Aerospace & Defense Outlook 2026: Rekordnachfrage trifft auf anhaltende Engpässe
Die internationale Luftfahrt bleibt auf Wachstumskurs, wird jedoch weiterhin von Lieferengpässen, einer alternden Flugzeugflotte und steigenden Wartungsanforderungen ausgebremst. Laut dem aktuellen Aerospace & Defense Outlook 2026 von AlixPartners dürften diese Entwicklungen die Branche noch mehrere Jahre prägen.
Die Luftfahrtindustrie wächst weiter, steht jedoch vor anhaltenden strukturellen Herausforderungen. Zu diesem Ergebnis kommt der Beratungsdienstleister AlixPartners im Aerospace & Defense Outlook 2026, der die Entwicklungen der internationalen Luftfahrt- und Raumfahrtbranche analysiert. Die Autorinnen und Autoren erwarten, dass die Nachfrage nach Flugreisen hoch bleibt, Hersteller und Zulieferer jedoch auch in den kommenden Jahren Schwierigkeiten haben werden, ausreichend neue Flugzeuge bereitzustellen.
Der Bericht untersucht die wichtigsten Entwicklungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Luftfahrt. Im Fokus stehen unter anderem Flugzeugflotten, Wartung, Lieferketten, Nachhaltigkeit, Fluggesellschaften sowie zukünftige Technologien. Ziel ist es, aktuelle Markttrends einzuordnen und die daraus entstehenden Chancen und Risiken für Hersteller, Zulieferer, Airlines und Investoren aufzuzeigen.
Zu den zentralen Ergebnissen zählt, dass das Durchschnittsalter der weltweiten Passagierflugzeugflotte mit mehr als 15 Jahren einen historischen Höchststand erreicht hat. Ursache sind vor allem die verzögerten Auslieferungen neuer Flugzeuge, wodurch Airlines ältere Maschinen länger im Einsatz halten müssen. Gleichzeitig befindet sich die weltweite Flotte nahezu vollständig im Betrieb, während nur rund neun Prozent der Flugzeuge eingelagert sind. Besonders neue Langstreckenflugzeuge werden nahezu ohne Unterbrechung eingesetzt.
Die hohe Auslastung führt nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren zu einem starken Wachstum des Wartungs- und Instandhaltungsmarktes. Vor allem Triebwerksüberholungen werden in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Gleichzeitig stoßen Wartungsbetriebe zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen, da sowohl ältere Triebwerke als auch neue Antriebsgenerationen zusätzlichen Reparaturbedarf verursachen. Insbesondere Probleme bei Pratt & Whitney GTF-Triebwerken sowie steigende Wartungsanforderungen für LEAP-Triebwerke verschärfen die Situation.
Auch die Flugzeughersteller bleiben mit hohen Auftragsbeständen konfrontiert. Zwar rechnen die Autorinnen und Autoren mit steigenden Auslieferungszahlen, insbesondere bei Kurzstreckenflugzeugen, dennoch dürfte es noch mehrere Jahre dauern, bis die Produktion wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Lieferengpässe bei Triebwerken, Kabinenausstattung und weiteren Komponenten bremsen den Hochlauf weiterhin.
Darüber hinaus widmet sich der Bericht der wirtschaftlichen Lage der Fluggesellschaften. Trotz steigender Umsätze erwartet AlixPartners für 2026 eine geringere Profitabilität als im Vorjahr. Als wesentliche Ursachen nennen die Autorinnen und Autoren höhere Treibstoffkosten infolge geopolitischer Spannungen sowie steigende Betriebskosten. Gleichzeitig entwickeln sich die Geschäftsmodelle unterschiedlich. Netzwerkfluggesellschaften und einige europäische Billigfluggesellschaften bleiben vergleichsweise robust, während zahlreiche nordamerikanische Low-Cost-Airlines stärker unter Kostendruck stehen.
Nachhaltigkeit bleibt langfristige Aufgabe
Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Dekarbonisierung der Luftfahrt. Nach Einschätzung von AlixPartners verlangsamt sich der Fortschritt derzeit. Die verspätete Erneuerung der Flugzeugflotten, der langsame Ausbau der Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe sowie die noch nicht marktreifen neuen Flugzeugkonzepte erschweren die Erreichung der Klimaziele. Kurzfristig sehen die Autorinnen und Autoren vor allem Potenzial in betrieblichen Maßnahmen wie optimierten Flugrouten oder effizienteren Anflugverfahren. Größere Emissionsminderungen seien dagegen erst mit einer neuen Flugzeuggeneration und einer deutlich höheren Verfügbarkeit nachhaltiger Kraftstoffe zu erwarten.
Konkrete Handlungsempfehlungen formuliert der Bericht ebenfalls. Unternehmen sollten nach Ansicht von AlixPartners ihre Investitionen in Wartungskapazitäten, Triebwerksreparaturen und Lieferketten ausbauen, um den steigenden Bedarf bewältigen zu können. Gleichzeitig empfehlen die Autorinnen und Autoren, die Entwicklung nachhaltiger Technologien sowie den Ausbau der Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe voranzutreiben. Zudem wird eine stärkere Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette als wichtiger Hebel für mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit hervorgehoben.

