Neuanfang für DGLR-Nachwuchsgruppe: Aus IFSys wird EAGLES
2026: Der Klimawandel ist an vielen Stellen deutlich sichtbar. Jedes Jahr verwüsten Umweltkatastrophen Regionen auf der ganzen Welt. Auch in Deutschland sind die Auswirkungen in Form von Dürre, Wasserknappheit und Waldbränden spürbar. Besonders im Sommer können aus kleinen Feuern große Waldbrände werden. Project EAGLES ist eine im Sommersemester 2025 gegründete Projektwerkstatt am Institut für Luft- und Raumfahrttechnik (ILR) der Technischen Universität Berlin mit dem Ziel, ein unbemanntes Luftfahrzeug (Unmanned Aerial Vehicle, UAV) zur Waldbrandfrüherkennung zu entwickeln. Mittels moderner Sensorik erkennt das System frühzeitig Brandherde durch die kombinierte Auswertung von Hitze-, Rauch- und Atmosphärendaten. Denn bei Bränden zählt jede Sekunde.

Das Team von Project EAGLES an der TU Berlin, Foto: Project EAGLES

Prototyp EVE auf der Startrampe, Foto: Project EAGLES

Überprüfung der Klappenmechanik, Foto: Project EAGLES
Project EAGLES (Electric Aircraft for Green Long Endurance Surveillance) wird von Studierenden für Studierende organisiert und betreut, um mehr Praxis im Studium zu ermöglichen. Damit wird der Grundgedanke der vorangegangenen Projekts IFSys aufgegriffen und in einer neuen Generation von Studierenden fortgeführt.Auch bei IFSys ging es um die Entwicklung von UAVs, Project EAGLES forscht konkreter an einem fliegenden Frühwarnsystem für Waldbrände. Dieses soll Brandherde durch Hitzesignaturen, Rauchquellen und veränderten atmosphärischen Zusammensetzungen frühzeitig identifizieren und die Rettungskette so schnell wie möglich aktivieren. Damit sollen Waldbrände umgehend geortet und große Waldflächen gerettet werden. Das UAV kann dabei durch sein modulares Design an unterschiedliche Missionen angepasst werden.
Blended Wing Body namens EVE
Als grundlegender Forschungsaspekt wird im Rahmen des Project EAGLES das innovative Flugzeugkonzept eines Blended Wing Body (BWB) erforscht, einer Flugzeugkonfiguration, die ohne Leitwerke fliegt und dadurch erhebliche Verbesserungen in der Aerodynamik, Transportkapazität und im Energieverbrauch durch verringerte Verluste verspricht. Die Missionsnutzlast wird dabei in den Rumpf integriert, um eine möglichst ungestörte aerodynamische Oberfläche zu erhalten. All das untersucht Project EAGLES mit einem ersten Technologiedemonstrator namens EVE.
EVE hat eine Spannweite von 3,3 Metern, eine maximalen Startmasse von 15 Kilogramm und eine Reisefluggeschwindigkeit von 20 Metern pro Sekunde. Für eine stabile Flugmechanik werden S-Schlagprofile verwendet. In der Rumpfsektion kommt das Profil MH 104 zum Einsatz, während das HS 520 im Bereich der Flügel genutzt wird. Eine Pfeilung von 25 Grad und eine nichtlineare Verwindung der Flügel auf minus fünf Grad an der Flügelspitze sorgen für einen ausgeglichenen Momentenhaushalt. Die Steuerbarkeit wird durch Klappen entlang des gesamten Flügels gewährleistet. Zusätzlich sorgen Steuerflächen in den Winglets für eine verbesserte Lenkbarkeit um die Hochachse. Als Antrieb dienen Impeller, ummantelte Rotoren, die aus operationellen Gründen einem Propeller vorgezogen wurden.
Ein Prototyp entsteht
Zum Start der Projektwerkstatt im Sommersemester 2025 lag der volle Fokus auf der Entwicklung des ersten Prototyps. Über 20 Studierende waren an EVEs Entwicklung und Bau beteiligt. Dazu zählten neben der aerodynamischen und flugmechanischen Auslegung, die Entwicklung der Struktur, des elektrischen Systems sowie der Exploration von Fertigungsmethoden. Zusätzlich entstand eine Startrampe für EVE.
Die Studierenden können mit EAGLES Leistungspunkte in einem Hands-On-Projekt verdienen. Durch die multidisziplinäre Natur des Projekts kommen Studierende aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen und bearbeiten komplexe, vernetzte Aufgaben als Team. Dabei weckt das Projekt Interesse bei Studierenden aus den Bereichen Luft- und Raumfahrttechnik, Elektrotechnik, Maschinenbau oder Computer Science. So fand sich ein diverses Team mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammen, das das theoretische Lehrangebot der TU um einen praxisorientierten Ansatz erweitert und die Qualifikationen von angehenden Ingenieurinnen und Ingenieuren stärkt.
Auf dem Weg zum Erstflug
Aktuell arbeiten knapp 30 Studierende auf den erfolgreichen Erstflug von EVE hin. Vor diesem Meilenstein findet eine umfangreiche Testphase von allen Systemen am Boden statt. Dazu zählen Strukturtests, Tests der Telemetrie, Elektronik und Flugsteuerung sowie die Überprüfung der Funktionalität der Startrampe. Mittels einer Simulation werden das Flugverhalten von EVE vor dem Erstflug analysiert und Steuer- und Regelgesetze implementiert.
Nach dem Erstflug folgt ein ausgedehntes Flugtestprogramm, bei dem die Flugleistungen und die Flugdynamik von EVE ermittelt werden. Mit diesen Daten werden anschließend die Berechnungsmethoden und Simulationen verfeinert. Alle gesammelten Erfahrungen und Testergebnisse fließen in die Entwicklung eines zweiten Prototyps, der den vollen Funktionsumfang der Mission in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr demonstrieren soll. Dazu werden die benötigten Sensoren und die Datenverarbeitung unter Einsatz von künstlicher Intelligenz entwickelt.
