DGLR-News Meldung

29.08.2016 - Rubrik: Wirtschaft/Technik, DGLR-Presseservice

DLRK 2016: Neue Herausforderungen und Möglichkeiten für die Luftfahrt

3,5 Milliarden Passagiere flogen im letzten Jahr mit Airlines weltweit und die Zahlen steigen weiter. Der wachsende Luftverkehr bringt vielfältige Herausforderungen mit sich. Um die zukünftigen Entwicklungen vorzustellen und Möglichkeiten zu diskutieren, treffen sich Ingenieure und Wissenschaftler vom 13. bis 15. September 2016 auf Deutschlands größtem technisch-wissenschaftlichen Networking-Event der Luft- und Raumfahrt. Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) lädt in diesem Jahr zum Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK) nach Braunschweig ein. Die Themen für Luftfahrtinteressierte erstrecken sich vom Airport Management bis zu Zukunftsbildern im Luftverkehr.

Sonderthema: 125 Jahre Menschenflug

Dabei beschäftigen sich nicht alle Sitzungen mit den Perspektiven für die Zukunft. Anlässlich des 125. Jubiläums seit Otto Lilienthals ersten Flügen, die als Beginn der menschlichen Luftfahrt gelten, gibt es in diesem Jahr auf dem DLRK zwei Sondersitzungen. 1891 startete Lilienthal mit den ersten Flugversuchen, denen tausende weitere folgten. Seine Arbeit an einem Flugzeug für den Menschen begann aber schon früher. Mit seinem Bruder Gustav Lilienthal entwickelte er ein Experiment, um die Wölbungsprofile von Flügeln zu testen und das beste Verhältnis zwischen Auftrieb und Widerstand zu ermitteln. Die daraus entstandenen sogenannten Lilienthalpolare finden auch heute noch in der Forschung Anwendung.

In den Sitzungen geht es um Lilienthals Dokumentationen, seine vorangegangenen Beobachtungen des Vogelflugs und die Umsetzung auf sein Fluggerät sowie den Nachbau und Test seines Normalsegelapparats, den das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in diesem Frühjahr baute und testete. Darüber hinaus beschäftigt sich das Sonderthema aber auch mit den Entwicklungen, die seit Lilienthal in den letzten 125 Jahren in der Luftfahrt stattgefunden haben.

Flugzeugteile aus dem 3D-Drucker

Eine dieser neuen Entwicklungen sind die Additiven Fertigungsverfahren, auch unter den Namen Additive Layer Manufacturing (ALM) oder 3D-Druck bekannt. Weltweit wird derzeit massiv in das neue Herstellungsverfahren investiert. Das Verfahren an sich existiert schon seit über 20 Jahren, bringt jedoch durch moderne und größere Maschinen mit stärkerem Laser oder Multilaseranwendungen mehr Möglichkeiten mit sich.

Bei den Additiven Fertigungsverfahren werden auf Basis von digitalen Konstruktionsdaten schichtweise Bauteile aufgebaut. Als Materialien stehen schweißbare Metalle und aufschmelzbare Kunststoffe zur Verfügung. Im Drucker wird mit einem Elektronenstrahl das pulverartige Material Schicht für Schicht verschweißt oder über eine Düse aufgetragen. Durch die mit ALM möglichten, optimierten Designs im Flugzeugbau kann bei einzelnen Teilen bis zu 55 Prozent Gewicht eingespart werden, die Produktionszeit wird bis zu 75 Prozent geringer und auch die Kosten können sich nahezu halbieren.

UAV – die neuen Verkehrsteilnehmer

Die Unbemannten Luftfahrzeuge (UAV – Unmanned Aerial Vehicle) sind ein vergleichsweise neuer Teil der Luftfahrt – insbesondere seit sie als Multikopter für den freien Markt zur Verfügung stehen. Seitdem steigen das Interesse und die Verkaufszahlen. Während immer neue Entwicklungen und Möglichkeiten für die Flieger erschlossen werden, ist die rechtliche Situation noch nicht vollständig geklärt. So kam es im Februar und März dieses Jahres zwei Mal zu Beinahezusammenstößen von UAV und Verkehrsflugzeugen. Ein solcher Unfall kann gefährliche Folgen haben und fordert daher eindeutige Richtlinien für den Einsatz von UAV.

Derzeit unterscheidet das deutsche Recht in zwei verschiedene Kategorien: Flugmodelle für Freizeitaktivitäten und Modellsport und unbemannte Luftfahrtsysteme bei gewerblichen Zwecken. Der Betrieb letzterer ist generell erlaubnispflichtig, während erstere nur in besonderen Lufträumen (etwa über Menschenmengen) oder in der Nähe von Flughäfen der Erlaubnis bedürfen. Ob diese Regelungen für die Zukunft ausreichen ist fraglich. So arbeiten derzeit mehrere Behörden auf nationaler und internationaler Ebene an möglichen Regelungen.

Dialogtag Luftfahrt: Austausch zwischen Piloten und Ingenieuren

Mit diesem Thema befasst sich auch der diesjährige „Dialogtag Luftfahrt“. Der Dialogtag findet in diesem Jahr zum dritten Mal im Rahmen des DLRK statt. Zu der Veranstaltung sind Ingenieure und Piloten eingeladen, um sich auszutauschen, Anforderungen zu formulieren und Lösungen zu entwickeln.

Ein weiterer Schwerpunkt des Dialogtags neben den UAV ist die Automatisierung in der Flugführung. Nach den Regeln der Internationalen Luftfahrtorganisation ICAO (International Civil Aviation Organisation) ist es die primäre Aufgabe des Piloten, das Flugzeug sicher zu steuern. Instrumente wie beispielsweise der Autopilot können ihn dabei in seiner Arbeit unterstützen. Diese Systeme werden jedoch immer komplexer und sind nicht mehr unmittelbar durchschaubar vernetzt, sodass sie den Handlungsspielraum der Piloten einschränken können. So fordert zum Beispiel die Internationale Pilotenvereinigung IFALPA (International Federation of Air Line Pilots‘ Association), dass die Systeme mehr auf den Menschen abgestimmt werden müssen.

Die DGLR

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt - Lilienthal-Oberth e.V. (DGLR) ist die älteste Institution in der Bundesrepublik Deutschland, die allen, die sich privat oder beruflich mit Luft- und Raumfahrt beschäftigen, ein gemeinsames Forum bietet. Hier vernetzt sich das Wissen der Luft- und Raumfahrt, aktuelle Projekte und Entwicklungen werden vorgestellt und gute Ideen gefördert und honoriert.


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