Raketenstart für StellarHeal – Meilenstein für zukünftige Wundversorgung bei Raumflügen und auf der Erde
Am 12. März ist eine Forschungsrakete aus dem REXUS-Programm vom schwedischen Esrange Space Center in die Stratosphäre gestartet, an Bord das THRIVE-Modul mit Komponenten des zellbasierten StellarHeal-Wundversorgungsmaterials aus Würzburg, Hannover und Dresden. Seit letztem November liefen die Vorbereitungen für den aktuellen Raketenstart, jetzt heißt es Daumen drücken, dass die Experimente gute Ergebnisse bringen.
Die Wundheilung unter Bedingungen der Raumfahrt gilt als besonders problematisch: Schwerelosigkeit stört Zellwachstum und -organisation, während kosmische Strahlung das Immunsystem schwächt. Die Folge sind verzögerte Heilungsprozesse, ein erhöhtes Infektionsrisiko und stärkere Narbenbildung. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen des europäischen REXUS-Programm ein neues Wundheilungskonzept getestet. Das Projekt „StellarHeal“ kombiniert moderne Material- und Biotechnologien und wurde nun erstmals unter realen Raketenstartbedingungen erprobt. Ziel ist es zu prüfen, ob die empfindlichen Komponenten den extremen Belastungen eines Starts standhalten und damit für zukünftige bemannte Raumflüge geeignet sind.
Kern des StellarHeal-Konzepts ist ein Gewebe aus Fasern, das sich im Körper von selbst abbaut. Dies soll die Blutungen stoppen und gleichzeitig die Heilung aktiv unterstützen. Sie enthält lebende Hautzellen sowie Immunzellen, die Infektionen bekämpfen und die Geweberegeneration fördern. Ergänzt wird dies durch spezielle Materialien, die nicht nur stabil und flexibel sind, sondern auch eine gewisse Strahlungsresistenz aufweisen.
Ein zentrales Forschungsinteresse liegt darin, wie diese komplexen biologischen und synthetischen Komponenten auf extreme Belastungen reagieren. Dazu zählen starke Beschleunigungskräfte, Temperaturschwankungen und mechanische Vibrationen während eines Raketenstarts. Erste Experimente deuten darauf hin, dass insbesondere die Kombination aus Stammzelltechnologie, Gewebsorganoiden und innovativen Trägermaterialien vielversprechend ist, um die Wundheilung auch unter außergewöhnlichen Bedingungen zu verbessern. Langfristig könnte das System nicht nur in der Raumfahrt, sondern auch bei chronischen Wunden auf der Erde Anwendung finden.
Die Tests waren Teil des REXUS-Programmes. Dies ermöglicht europäischen Studierenden und Forschungseinrichtungen, Experimente unter realistischen Raumfahrtbedingungen durchzuführen. Die Tests finden unter anderem am Esrange Space Center statt, einem wichtigen Startplatz für Höhenforschungsraketen nördlich des Polarkreises. Im Rahmen des Teilprojekts THRIVE wurden StellarHeal-Komponenten in einem speziell entwickelten, gekühlten Transportmodul ins All geschickt, während Vergleichsproben auf der Erde verblieben.
Nach der Rückkehr der Proben erfolgt nun die detaillierte Auswertung. Dabei sollen mögliche Schäden an Zellen und Materialien analysiert sowie die Funktionalität des Transportsystems überprüft werden. Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung des Konzepts mit Blick auf zukünftige Einsätze in bemannten Raumfahrtmissionen.

