Europas nächste Generation der Wetterbeobachtung aus dem All
Mit dem erfolgreichen Einsatz des Arctic Weather Satellite und den ersten Bildern des Meteosat Third Generation-Sounder (MTG-S) hat die Europäische Weltraumorganisation ESA zwei zentrale Bausteine für die nächste Generation der Wettervorhersage etabliert. Gemeinsam sollen die Missionen zu häufigeren, genaueren und räumlich besser aufgelösten Wetterdaten führen.
Der im August 2024 gestartete Arctic Weather Satellite wurde als kleines, kosteneffizientes Demonstrationsprojekt konzipiert und innerhalb von nur drei Jahren entwickelt. Ziel war es zu zeigen, dass eine Konstellation kleiner polarumlaufender Satelliten in der Lage ist, die dringend benötigten häufigen Messungen für Kurzfristvorhersagen und Nowcasting zu liefern – insbesondere in der Arktis, einer der sich am schnellsten erwärmenden Regionen der Erde.
Ausgestattet mit einem mikrowellenbasierten Radiometer misst der Satellit Temperatur und vor allem atmosphärischen Wasserdampf, der sich in hohen Breiten sehr schnell verändern kann und einen großen Einfluss auf die Prognosegüte hat. Die Qualität der Daten erwies sich als so hoch, dass das European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF) sie bereits operativ in seine Wettermodelle integriert hat.
Dieser Erfolg ebnete den Weg für die geplante Satellitenkonstellation EPS-Sterna, die von Eumetsat in Kooperation mit der ESA umgesetzt wird. Die Konstellation soll aus sechs aktiven Satelliten bestehen, ergänzt durch Ersatzstarts, sodass insgesamt 20 Satelliten bis mindestens 2042 gebaut werden sollen. Mit Wiederholraten von unter drei Stunden und einer Datenverfügbarkeit von rund einer Stunde stellt EPS-Sterna einen deutlichen Fortschritt gegenüber bisherigen polarumlaufenden Wettersatelliten dar, die dieselbe Region meist nur zweimal täglich erfassen.
Parallel dazu hat ESA auf der Europäischen Weltraumkonferenz in Brüssel die ersten Bilder des Meteosat Third Generation-Sounder (MTG-S) vorgestellt. Der Satellit befindet sich in einer geostationären Umlaufbahn in etwa 36 000 Kilometern Höhe und liefert kontinuierliche Beobachtungen über Europa und Nordafrika. Die am 15. November 2025 aufgenommenen Bilder zeigen Temperaturverteilungen an der Erdoberfläche und an Wolkenobergrenzen sowie Feuchtigkeitsstrukturen in der Atmosphäre.
MTG-S ist der erste europäische hyperspektrale Sounder im geostationären Orbit. Sein Infrarot-Sounder erfasst Daten in rund 1700 Spektralkanälen, wodurch künftig dreidimensionale Karten von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Winden und Spurengasen entstehen sollen. Die hohe zeitliche Auflösung – neue Temperatur- und Feuchtigkeitsdaten für Europa alle 30 Minuten – soll insbesondere die Vorhersage schnell entstehender Unwetter deutlich verbessern.
Die Leistungsfähigkeit des Systems zeigte sich bereits bei der Beobachtung des Vulkanausbruchs des Hayli-Gubbi-Vulkans in Äthiopien, dessen Aschewolke mithilfe der Infrarotdaten zeitnah verfolgt werden konnte.
Quellen (Englisch): https://www.esa.int/Applications/Observing_the_Earth/Meteorological_missions/Arctic_Weather_Satellite/Arctic_Weather_Satellite_paves_way_for_constellation

