DGLR-News Meldung

01.07.2021 - Rubrik: Wirtschaft/Technik

De-Or­bit-Se­gel sol­len Welt­raum zu­künf­tig sau­be­rer hal­ten

Am Mittwoch, 30. Juni 2021, um 21:31 Uhr MESZ hob eine Falcon 9 von SpaceX vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral, Florida ab. Mit an Bord: Der ION-Satellitenträger des italienischen Unternehmens D-Orbit auf seiner "Wild Ride"-Mission mit Tech-Passagieren aus elf Ländern. Nach Abschluss der Mission wird der Satellitenträger selbst zum Testobjekt. Er soll sicher und schnell in die Erdatmosphäre zurückgebracht werden, um so Weltraumschrott zu vermeiden. Das hierfür genutzte De-Orbit-Sail des Bremsmoduls ADEO-N2 der Firma HPS hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen mitentwickelt.

Bild: SpaceX

Das DLR-Institut für Raumfahrtsysteme arbeitet seit vielen Jahren mit der Münchner Firma HPS auf dem Gebiet der Rückführung von Satelliten in die Erdatmosphäre zusammen. In nunmehr drei von der europäischen Weltraumagentur ESA finanzierten Projekten hat das DLR sein Know-How im Bereich der Auswahl, des Designs und der Qualifikation der Membran des De-Orbit-Sails eingebracht. Sämtliche Umwelt- und Entfaltungstests wurden am DLR in Bremen durchgeführt.

„Die Innovation liegt darin, einen Satelliten aus einem niedrigen Orbit schneller in die Erdatmosphäre zurückzubringen. Hierzu muss das Segel einwandfrei funktionieren, nachdem es zehn bis 20 Jahre im Orbit in gestauter Konfiguration gelagert wurde. Weiterhin müssen Materialien eingesetzt werden, welche extrem dünn und leicht sind. Sie müssen zudem unter Weltraumbedingungen sehr langlebig sein und stabil bleiben“, erläutert Tom Spröwitz, Leiter der Abteilung Mechanik und Thermalsysteme im Bremer DLR-Institut für Raumfahrtsysteme.

Das in der Mission zu testende System samt Segel hat ein Gewicht von lediglich 800 Gramm, bei Abmessungen von nur 10 x 10 x 10 Zentimetern im gefalteten Zustand. Die ausgebreitete Segelfläche von 3,6 Quadratmetern. Die Größe und Konzept des De-Orbit-Sails sind skalierbar und können an die Größe verschiedener Raumfahrzeuge angepasst werden.

Die Idee dahinter: "Haltet den Weltraum einfach 'CleanGreen', indem Ihr nur mit einer Technik an Bord startet, die alles nach Gebrauch auch schnell wieder 'nach Hause' bringt", sagt Ernst K. Pfeiffer, Geschäftsführer des deutschen Raumfahrtunternehmens HPS.

Entscheidend ist, dass das Segel den Widerstand eines Satelliten auf seiner niedrigen Umlaufbahn erhöht. Durch die Reibung der Restatmosphäre nimmt die Bahnhöhe schneller ab, bis der ION-Satellit rückstandsfrei in der dichteren Erdatmosphäre verglüht. Die Entfaltung des Segels ist in der Mission für Ende 2021/Anfang 2022 geplant.

Quelle: https://www.dlr.de/content/de/artikel/news/2021/03/20210701_de-orbit-sails-sollen-weltraum-zukuenftig-sauberer-halten