Experimente von Studierenden in Schwerelosigkeit: REXUS-Kampagne 35/36 abgeschlossen
Nach zwei Jahren war es endlich wieder soweit: Am 10. und 12. März 2026 sind die beiden Forschungsraketen REXUS 35 und REXUS 36 vom Raumfahrzentrum Esrange in Nordschweden gestartet. REXUS (Raketen-Experimente für Universitäts-Studierende) ist das Forschungsprogramm für Studierende der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Schwedischen Raumfahrtagentur SNSA.
Während der Projektzeit durchlaufen die Studierenden den gesamten Lebenszyklus eines Raumfahrtprojekts. Sie werden dabei von Raumfahrtexpertinnen und -experten aus Deutschland und Europa begleitet. Der Flug einer einstufigen REXUS-Rakete mit knapp sechs Metern Länge und 36 Zentimetern Durchmesser dauert rund sieben Minuten. Dabei trägt sie die Experimente in eine Höhe von bis zu 90 Kilometern. Bei Bedarf können Experimente für einen Zeitraum von zwei Minuten in annähernder Schwerelosigkeit durchgeführt oder auch Objekte mit Messinstrumenten ausgeworfen werden. Auch Experimente außerhalb der Rakete sind ebenfalls möglich. Insgesamt konnten acht Teams, davon fünf von deutschen Hochschulen, einen der Teilnehmerplätze erhalten.
Innovative Hitzeschilde, Halbleiter und Geysire
Raumfahrzeuge benötigen Hitzeschilde, um wieder auf die Erde zurückkommen zu können. Bislang sind diese jedoch sehr wartungsintensiv und meist nur einmal benutzbar. Im Experiment TRACER (TRAnspiration Cooling Experiment Revisited) der RWTH Aachen wird ein neuartiger Hitzeschild erprobt. Dieser verwendet das Prinzip der Transpirationskühlung. Dabei wird Gas durch die Außenwand des Schildes geleitet. Im Experiment werden mehrere Kühlsysteme mit unterschiedlichen Gasen getestet.
Halbleiter sind die Grundlage aller elektronischen Geräte. Das Element Germanium spielt in der Produktion eine wichtige Rolle. Das Experiment GOOSE (Germanium Orbital Optical Semiconductor Experiment) der Technischen Universität München untersucht das Schmelzverhalten von Germanium in Schwerelosigkeit. Die Ergebnisse sollen neue Erkenntnisse für die Herstellung von Halbleitern liefern.
Geysire gibt es nicht nur auf der Erde, sondern auch auf anderen Planeten. Beispielsweise treten auf dem eisigen Saturnmond Enceladus in Geysiren sogenannte Plumes auf. Dabei handelt es sich um aufsteigende Ströme heißen Materials aus der Tiefe, die sich in Form einer schmalen Säule zur Oberfläche bewegen. Das Experiment MEEGA (Make Enceladus Experiment Go Again) der Fachhochschule Aachen möchte diese Plume-Replikationen beschreiben. Dabei wird ein Materialfluss mithilfe eines Sensorsystems, das auch Druck und Temperatur misst, visuell dokumentiert. Damit soll ein Beitrag zum Verständnis der zugrunde liegenden Physik geleistet werden.
Im Experiment THRIVE (Tissue Healing Research for In-Flight Viability Experiment) der Universität Würzburg und der Technischen Hochschule Würzburg wird ein Transportmodul für organische und anorganische Komponenten der neuartigen Wundheilungsmethode StellarHeal unter Weltraumbedingungen getestet. Zugleich wird auch die Widerstandsfähigkeit der Wundheilungskomponenten erprobt. StellarHeal ist ein Projekt des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin und könnte einst eine effektive Wundversorgung für Astronautinnen und Astronauten leisten.
Das Experiment MARTINI (Material Analysis of Resin Testing In Null-Gravity Interactions) der Technischen Universität Braunschweig untersucht das Verhalten von Harzmischprozessen unter Schwerelosigkeit. Photopolymerharze vernetzen sich unter Einwirkung von UV-Licht. Sie kommen in der Raumfahrt zum Beispiel bei der Konstruktion von Satelliten zum Einsatz. Im Experiment sollen das Mischen und anschließende Aushärten untersucht werden. Langfristig könnten diese Materialien im Weltall eingesetzt werden, indem Komponenten im 3D-Druck-Verfahren hergestellt würden. So könnten beispielsweise Satelliten im Orbit gewartet werden.

