DGLR-News Meldung

05.10.2017 - Rubrik: Wirtschaft/Technik

ICAS-Workshop: Intelligente und autonome Technik in der Luftfahrt

Alle zwei Jahre findet der Workshop des International Council of the Aeronautical Sciences, kurz ICAS, statt. In diesem Jahr wurde das Seminar im Rahmen eines Treffens des ICAS-Programmausschusses vom 10. bis 14. September 2017 im schweizerischen Winterthur abgehalten. Gastgeber war die Schweizerische Vereinigung für Flugwissenschaften, die ebenfalls ICAS-Mitglied ist. Dr. Shinji Suzuki, Professor an der Universität Tokyo und Vorsitzender des ICAS-Programmausschusses, leitete das Seminar, an dem sich eingeladene Führungskräfte und Experten aus aller Welt beteiligten.

Der Workshop begann mit einem Willkommensgruß: „Wir sind an der Schwelle der dritten Luftfahrtrevolution, einer mit urbanen Drohnen und industrieller Digitalisierung, die durch intelligente und autonome Technik ermöglicht wird. Für dieses Seminar luden über 70 Mitglieder des ICAS-Programmausschusses – die Vertreter aus der weltweiten Luftfahrtgemeinschaft sind –, Ideenführer und Experten aus diesem technologischen Feld ein, damit sie ihre Ideen, theoretischen Rahmenbedingungen und Herausforderungen sowie Chancen in der Anwendung teilen können“, so ICAS-Präsidentin Dr. Susan Ying. Mithilfe beeindruckend hoher Rechenleistungen und komplexer Algorithmen nahmen die Fähigkeiten künstlicher Intelligenz, auch unter dem Kürzel KI bekannt, zu. Bereits der Eröffnungsreferent Dr. Paul Nielsen von der Carnegie Mellon University (USA) griff die Bedeutung der hochmodernen Informatik- und Softwaretechnik auf. Am Morgen des ersten Seminartages lag der Fokus passenderweise ebenfalls auf intelligenten Technologien. Toshihiko Noguchi von All Nippon Airways (Japan) stellte Anwendungen in der Flugzeugwartung vor, während Ronny Fehling von Airbus (Deutschland) über die industrielle Datenanalytik und den Einsatz von KI für „Big Data“ im Betrieb sprach. Aus der Forschung teilten Dr. Jae-Woo Choi aus Aurora (USA) und Dr. Yoko Watanabe von ONERA (Frankreich) ihre einzigartigen Einblicke zu autonomen, intelligenten Flugkontrollsystemen, bevor Luuk van Dijk von Deadalean (Schweiz) schließlich auf das Potenzial von künstlicher Intelligenz für Drohnenoperationen hinwies.

Am Nachmittag des ersten Tages stand die Technologie der unbemannten Luftfahrzeuge, kurz UAS für Unmanned Aerial Systems, im Mittelpunkt. So präsentierten Sebastian Babiarz von Airmap (Deutschland) und Dr. Peter Lenhart von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW, Schweiz) eine Flugverkehrs-App für unbemannte Luftfahrtzeuge. Johan Pellebergs von SAAB (Schweden) und Andrea Schlapbach von FLARM Technology (Schweiz) stellten wiederum ein System zur Kollisionsvermeidung vor. Welche Technologien für UAS in der Schweiz entwickelt werden legten Martin Fengler von Meteomatics und Daniel Ambuehl von RUAG Aviation dar. Zum Schluss wurden daran anknüpfende Diskussionen von Dr. Bruno Stoufflet, Dassault Aviation (Frankreich), moderiert.

Am zweiten Tag des ICAS-Workshops lag der Fokus auf Vorschriften für unbemannte Luftfahrtsysteme. Zunächst führte Dr. Javid Bayandor von der Virginia Tech (USA) UAS-Kollisionsschäden an Computersimulationen vor. Anschließend wurden länderspezifische Vorschriften zu unbemannten Luftfahrzeugen vorgetragen. Zu den Referenten zählten Ian Ross von FAA (USA), Antonio Marchetto von EASA (Deutschland), Dr. Cees Bil von der RMIT Universität (Australien) und Markus Farner vom Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL (Schweiz). Die im Anschluss geführte Diskussion moderierte Dr. Cees Bil. Dr. Suzuki fasste die Berichte folgendermaßen zusammen: „Neue Technologien wie künstliche Intelligenz sowie autonome Systeme haben das enorme Potenzial unsere Industrie, Wirtschaft und das menschliche Leben zu verändern. Allerdings müssen neue Regeln und Vorschriften eingeführt werden, um die Anwendung dieser neuen Technologien zu ermöglichen. Damit solch eine neue Welt erschaffen werden kann, sind internationale Kooperationen vonnöten. Als eine internationale, professionelle Gesellschaft hat der ICAS die Aufgabe, diesen technologischen Austausch zu vereinfachen und die internationale Zusammenarbeiten zu fördern.“

Die Ergebnisse des Workshops werden genutzt, um den nächsten ICAS-Kongress – der in Belo Horizonte, Brasilien, vom 09. bis September 2018 stattfindet – über die jüngsten Errungenschaften und die wichtigsten Herausforderungen und Chancen der intelligenten und autonomen Ingenieursprobleme zu informieren.

Quelle: ICAS.