DGLR-News Meldung

10.08.2017 - Rubrik: Wirtschaft/Technik

Wandelbare Marslandschaft in Coracis Fossae

Bild: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO.

Auf besonders alten Oberflächen des Mars kann man oft Spuren von Oberflächenprozessen ablesen, die vor Milliarden Jahren stattgefunden haben. Die aktuellen Bilder der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebenen, hochauflösenden Stereokamera HRSC (High Resolution Stereo Camera) an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express zeigen ein solches Gebiet - einen alten, stark zerfurchten Gebirgszug in der Region Thaumasia.

"Von der Erde abgesehen hat der Mars die abwechslungsreichste Oberfläche aller Planeten und Monde, da sie nicht nur von Vulkanismus und Tektonik, sondern offenbar auch von Wasser, Eis und Wind gestaltet wurde. Viele verschiedene Oberflächenprozesse haben ihre Spuren hinterlassen", sagt DLR-Planetenforscher Ernst Hauber.

Der Gebirgszug, der auf den HRSC-Bildern zu sehen ist, wurde von tektonischen Gräben, Einschlagskratern, Flüssen und periglazialen Strukturen (Formen, die nur in Dauerfrostgebieten auftreten) geprägt. Das Hochland Thaumasia, zu dem der Gebirgszug gehört, befindet sich südlich des großen Canyonsystems Valles Marineris auf dem Mars und ragt bis zu vier Kilometer über die umliegende Ebene auf.

Die Coracis-Gräben: Entstanden durch Vulkanismus, verändert durch Eis

Zahlreiche Nord-Süd-orientierte tektonische Gräben, die als Coracis Fossae (übersetzt: "Rabengräben") bezeichnet werden, durchschneiden weite Bereiche des alten Gebirges (siehe Bild 4). Diese Verwerfungen, die in der linken (südlichen) Hälfte auf Bild 1 als lineare Strukturen zu erkennen sind, wurden vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren durch das Zusammenspiel von Spannungsfeldern der nahen Vulkanprovinz Tharsis und des Canyonsystems Valles Marineris erzeugt. Tektonische Strukturen wie diese Verwerfungen können die Ausbreitung von Magma, Wasser und Wärme steuern, weil sie deren Ausbreitungsrichtung vorgeben können und somit vulkanische und hydrogeologische Aktivität beeinflussen. Es gibt Hinweise darauf, dass sich Flusstäler durch Grundwasseraustritt sowie Abflussrinnen von Oberflächenwasser zur selben Zeit gebildet haben, als diese Landschaft durch aktive Tektonik geformt wurde. Durch die Ablaufen des fließenden Wassers wurden die Gräben zunächst durch dessen Erosionskraft verformt und später mit Sedimenten teilsweise verfüllt.

Helle Ablagerungen, möglicherweise Tonminerale, fallen im rechten (nördlichen) Teil und am Rand des großen Einschlagskraters auf (Bild 1). Tonminerale auf dem Mars sind ein Hinweis auf die ehemalige Existenz von flüssigem Wasser zur Zeit der Mineralbildung. Sie entstehen durch die chemische Verwitterung von vulkanischem Gestein in Verbindung mit Wasser und Wärme. Diese Art von Ablagerungen wurde auch in Spektraldaten der Umgebung identifiziert, beispielsweise im Einschlagskrater Lampland. "Auf dem Mars identifizierte Tonminerale finden sich meist in Landschaften aus der Frühzeit des Mars", so DLR-Planetenforscherin Daniela Tirsch.

In jüngerer Vergangenheit wurde die Region Coracis Fossae durch glaziale Prozesse - solche, die mit Eis in Verbindung stehen - verändert. Eisreiches Material rutschte die Hänge hinab und lagerte sich auf den Kraterböden ab, was an den gewundenen, manchmal kreisförmigen Strukturen innerhalb der Krater zu erkennen ist und sie heute sehr flach erscheinen lässt.

Quelle: http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10212/332_read-23552