Zeppelin erforscht Luftqualität über Nordrhein-Westfalen
Das Forschungszentrum Jülich startet eine zweiwöchige Zeppelin-Messkampagne über Nordrhein-Westfalen, um neue Verfahren zur Atmosphärenmessung zu testen. Die gewonnenen Daten sollen unter anderem die Forschung zu Luftqualität, Klimawandel und Waldgesundheit voranbringen.
Zeppelin wird zum fliegenden Forschungslabor
Das Forschungszentrum Jülich startet am 3. August eine zweiwöchige Messkampagne mit einem Zeppelin NT über Nordrhein-Westfalen. Das Luftschiff hebt vom Flughafen Essen/Mülheim ab und dient als Forschungsplattform für hochpräzise Atmosphärenmessungen. Ziel der Kampagne ist es, neue Messverfahren unter realen Bedingungen zu erproben und gleichzeitig Daten zu sammeln, die für die Klima und Umweltforschung von Bedeutung sind.
Der Zeppelin eignet sich besonders für diese Aufgabe, weil er langsam und stabil fliegen kann. Dadurch lassen sich bestimmte Regionen gezielt überfliegen und Messungen in geringer Höhe durchführen. Das eröffnet Möglichkeiten, die mit schnelleren Forschungsflugzeugen nur eingeschränkt möglich sind.
Spurengase, Wind und Wälder im Fokus
Im Mittelpunkt der Messkampagne stehen sogenannte Spurengase. Dabei handelt es sich um Gase, die nur in sehr geringen Mengen in der Atmosphäre vorkommen, aber wichtige Informationen über chemische und biologische Prozesse liefern. Mit ihrer Hilfe untersuchen die Forschenden, wie Stoffe zwischen Wäldern, Städten und der Atmosphäre ausgetauscht werden und welchen Einfluss diese Prozesse auf Luftqualität und Klima haben.
Ein weiterer Bestandteil der Kampagne ist die Erprobung eines neu entwickelten Windmesssystems. Während der Flüge zeichnet der Zeppelin Winddaten auf, die anschließend mit Messungen an stationären Messtürmen verglichen werden. Durch diesen Vergleich prüfen die Forschenden, ob das neue System zuverlässig und präzise arbeitet. Eine erfolgreiche Validierung ist eine wichtige Voraussetzung, um das Verfahren künftig bei weiteren Messkampagnen einzusetzen.
Darüber hinaus verfolgt die Kampagne zwei wissenschaftliche Schwerpunkte. Ein Forschungsteam untersucht, wie sich Umweltstress auf den Austausch von Stoffen zwischen Wäldern und Atmosphäre auswirkt. Bäume geben natürliche Spurengase an die Luft ab, die unter anderem die Bildung kleinster Schwebeteilchen beeinflussen können. Durch Messungen über unterschiedlich stark geschädigten Waldgebieten wollen die Forschenden besser verstehen, wie sich diese Prozesse unter den Bedingungen des Klimawandels verändern.
Ein zweites Team befasst sich mit Luftschadstoffen in Städten. Im Fokus stehen Emissionen, die nicht aus Verkehr oder Industrie stammen, sondern beispielsweise durch Haushaltschemikalien entstehen. Diese Quellen sind bislang nur unzureichend untersucht, können jedoch einen erheblichen Einfluss auf die Luftqualität haben. Die Messungen sollen dazu beitragen, Luftqualitätsmodelle zu verbessern und eine fundierte Grundlage für künftige Maßnahmen zum Umwelt und Gesundheitsschutz zu schaffen.
An der Kampagne sind mehrere Institute des Forschungszentrums Jülich sowie nationale und internationale Forschungseinrichtungen beteiligt. Ergänzt wird die Zusammenarbeit durch die Zeppelin NT Luftschifftechnik GmbH & Co. KG, die den Einsatz des Luftschiffs als Forschungsplattform unterstützt. Gemeinsam wollen die Beteiligten neue Erkenntnisse über Prozesse in der Atmosphäre gewinnen und gleichzeitig Messverfahren weiterentwickeln, die künftig auch bei weiteren Forschungsprojekten zum Einsatz kommen können.

