12.05.2026 - Allgemein, Luftfahrt

Feinstaub am Flughafen: Studie weist erstmals Schmieröl in Echtzeit nach

Forschende des Paul Scherrer Instituts haben im Umfeld des Flughafens Zürich ultrafeinen Feinstaub gemessen und dabei erstmals in Echtzeit Schmieröl in den Abgasen landender und startender Flugzeuge nachgewiesen. Als mögliche Gegenmaßnahmen diskutieren Fachleute schwefelärmere Treibstoffe und den Einsatz elektrischer Schlepper auf dem Rollfeld.


Bild: Paul Scherrer Institut PSI/Markus Fischer

Forschende des Paul Scherrer Instituts haben im Umfeld des Flughafens Zürich die Luftqualität systematisch gemessen und dabei erstmals Schmieröl in den Abgasen von Flugzeugen in Echtzeit nachgewiesen. 

Was die Messungen zeigen

Bislang wurden Feinstaubproben an Flughäfen meist über den gesamten Tag gesammelt und erst anschließend ausgewertet. Das Forschungsteam des PSI wählte einen anderen Ansatz: In zwei mehrwöchigen Messkampagnen, im Winter 2022 und im Sommer 2024, analysierten sie den Feinstaub praktisch unmittelbar nach dem Einfangen, gut einen Kilometer von der meistgenutzten Start- und Landebahn entfernt. So ließ sich der Einfluss einzelner Flugzeuge, wechselnder Windrichtungen und unterschiedlicher Tageszeiten deutlich präziser erfassen.

Die Resultate sind eindeutig: Beim Starten und Landen stoßen Flugzeuge besonders viele ultrafeine Partikel aus, also Staubkörnchen, die kleiner als 100 Nanometer sind und damit weit kleiner als ein menschliches Haar. Die Forschenden haben bis zu 300.000 solcher Partikel pro Kubikzentimeter Luft erfasst, mehr als das Zehnfache des nächtlichen Hintergrundwertes, wenn keine Flugzeuge unterwegs sind. Zum Vergleich: In Stadtzentren liegen die typischen Werte bei 5.000 bis 40.000 Partikeln pro Kubikzentimeter. Die Konzentration am Flughafen übertrifft urbane Werte damit erheblich, auch wenn die Gesamtmasse des Feinstaubs in der Stadt insgesamt höher liegt. Gesundheitlich relevant ist dabei vor allem die Partikelgröße: Ultrafeine Teilchen dringen beim Einatmen tief in die Lunge ein, was sie für Anwohnende und Flughafenpersonal besonders problematisch macht.

Neu an der Studie ist der Nachweis von Schmieröl, das an diesen winzigen Partikeln haftet. Eine frühere Studie am Frankfurter Flughafen hatte zwar bereits Hinweise darauf geliefert, jedoch nur auf Basis von Tagesmittelwerten. Das PSI-Team konnte nun zeigen, dass die Schmierölemissionen direkt mit einzelnen überfliegenden Maschinen zusammenhängen: Jedes Mal, wenn ein Flugzeug in rund 80 bis 100 Metern Höhe die Messstation passierte, registrierten die Forschenden einen deutlichen Anstieg der Partikelkonzentration. Die Triebwerksabgase werden dabei durch den Abwind hinter den Tragflächen nach unten gedrückt. Nicht alle Flugzeugtypen scheinen gleich viel Schmieröl auszustoßen, was auf unterschiedliche Triebwerksbauarten oder Wartungszustände hindeuten könnte.

Schwefelarmes Kerosin als Ansatz

Die möglichen Gesundheitsfolgen von Schmieröl, das tief in die Lunge gelangt, sind noch nicht abschließend erforscht. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt, das die Studie finanziert hat, lässt die Ergebnisse deshalb bereits in internationale Arbeitsgruppen einfließen.

Konkrete Maßnahmen werden schon geprüft: Schwefelärmeres Kerosin gilt als naheliegender erster Schritt, da Schwefelverbindungen maßgeblich zur Feinstaubbildung beitragen, für Kerosin aber bislang kaum strenge Grenzwerte gelten. Daneben wäre denkbar, Flugzeuge auf dem Rollfeld künftig mit elektrischen Schleppern zu bewegen, um den Triebwerksbetrieb am Boden zu reduzieren. Langfristig könnten synthetische Kraftstoffe, sogenanntes Sustainable Aviation Fuel, helfen: Sie enthalten keinen Schwefel und verbrennen sauberer. Am PSI wird bereits seit Jahren zu ihrer effizienten Herstellung geforscht.

Quelle: https://www.psi.ch/de/news/medienmitteilungen/schadstoffbelastung-durch-flugzeuge