses neue Video rückt eine markante Formation im südlichen Marshochland in den Fokus: Der Krater Flaugergues hat einen Durchmesser von 245 Kilometern, was in etwa der Ost-West-Ausdehnung von Belgien entspricht. Grundlage für die Animation sind Bilddaten der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) an Bord der ESA-Mission Mars Express. HRSC ist ein Kameraexperiment, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurde und seit Januar 2004 den Mars umkreist.
Die aus den Bilddaten berechneten digitalen Geländemodelle ermöglichen eine dreidimensionale Visualisierung der Marslandschaft. Durch die genaue Vermessung von Oberflächen mithilfe dieser Daten können geologische Prozesse in der Frühzeit des Mars in ihrer Art und Anzahl rekonstruiert werden. Auf der sich dynamisch verändernden Erde ist dieser Blick in die Frühzeit des Planeten nicht möglich.
Weitläufige Einschlagstrukturen wie der Flaugergues-Krater haben Forschenden dabei geholfen, das Alter weiter Teile des südlichen Marshochlandes auf das Mittlere Noachium, also heute vor etwa 3,94 Milliarden Jahren, zu datieren. Zu dieser Zeit war das Sonnensystem erst eine halbe Milliarde Jahre alt. Es gab noch große Asteroiden, die wesentlich häufiger mit den Körpern des inneren Sonnensystems kollidierten als heute. Der Körper, der den Krater erzeugt hat, dürfte eine Größe zwischen 15 und 25 Kilometern gehabt haben.
Benannt wurde der im Video vorgestellte Krater nach dem französischen Astronomen Honoré Flaugergues, der von 1755 bis 1835 lebte. Schon als Kind interessierte er sich für Astronomie. Das Wissen über unser Sonnensystem eignete er sich, unterstützt durch seinen Vater, eigenständig an. Obwohl er nie eine Universität besuchte, veröffentlichte er später Abhandlungen nicht nur auf dem Gebiet der Astronomie, sondern auch der Medizin und der Archäologie.
Die „Flugroute“
Der Rundflug beginnt bei Scylla und Charybdis Scopuli, führt nach Norden zur Ostseite des Kraters Flaugergues und umrundet ihn dann gegen den Uhrzeigersinn bis zu seinem westlichen Rand. Die beiden Scopuli (lateinisch für Felsen) sind unregelmäßige Steilhänge, die eine langgezogene und relativ ebene Senke umschließen. Sie ist etwa 75 Kilometer breit und liegt bis zu 1.000 Meter tiefer als das umgebende Terrain. Die vergleichsweise geringe Dichte an Einschlagskratern innerhalb dieser grabenartigen Struktur weist auf ein jüngeres Alter gegenüber der Umgebung hin. Gleichzeitig lässt die Morphologie vermuten, dass die Senke durch vulkanische Ablagerungen verfüllt wurde. An einer Stelle lassen sich die Überreste einer Auswurfdecke (Ejecta) erkennen, die von einem Einschlagskrater im Osten stammt und sich teilweise in der Senke abgelagert hat.
Westlich hiervon passiert man nun einen weiteren großen Einschlagskrater namens Bakhuysen, der einen Durchmesser von 150 Kilometern hat und vor ungefähr 3,7 Milliarden Jahren entstanden ist. Danach rückt nun der Krater Flaugergues ins Bild. Auffällig ist, dass sein Boden nicht einheitlich flach verfüllt ist, wie die der meisten anderen Krater seines Alters. Flaugergues‘ Boden wird etwa zur Hälfte von einem zerklüfteten, bis zu tausend Meter hohen Gelände dominiert, das von einem kleinen Tal durchschnitten wird.
Im Gegensatz dazu ist der nördliche Teil des Kraterbodens eine fast überall flache Ebene, die nur von einigen faltigen Rücken durchzogen wird. Diese Rücken deuten darauf hin, dass es sich hierbei um eine Verfüllung mit dünnflüssiger Lava handelt. Das erhöhte Terrain wurde wahrscheinlich nach der Entstehung des Kraters und nach der Verfüllung mit Lava von außen kommend aufgeschüttet.
Geologische Datierungen zeigen, dass diese Verfüllung in etwa dasselbe Alter aufweist wie die Füllung der langgestreckten Senke, die von den beiden Scopuli begrenzt wird. Das erhöhte Terrain in Flaugergues ähnelt morphologisch stark dem umgebenden alten Hochland, weshalb es in einigen geologischen Kartierungen zeitlich vor der Lavaverfüllung eingeordnet wird. Die Grenzfläche zwischen beiden Einheiten deutet jedoch darauf hin, dass die Lavafüllung stratigraphisch unterhalb der stark zerklüfteten Einheit liegt und somit vorher abgelagert wurde.
Quelle: https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2026/flug-um-den-flaugergues-krater-auf-dem-mars

