DGLR-News Meldung

08.10.2020 - Rubrik: Wirtschaft/Technik

Hausgemachte Weltraumküche für Matthias Maurer

ESA-Astronaut Matthias Maurer wird ein Stückchen Saarland mit zur Internationalen Raumstation nehmen. In den kommenden Wochen werden Gastronomen aus seiner Heimatregion im Südwesten Deutschlands eine Auswahl weltraumtauglicher Gerichte zubereiten, über die im Anschluss öffentlich abgestimmt werden kann. Das beliebteste Gericht wird Matthias dann im Rahmen seiner zukünftigen Mission mit in den Weltraum nehmen. Allerdings wird er die saarländische Spezialität, die den Wettbewerb gewonnen hat, erst an Bord der Internationalen Raumstation probieren.

Bild: ESA, CC BY-SA 3.0 IGO

Gutes Essen spielt für Astronautinnen und Astronauten auf Langzeitmissionen eine besonders wichtige Rolle - nicht nur für die körperliche Gesundheit, sondern auch für die Stimmung an Bord und gemeinsame Momente mit der ISS-Crew sind abwechslungsreiche Mahlzeiten von großer Bedeutung.

„Oft ist das Abendessen die einzige Zeit, in der die Astronauten auf der Raumstation alle zusammenkommen können und somit der Moment, sich weit entfernt von zuhause auszutauschen und gutes Essen miteinander zu teilen“, erklärt Matthias. „So genanntes Bonus-Essen wie diese saarländischen Gerichte helfen einerseits dabei, Abwechslung in die übliche Weltraumernährung zu bringen, und außerdem können wir so unsere Kultur mit den anderen teilen und ein kleines bisschen Heimat genießen.“

Kosmische Küche

Während Matthias sich also auf eine besondere saarländische Spezialität freuen darf, umfasst das übliche Weltraummenü noch eine Reihe weiterer Gerichte, die bestimmten praktischen und ernährungstechnischen Anforderungen entsprechen müssen.

Während ihres Aufenthalts im Weltraum sollten Astronauten durch das tägliche zweistündige Sportprogramm und die straffen Tagespläne voller Forschungs- und operationeller Aktivitäten etwa 3000 Kalorien pro Tag zu sich nehmen. Zwei Drittel dieser Kalorienzufuhr stammen dabei für ESA-Astronauten aus der Lebensmittelversorgung, die von der NASA für die gesamte Weltraummission vorausgewählt und vorverpackt wird.

Das letzte Drittel der Kalorien besteht aus dem so genannten Bonus-Essen, das sich die Astronauten dann frei aus den amerikanischen oder einer Reihe europäischer, russischer und japanischer Lebensmitteloptionen zusammenstellen können.

Vor jeder zukünftigen Mission haben ESA-Astronauten wie Matthias aus diesem Grund die Möglichkeit, an mehreren Lebensmittelverkostungen teilzunehmen und mitzuentscheiden, welche Gerichte Teil der Basisverpflegung werden sollen. Während einer Trainingseinheit testen die Astronauten so eine Reihe verschiedener Speisen und Getränke und bewerten diese in einem Fragebogen. Diese Informationen werden dann an das Lebensmittel-Labor der NASA weitergeleitet, das die endgültigen Verpflegungspakete zusammenstellt.

„Bonus-Essen“

„Das russische Weltraumessen schmeckt mir sehr gut, es ist unglaublich lecker“, erzählt Matthias, „und da viele Astronauten empfehlen, während der Mission viele verschiedene Arten von Essen dabei zu haben, habe ich mir überlegt vor allem Bonus-Essen aus Russland, Europa und Japan einzupacken".

Bei diesen Lebensmittelverkostungen konnte Matthias aber auch schon feststellen, was er im Weltraum wohl am meisten vermissen wird.

Neben gutem Kaffee – „eine gute Alternative dazu zu finden, hat für mich oberste Priorität“ - ist es auch sehr schwierig, frisches Gemüse so zuzubereiten, dass es in den Weltraum geschickt werden kann und die Anforderung erfüllt, mindestens 2-3 Jahre haltbar zu sein.

„Es würde nicht so schmecken, wie man es auf der Erde kennt, und es ist einfach nicht möglich, Salat in eine Dose zu verpacken und den frischen und knackigen Geschmack zu bewahren“, erklärt er.

Umso größer ist die Vorfreude auf eine Spezialität aus dem Saarland und die anderen Gerichte, welche die internationale Besatzung der ISS bei gemeinsamen Essen gerne miteinander teilt.

„Während wir um die Welt fliegen, ist dies auch eine kulinarische Weltreise, bei der wir gemeinsam essen und die Kulturen der anderen kennenlernen. Auch im Rahmen meiner Botschafterrolle auf der ISS ist es mir deshalb so wichtig, etwas aus meiner Heimatregion mitzunehmen, und ich bin gespannt, für welches Gericht sich die Saarländer entscheiden werden.“

Quelle: https://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Hausgemachte_Weltraumkueche_fuer_Matthias_Maurer