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09.07.2020 - Rubrik: Wirtschaft/Technik

Solar Orbiter ist bereit für wissenschaftliche Experimente trotz COVID-19

Die ESA-Mission Solar Orbiter zur Erforschung der Sonne hat ihre viermonatige technische Überprüfung erfolgreich abgeschlossen. Trotz der Herausforderungen, die die COVID-19-Pandemie mit sich brachte, ist die Raumsonde nun bereit, wissenschaftliche Messungen zu beginnen, während sie die Reise zur Sonne fortsetzt.

Bild: ESA

Solar Obiter wurde am 10. Februar 2020 mit einer Atlas V-Rakete von Cape Canaveral in Florida gestartet. Die internationalen Teams, die für die 1,5 Milliarden Euro teure Mission arbeiten, rechneten nicht damit, dass die Ausbreitung von COVID-19 die Arbeit in ihren Hightech-Kontrollräumen innerhalb weniger Wochen einschränken würde, und sich der anspruchsvolle Prozess der Inbetriebnahme der Instrumente der Raumsonde sehr kompliziert gestalteten würde.

Unter normalen Umständen hätten sich die Wissenschaftler und Ingenieure des Projekts im Europäischen Satellitenkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt versammelt. Sie hätten gemeinsam in enger Abstimmung mit den Flugingenieuren zusammengearbeitet, um das Raumfahrzeug und seine Instrumente zum Leben zu erwecken.

Während der besonders herausfordernden ersten Wochen von Solar Orbiter in der Umlaufbahn verlief auch alles mehr oder weniger wie gewohnt. Als jedoch die Instrumententeams im März ins ESOC eingeladen wurden, änderte sich die Situation in Europa rasch.

Jedes der zehn Instrumententeams benötigte Vertreterinnen und Vertreter vor Ort. Zwei bis drei Mitglieder jedes Teams durften sich in einen speziellen Kontrollraum für den Solar Orbiter begeben. „Die anderen Vertreterinnen und Vertreter arbeiteten von einem eigens dafür eingerichteten Bereich aus“, berichtet Sylvain Lodiot, ESA-Spacecraft Operations Manager für Solar Orbiter. Es ist in der Regel nicht ungewöhnlich, dass 15 oder mehr Personen auch im Hauptkontrollraum tätig sind. Als  allerdings innerhalb einer Woche klar wurde, dass die europäischen Länder auf einen Lockdown zusteuerten, wurden die externen Teams aufgefordert, nach Hause zurückzukehren.

Das italienisch-deutsch-tschechische Team hinter dem METIS-Koronographen, einem Instrument, das die sichtbaren, ultravioletten und extrem ultravioletten Emissionen der Sonnenkorona in bisher nicht gekannter zeitlicher und räumlicher Auflösung misst, war gerade dabei, das Instrument zum ersten Mal einzuschalten, als die Entscheidung getroffen wurde, dass Personen aus den damaligen Coronavirus-Hotspots in den italienischen Regionen Piemont und Lombardei aus Sicherheitsgründen das ESOC nicht mehr betreten durften.

„Es war schwierig, die Kompetenzen des Teams spontan auf diejenigen abzustimmen, die bleiben konnten“, so Marco Romoli, leitender Wissenschaftler für METIS. „Doch dank der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ESOC und der Nervenstärke der Anwesenden konnten wir die Aktivität erfolgreich abschließen.“

Die Lage spitzte sich weiter zu, als einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ESA-Kontrollzentrum positiv auf das Virus getestet wurden und der Standort tatsächlich geschlossen wurde.

Quelle: https://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Solar_Orbiter_ist_bereit_fuer_wissenschaftliche_Experimente_trotz_COVID-19