DGLR-News Meldung

06.11.2017 - Rubrik: Wirtschaft/Technik

ESA beteiligt sich an Wiedereintritts-Kampagne

Experten des Büros für Weltraumschrott bei der ESA werden eine internationale Kampagne betreuen, um für Anfang des kommenden Jahres den Wiedereintritt einer Raumstation in die Atmosphäre zu planen.

Bild: ESA/P. Shlyaev, CC BY-SA 3.0 IGO

Anfang 2018 soll die chinesische Raumstation Tiangong-1 nach dem Ende ihrer Betriebszeit wieder in die Atmosphäre eintreten. Es wird erwartet, dass dabei der größte Teil der Raumstation aufgrund von Reibung verbrennen wird.

Die ESA wird im Anschluss an den Wiedereintritt eine Testkampagne durchführen, die von einem internationalen technischen Gremium durchgeführt wird, dem Inter Agency Space Debris Coordination Committee (IADC).

Das IADC besteht aus Experten von 13 Raumfahrtagenturen und -organisationen, u. a. NASA, ESA, nationalen europäischen Raumfahrtagenturen, JAXA, ISRO, KARI, Roscosmos und der nationalen Raumfahrtbehörde von China.

Die Mitglieder des IADC werden den Wiedereintritt der Raumstation nutzen, um ihre jährliche Testkampagne durchzuführen, bei der die Teilnehmer ihre jeweiligen Prognosen für das Zeitfenster des Wiedereintritts sammeln und ihre Tracking-Daten von Radaren und anderen Quellen bündeln. Ziel der Testkampagne ist die Verifizierung, Kreuzanalyse und Verbesserung der Genauigkeit von Wiedereintritts-Prognosen für alle Mitglieder.

Die ESA wird wie bei den 20 bisherigen IADC-Testkampagnen, die seit 1998 durchgeführt wurden, als Betreuer und Administrator der Kampagne fungieren. Ein Sonderfall für die ESA war die Wiedereintritts-Testkampagne, die das IADC 2013 während der unkontrollierten Wiedereintritts des ESA-eigenen GOCE-Satelliten durchgeführt hat.

Die Raumstation Tiangong-1 ist 12 m lang, hat einen Durchmesser von 3,30 m und hatte eine Startmasse von 8506 kg. Sie ist seit 2013 unbesetzt, seit 2016 existiert kein Kontakt mehr.

Die Raumstation befindet sich momentan in einer Umlaufbahn in etwa 300 km Höhe und wird irgendwann zwischen Januar und März 2018 zerfallen, woraufhin es zu einem unkontrollierten Wiedereintritt in die Atmosphäre kommen wird.

„Aufgrund der Geometrie der Umlaufbahn der Station können wir bereits die Möglichkeit ausschließen, dass Fragmente weiter nördlich als 43 Grad nördlicher Breite oder weiter südlich als 43 Grad südlicher Breite herunterfallen werden“, sagt Holger Krag, Leiter des Büros für Weltraumschrott bei der ESA.

„Das bedeutet, dass der Wiedereintritt an irgendeinem Punkt auf der Erde erfolgen kann, der sich zwischen diesen Breitengraden befindet. In diesem Bereich liegen beispielsweise mehrere europäische Länder. Das Datum, die Zeit und der geographische Fußabdruck des Wiedereintritts können nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden. Selbst noch kurz vor dem Wiedereintritt kann man die Prognose nur auf ein sehr großes Zeit- und geografisches Fenster eingrenzen.“

Aufgrund der Masse und der Konstruktionsmaterialien der Station besteht die Möglichkeit, dass einige Teile von ihr den Wiedereintritt überstehen und die Erdoberfläche erreichen.

In der Geschichte der Raumfahrt gab es bislang keinerlei bestätigte Todesfälle durch herunterfallenden Weltraumschrott.

Das Büro für Weltraumschrott bei der ESA, das im Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt angesiedelt ist, wird in der Woche des 28. Februars 2018 einen internationalen Experten-Workshop durchführen, bei dem es um Wiedereintritts-Prognosen und Studien zur atmosphärischen Fragmentierung geht. Dabei können die Experten neueste Forschungserkenntnisse zu diesen und verwandten Themen austauschen.

Unabhängig von der IADC-Kampagne wird die ESA die Behörden ihrer Mitgliedstaaten wie bei allen derartigen Vorkommnissen regelmäßig mit aktuellen detaillierten Informationen über den Wiedereintritt versorgen.

Quelle: http://www.esa.int/ger/ESA_in_your_country/Germany/ESA_beteiligt_sich_an_Wiedereintritts-Kampagne