EASN skizziert Zukunft der europäischen Luftfahrt
Der europäische Luftfahrtforschungsverband EASN hat ein Positionspapier veröffentlicht, das einen grundlegenden Umbau der europäischen Luftfahrt fordert. Schrittweise Verbesserungen reichten nicht aus, stattdessen brauche es einen sogenannten Clean Aviation Moonshot, also einen tiefgreifenden und koordinierten Transformationsprozess.
Die European Aeronautics Science Network Association, kurz EASN, hat ein neues Positionspapier zur Zukunft der europäischen Luftfahrt veröffentlicht. Unter dem Titel "Clean Aviation Moonshot for the Disruptive Transformation of the Sector" skizziert der Verband, was nötig wäre, um die Branche klimaneutral, wettbewerbsfähig und technologisch souverän zu machen.
Mehr als nur weniger Emissionen
Der Kern der EASN-Position ist klar: Wer die europäische Luftfahrt zukunftsfähig machen will, darf sich nicht auf schrittweise Verbesserungen verlassen. Das Papier argumentiert, dass ein echter Systemwandel gefragt sei, der weit über die Reduktion von CO2-Emissionen hinausgeht. Nachhaltigkeit müsse von Anfang an in die Entwicklung neuer Flugzeuge und Systeme eingebaut werden und dabei wirtschaftliche Tragfähigkeit, Betriebseffizienz, Sicherheit, gesellschaftliche Akzeptanz und den gesamten Lebenszyklus eines Luftfahrzeugs einschließen.
Konkret schlägt EASN eine dreigliedrige Forschungsstruktur vor. Langfristig angelegte Projekte sollen grundlegende, riskante Technologien erforschen, die noch weit von der Marktreife entfernt sind. Mittelfristige Vorhaben sollen diese dann auf Systemebene zusammenführen und demonstrieren. Kurzfristige Projekte schließlich sollen marktreife Technologien in die Anwendung bringen. Entscheidend sei dabei, so das Papier, dass alle drei Ebenen ausreichend finanziert werden. Bisherige EU-Rahmenprogramme hätten zu stark auf marktnahe Entwicklung gesetzt und die Grundlagenforschung vernachlässigt, was langfristig die Innovationspipeline gefährde.
Als konkrete Forschungsfelder nennt EASN unter anderem neue Antriebskonzepte ohne fossile Brennstoffe, neuartige Flugzeugkonfigurationen für den Langstreckenbereich, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Entwicklung und Zertifizierung sowie fortschrittliche Materialien und Fertigungsverfahren. Querschnittsthemen wie digitales Vertrauen, Kreislaufwirtschaft und die Vorbereitung auf neue Zertifizierungsanforderungen seien dabei unverzichtbar, weil technologische Fortschritte allein nicht zum Einsatz kämen, wenn regulatorische Rahmenbedingungen nicht mitgedacht würden. Ausdrücklich betont das Papier auch die Notwendigkeit, Start-ups stärker einzubinden und die Gleichstellung der Geschlechter in der Branche voranzutreiben.
Was die EASN ist
Die EASN Association ist ein europäischer Zusammenschluss von Universitäten und Forschungseinrichtungen im Bereich der Luft- und Raumfahrt. Der Verband versteht sich als Verbindungsglied zwischen akademischer Grundlagenforschung und industrieller Anwendung und bringt sich regelmäßig in politische Debatten zur Forschungsförderung ein. Nach eigener Einschätzung spielen Hochschulen nicht nur eine ergänzende, sondern eine grundlegende Rolle für Innovation: Sie liefern das Wissen, die Infrastruktur und die Fachkräfte, auf denen die gesamte Branche aufbaut.
Quelle (Englisch): https://easn.net/?q=news_view_article&id=440

