15.06.2026 - Allgemein, Raumfahrt

Isar Aerospace bricht Spectrum-Testflug erneut ab

Isar Aerospace hat den zweiten Testflug der Spectrum-Rakete erneut abgebrochen, diesmal wegen Abweichungen in den Flüssigkeitssystemen. Das Startfenster bleibt bis 21. Juni 2026 offen, ein neuer Termin ist noch nicht bekannt.


Bild: Isar Aerospace/X

Das Münchner Raumfahrt-Start-up Isar Aerospace hat den für den 15. Juni 2026 geplanten zweiten Testflug seiner Trägerrakete Spectrum kurz vor dem Start abgebrochen. Als Ursache nannte das Unternehmen Abweichungen in den Flüssigkeitssystemen der Rakete. Die Teams analysieren derzeit die Ursache.

Fünf Satelliten an Bord, doch die Rakete bleibt am Boden

Der Start war für 22 Uhr vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya nördlich des Polarkreises geplant. An Bord der 28 Meter langen, zweistufigen Rakete befanden sich fünf Kleinsatelliten sowie ein wissenschaftliches Experiment. Damit wäre es der erste Flug der Spectrum mit Nutzlast an Bord gewesen. Die Mission trägt den Namen „Onward and Upward" und war seit Januar 2026 vorbereitet worden. Kurz vor der geplanten Zündung stellten die Ingenieurinnen und Ingenieure jedoch erneut Abweichungen in den Flüssigkeitssystemen fest.

Verschobene Starts mit verschiedenen Ursachen

Es war nicht der erste Rückschlag für die zweite Spectrum-Mission. Im Januar 2026 stand eine Rakete erstmals startbereit auf der Rampe, doch Probleme mit einem Ventil verhinderten den Aufstieg. Im März musste der Countdown abgebrochen werden, weil ein norwegisches Fischerboot unerlaubt in die Sperrzone eingefahren war und das enge Startfenster von 15 Minuten überschritten wurde. Anfang April folgte der nächste Abbruch wegen eines vermuteten Lecks in einem Verbundwerkstoff-Druckbehälter. Beim ersten Testflug der Spectrum im März 2025 war die Rakete zwar erfolgreich gestartet, aber nach 30 Sekunden wegen Problemen mit einem Ventil und der Flugstabilität kontrolliert ins Meer gesteuert worden. Gleichwohl war es damals ein historischer Moment: Es war der erste Start einer Orbitalrakete in Kontinentaleuropa außerhalb Russlands.

Startfenster bis Sonntag, RFA wartet auf Sommerpremiere

Das aktuelle Startfenster bleibt bis einschließlich Sonntag, 21. Juni 2026, offen. Ein konkreter neuer Termin steht noch nicht fest; auch die Wetterbedingungen, insbesondere starker Wind, können einen weiteren Versuch verhindern. Um eine Wiederholung des Fischerboot-Vorfalls auszuschließen, hat die Polizei auf Antrag des Startplatzbetreibers ein Verkehrsverbot für den Land- und Seeverkehr im Umfeld des Starts angekündigt. Mit der Rocket Factory Augsburg steht unterdessen ein weiteres deutsches Microlauncher-Unternehmen vor seinem Erststart, der voraussichtlich im Sommer von den Shetlandinseln aus stattfinden soll.