DGLR-News Meldung

07.11.2017 - Rubrik: DGLR-Presseservice, Politik/Gesellschaft

Thomas Reiter mit Eugen-Sänger-Medaille geehrt

Am 7. November 2017 hat die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) den Astronauten und derzeitigen ESA-Koordinator Thomas Reiter mit der Eugen-Sänger-Medaille geehrt. Reiter erhielt die Auszeichnung „für hervorragende Verdienste auf der MIR und der ISS, für 350 Tage im All und damit die größte Weltraumerfahrung aller europäischer Astronauten, darunter auch mehrere Außenbordeinsätze und für eine große Anzahl von wissenschaftlichen Experimenten in der Umlaufbahn“. Die DGLR verleiht die Medaille für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Raumfahrtwissenschaften bzw. des Raumfahrtgeräts.

Dr. Rolf Janovsky verlieh die Medaille an Thomas Reiter. Bild: DGLR

„Thomas Reiter hat die Raumfahrt in Deutschland und Europa auf zweierlei Weise entscheidend geprägt“, sagte Prof. Rolf Henke, Präsident der DGLR. „Zum einen natürlich durch hervorragende astronautische Tätigkeiten bei seinen Einsätzen auf der MIR und der ISS, zum anderen aber auch durch seine nachfolgende Arbeit beim DLR und der ESA. Er wirkte an der deutschen Raumfahrtstrategie mit und hat wesentliche Entscheidungen zur Zukunft der europäischen Raumfahrt beeinflusst. Dazu kommt außerdem sein persönliches Engagement, die Raumfahrt in die Öffentlichkeit zu tragen.“

Nach dem Abitur verpflichtete sich Thomas Reiter für die Luftwaffe und studierte Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität der Bundeswehr München. Nach dem Studium ging er in die USA, wo er zum Jetpiloten ausgebildet wurde. Im Anschluss kehrte er nach Deutschland zurück und war weiter als Pilot tätig.

1989 meldete Reiter sich zusammen mit 22.000 weiteren Europäern auf die Ausschreibung als Astronaut bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Seine Bewerbung und die von fünf anderen Kandidaten verliefen erfolgreich. So trat Reiter 1993 seine Ausbildung im Europäischen Astronautentrainingszentrum (EAC) in Köln an. Nur wenige Monate später verkündete die ESA, dass vier ihrer Astronauten für Raumflüge zur MIR ausgewählt worden waren. Fortan bereitete sich Reiter im Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum auf seine anstehende Mission vor.

Im September 1995 brach Reiter mit den Kosmonauten Juri Gidsenko und Sergei Awdejew im Rahmen der „Euromir 95“-Mission zur russischen Raumstation auf. Während der Mission führte Reiter diverse Experimente durch und wurde zum ersten deutschen Raumfahrer, der einen Weltraumausstieg unternahm. Nach 176 Tagen ging es für die Crew zurück zu Erde. Zwischen 1997 und 1999 war Reiter wieder für die Luftwaffe tätig.

Anfang 1999 ging Reiter zur ESA zurück und arbeitete dort an dem europäischen Transportfahrtzeug ATV. Außerdem war er im Projektteam für das ISS-Forschungslabor Columbus aktiv und bereitete sich auf seinen nächsten Langzeitaufenthalt im All vor. Am 4. Juli 2006 startete Reiter schließlich zur Internationalen Raumstation ISS, wo er 166 Tage lang arbeitete und lebte.

Nach der Mission ließ sich Reiter von der Bundeswehr beurlauben und war von Oktober 2007 bis März 2011 im Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig, wo er für die Bereiche Raumfahrtforschung und -entwicklung verantwortlich war.

Im Anschluss wechselte Reiter als Leiter des Direktorats für Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb zur ESA. Damit war er dort für den Bereich der bemannten Raumfahrt, den Betrieb bemannter und unbemannter Raumfahrzeuge und des Bodensegments zuständig. Mit Amtsantritt des derzeitigen ESA-Generaldirektors Jan Wörner 2015 wurde Reiter zum ESA-Koordinator für internationale Agenturen und zum Berater Wörners.

Reiter ist seit 1984 Mitglied der DGLR. 1996 wurde er zum Korrespondierenden Mitglied in Würdigung seiner wissenschaftlichen Arbeiten und seines persönlichen erfolgreichen Einsatzes für die Raumfahrt ernannt. Von Anfang 2007 bis Ende 2012 war er Mitglied des Präsidiums der DGLR und von 2009 bis 2011 außerdem im Senat tätig.

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