17.06.2026 - Allgemein, Raumfahrt

Ariane 6 stellt europäischen Nutzlastrekord auf

Ariane 6 hat bei seinem neusten Start erstmals vier P160C-Booster eingesetzt und damit 36 Amazon-Kuiper-Satelliten in die Umlaufbahn gebracht. Das sind so viele wie nie zuvor bei einem europäischen Start. Die neue Boostertechnologie, die künftig auch der Vega-C zugutekommen soll, steigert die Nutzlastkapazität der Rakete um bis zu zwei Tonnen.


Bild: ESA\CNES\ArianespaceArianeGroup\Optique Vidéo du CSG–T. Leduc

Die europäische Schwerlastrakete Ariane 6 hat erstmals 36 Satelliten der Amazon-Konstellation Kuiper in die erdnahe Umlaufbahn gebracht und dabei einen neuen Nutzlastrekord für Europa aufgestellt. Möglich wurde dies durch vier neue, leistungsstärkere Feststoffbooster des Typs P160C, die beim jüngsten Flug zum ersten Mal eingesetzt wurden.

Achter Erfolgsstart in Folge mit neuer Boostertechnologie

Am 17. Juni 2026 um 14:21 Uhr MESZ hob Ariane-6-Flug VA269 vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana, ab. Rund eine Stunde nach dem Start setzte die Rakete alle 36 Kuiper-Satelliten planmäßig in ihre Umlaufbahn ab. Es war der achte erfolgreiche Start in Folge für Europas neueste Trägerrakete.

Der entscheidende Unterschied zu früheren Missionen lag in der Antriebskonfiguration: Erstmals kamen vier Booster auf Basis des neuen Feststoffraketenmotors P160C zum Einsatz. Jeder dieser Booster führt 14 Tonnen mehr Treibstoff mit als das bisherige Modell P120C, was die Gesamttreibstoffmenge auf 156 Tonnen pro Booster erhöht. Die Bauteile sind einen Meter länger als ihre Vorgänger und messen nun 14,5 Meter, ohne dabei die Verbindung zum Raketenkern oder die Gesamthöhe der Rakete zu verändern. Durch die gesteigerte Schubkraft konnte die Ariane 6 vier Satelliten mehr transportieren als bei den beiden vorangegangenen Kuiper-Starts.

Insgesamt steigern die P160C-Booster die Nutzlastkapazität der Rakete in die erdnahe Umlaufbahn um bis zu zwei Tonnen gegenüber der bisherigen Konfiguration. Damit übertraf der Flug VA269 den bisherigen europäischen Frachtrekord, den die Ariane 5 im Jahr 2013 mit der rund 20 Tonnen schweren ESA-Versorgungsmission ATV Albert Einstein zur Internationalen Raumstation aufgestellt hatte.

Europäische Entwicklung für zwei Raketen

Die neue Boostertechnologie ist das Ergebnis breiter europäischer Zusammenarbeit: Europropulsion entwickelte den P160C im Auftrag von ArianeGroup und Avio. Das Gehäuse der Booster wird in Italien gefertigt, die Triebwerksdüse in Frankreich und der Zünder in Norwegen. Betankt und für den Start vorbereitet werden die Booster am Weltraumbahnhof in Kourou. Künftig sollen die P160C-Booster auch bei der kleineren ESA-Rakete Vega-C verwendet werden, was gemeinsame Lieferketten ermöglicht und die Kosten für beide Programme senkt.

Ariane 6 selbst ist ein Gemeinschaftsprojekt der ESA mit einem Industrienetzwerk in 13 europäischen Ländern unter Führung von ArianeGroup als Hauptauftragnehmer. Die französische Raumfahrtbehörde CNES verantwortet den Startbetrieb in Kourou; Arianespace fungierte bei diesem Flug als Startdienstleister für Amazon.

Quelle: https://www.esa.int/Newsroom/Press_Releases/Ariane_6_startet_mit_leistungsstaerkeren_Booster-Triebwerken_ein_neuer_Rekord_fuer_Europa