Galileo bekommt direkte Satellitenkommunikation
Die Intersatelliten-Link-Antennen der zweiten Galileo-Generation der Europäischen Weltraumorganisation ESA haben umfangreiche Tests bestanden. Sie werden nun in die Satelliten integriert. Das neue System ermöglicht direkte Kommunikation zwischen Satelliten im Orbit und soll die Robustheit und Präzision des europäischen Navigationssystems deutlich verbessern.
Die Antennen für die Intersatelliten-Kommunikation der zweiten Galileo-Generation haben ihre Testkampagne erfolgreich abgeschlossen und werden nun in die Satelliten integriert. Damit rückt ein wichtiges Upgrade des europäischen Navigationssystems näher.
Galileo ist derzeit das präziseste Satellitennavigationssystem der Welt. Seit 2016 steht es mit seinem offenen Dienst zur Verfügung und wird von Milliarden Smartphone-Nutzern weltweit genutzt. Das Programm wird von der Europäischen Kommission finanziert und verwaltet. Die Europäische Weltraumorganisation ESA ist für Design, Entwicklung und Qualifikation der Systeme verantwortlich.
Direkt von Satellit zu Satellit
Bisher tauschen die Galileo-Satelliten Informationen ausschließlich über Bodenstationen aus. Das hat einen strukturellen Nachteil: Ein Satellit muss vom Boden aus sichtbar sein, damit eine Station Kontakt aufnehmen kann. Die zweite Generation soll das ändern. Jeder der neuen Satelliten wird mit zwei Intersatelliten-Link-Terminals ausgestattet, über die er direkt mit anderen Satelliten der zweiten Generation kommunizieren kann. Nachrichten lassen sich so auch dann übermitteln, wenn ein bestimmter Satellit nicht vom Boden aus erreichbar ist, indem sie über einen anderen Satelliten weitergeleitet werden.
Ein zentrales Bauteil dabei ist der Antennen-Zeigmechanismus. Er richtet die Antenne alle 40 Sekunden neu auf einen anderen Satelliten aus. Über die geplante Lebensdauer von 15 Jahren ergibt das rund zwölf Millionen Neuausrichtungen. Um diese Belastbarkeit zu belegen, absolvierte ein Testmodell bei Beyond Gravity in der Schweiz in einem sieben Monate dauernden Versuch 15 Millionen Neuausrichtungen ohne Unterbrechung. Ergänzend wurden elektromagnetische Verträglichkeit sowie Mikrovibrationen am ESA-Technikzentrum im niederländischen Noordwijk geprüft. Die Flugmodelle, die tatsächlich ins All starten werden, durchliefen Ende 2025 bei MDA Canada Umwelt- und Hochfrequenztests. Zuletzt wurden die ersten zwei Mechanismen des Airbus-Defence-and-Space-Satellitenfamilienteams an TESAT in Deutschland geliefert. Dort werden sie in das vollständige Intersatelliten-Link-Modul eingebaut.
Bodenstationen bleiben das Rückgrat des Systems
Trotz der neuen Fähigkeiten im All bleibt das Bodensegment notwendig. Es überwacht die Satelliten und sendet Korrekturnachrichten, fungiert also weiterhin als steuernde Instanz der gesamten Konstellation. Die Intersatelliten-Links ergänzen dieses System, indem sie zusätzliche Zeitsynchronisierung und Entfernungsmessungen ermöglichen. Das soll die Gesamtgenauigkeit von Galileo weiter steigern. Das Bodensegment wird parallel zur Satellitenentwicklung ausgebaut und getestet, um einen nahtlosen Übergang zur neuen Generation sicherzustellen.
Quelle (Englisch): https://www.esa.int/Applications/Satellite_navigation/Conversations_in_the_sky_Galileo_s_intersatellite_links_tested

