13.05.2025 - Allgemein, Raumfahrt

Erster Galileo-Satellit wird verabschiedet

Der Galileo-Satellit GSAT0104 wurde nach zwölf Jahren im Einsatz als erster Satellit der europäischen Navigationskonstellation außer Betrieb genommen. Damit beginnt eine neue Phase im nachhaltigen Management der Galileo-Flotte, bei dem alte Satelliten sicher aus dem aktiven Betrieb entfernt werden, um Platz für neue zu schaffen.


Bild: ESA

Im April 2025 wurde der Satellit GSAT0104 nach über einem Jahrzehnt im Dienst offiziell außer Betrieb genommen. Damit ist er der erste Galileo-Satellit, der diesen Schritt durchläuft – und das mit besonderer Bedeutung: GSAT0104 war im Jahr 2013 an der ersten Positionsbestimmung nur mit Galileo-Satelliten beteiligt und schrieb so europäische Raumfahrtgeschichte. Nun endet seine Mission mit einem weiteren Meilenstein – als Vorbild für zukünftige Deorbitierungen innerhalb der Galileo-Konstellation.

Galileo – Europas eigenes Navigationssystem

Galileo ist das europäische Satellitennavigationssystem, das seit 2017 hochpräzise Ortungsdienste für über vier Milliarden Nutzerinnen und Nutzer weltweit bietet. Ziel ist es, Europas Unabhängigkeit von anderen globalen Systemen wie GPS sicherzustellen und in Bereichen wie Verkehr, Landwirtschaft, Zeitmessung und Notfallrettung Anwendung zu finden. GSAT0104 war einer von vier Erprobungssatelliten, die früh im Programm eingesetzt wurden, um die Funktionalität des Systems zu testen. Nach einem Ausfall der Hauptantenne wurde er später für Such- und Rettungsdienste genutzt.

Warum Satelliten Platz machen müssen

Satelliten haben eine begrenzte Lebensdauer. Die Bauteile altern, und irgendwann nimmt ihre Zuverlässigkeit ab. Bei Galileo sind es rund zwölf Jahre für die erste Generation – diese Zeit hatte GSAT0104 nun erreicht. Doch es geht nicht nur um Technik, sondern auch um Platz im All. „In Galileo müssen wir unsere Umlaufbahnen frei und sicher halten, um die kontinuierliche Erneuerung der Flotte zu ermöglichen“, erklärt Riccardo Di Corato, Leiter der Analyseeinheit der Konstellation. Nur eine „gesunde“ Konstellation kann zuverlässige Dienste bieten.

Nachhaltiger Rückzug ins All

Der Rückzug von GSAT0104 geschah nach festgelegten Abläufen: Der Satellit wurde zuerst mithilfe seiner letzten Treibstoffreserven in eine sogenannte „Friedhofs-Umlaufbahn“ gebracht – eine stabile Umlaufbahn 700 Kilometer oberhalb der aktiven Galileo-Satelliten. Dort stört er weder andere Galileo- noch geostationäre Satelliten. Anschließend wurde der Satellit „passiviert“, das heißt, alle Energiequellen wie Treibstoff und Batterien wurden vollständig entladen, um das Risiko einer Explosion zu verhindern. Dieses Vorgehen schützt nicht nur die aktive Flotte, sondern trägt auch dazu bei, Weltraumschrott zu vermeiden – ein wachsendes Problem in der Raumfahrt.

Ein Beispiel für die Zukunft

Mit GSAT0104 wurde als erster von insgesamt 38 Satelliten der ersten Galileo-Generation außer Dienst gestellt. Diese Erfahrung soll helfen, zukünftige Deorbitierungen effizienter und sicherer zu gestalten. Drei weitere der ältesten Galileo-Satelliten sind noch in Betrieb, haben aber ebenfalls bereits ihr geplantes Lebensende erreicht. Eine Entscheidung über ihre Deaktivierung wird jährlich getroffen.

Quelle (Englisch): https://www.esa.int/Applications/Satellite_navigation/Thank_you_for_your_service_Galileo_GSAT0104