DGLR-News Meldung

23.08.2021 - Rubrik: DGLR-Presseservice, Politik/Gesellschaft, Wirtschaft/Technik

Der DLRK 2021: Wege zu einer umweltfreundlicheren Luftfahrt

Nach einem historischen Einbruch des Flugverkehrs durch die Corona-Pandemie im Jahr 2020 steht die Luftfahrt vor einem Umbruch. Die Klimadebatte ist mehr denn je in den Fokus gerückt. Was muss die Branche also jetzt tun, um in eine erfolgreiche und zugleich umweltfreundlichere Zukunft zu steuern? Vom 31. August bis 2. September 2021 kommen Experten und Interessierte virtuell zum 70. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK) zusammen, um neue Technologien, Strategien und Visionen für die Luftfahrtbranche zu diskutieren.

Bild: DGLR

„Die Zukunft der Luftfahrt ist grün.“ Das sagte der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, im Rahmen der Vorstellung seines Berichts für die Deutsche Luft- und Raumfahrt im Mai 2021, der einen Überblick zu den Maßnahmen und Initiativen der Bundesregierung im Bereich der Luft- und Raumfahrt in der laufenden Legislaturperiode gibt. Die Branche müsse dabei unterstützt werden, auf klimafreundlichere Flugzeuge umzusteigen, so Jarzombek. Am Plenary Day, der den Start des DLRK 2021 am 31. August markiert, diskutiert er mit hochrangingen Experten der Luft- und Raumfahrtbranche, welche Innovationen und Investitionen jetzt nötig sind, um einen „Green Deal“ in der Luft- und Raumfahrt zu erreichen.

Ist Wasserstoff die Zukunft des Fliegens?

Der Bericht betont auch, dass die Bundesregierung an ihrem strategischen Ziel des „Zero Emission Flying“ festhält. Der europäische Flugzeughersteller Airbus will Wasserstoff nutzen, um zukünftig möglichst emissionsfrei fliegen zu können. Wie das gelingen soll, erklärt Nicole Dreyer-Langlet, Geschäftsführerin und Research & Technology Repräsentantin der Airbus Operations GmbH, in ihrem Vortrag am Plenary Day des DLRK. Anschließend diskutiert sie mit anderen Luftfahrtexperten über eine neue europäische Vision für die Luftfahrt.

Beim Thema Fliegen mit Wasserstoff sind noch viele Fragen offen: Welche Technologien werden benötigt, um auch Mittel- und Langstreckenflüge mit Wasserstoffflugzeugen wirtschaftlich rentabel realisieren zu können? Wie kann die Energiewandlung im Flugzeug funktionieren? Wie muss sich die Infrastruktur am Boden verändern? Diese und weitere Fragen zum Thema Wasserstoff in der Luftfahrt diskutiert Prof. Dr. Rolf Radespiel, Vorstandssprecher des Niedersächsischen Forschungszentrums für Luftfahrt (NFL), mit Vertretern der Luftfahrtindustrie und Wasserstoffforschung im NFL Aerospace Forum auf dem virtuellen DLRK.

Auch die Firma MTU Aero Engines AG beschäftigt sich mit alternativen Antrieben für eine klimaneutrale Luftfahrt. Laut MTU dürfte den sogenannten Power-to-Liquid- (PtL) und Sun-to-Liquid-Kraftstoffen (StL) die Zukunft gehören, die grünen Strom beziehungsweise Sonnenenergie zur Produktion von Kraftstoffen nutzen. Im Vergleich zu PtL-Kraftstoffen ließe sich Wasserstoff zwar effizienter und kostengünstiger produzieren, erfordere jedoch eine neue Infrastruktur sowie neue Flugzeugdesigns. Wie MTU dazu beiträgt, die anspruchsvollen Klimaziele der Luftfahrt zu erreichen, erklärt Dr. Claus Riegler, Leiter Technologie und Vorauslegung bei MTU, in seinem Plenarvortrag.

Dialogtag Luftfahrt: Verkehrsluftfahrt und Unbemannte Luftfahrtsysteme


Die zwei weiteren Kongresstage nach dem Plenary Day bieten ebenfalls spannende Vorträge zu aktuellen Themen der Luftfahrt. Thomas Schmitt von der Airbus Group stellt in seinem Plenarvortrag am 1. September 2021 das europäische Drohnensystem MALE RPAS (Medium Altitude Long Endurance Remotely Piloted Aerial System) vor. Das auch unter dem Namen „Eurodrohne“ bekannte System dient der Nachrichtengewinnung, Überwachung, Zielerfassung und Aufklärung und kann außerdem Waffen tragen. Es ist das erste System seiner Art, das ausschließlich in Europa und speziell für Europa entwickelt wird.

Erneut findet auch der beliebte Dialogtag Luftfahrt im Rahmen des DLRK statt. Aufgeteilt in die Bereiche „Verkehrsluftfahrt“ und „Unbemannte Luftfahrtsysteme“ haben Piloten und Ingenieure hier die Gelegenheit, Erfahrungen aus dem Flugbetrieb auszutauschen und neue technologische Konzepte zu diskutieren. Ziel des Dialogtags Luftfahrt ist es, die unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen zu verknüpfen, um bessere operationelle Ergebnisse zu erreichen.

Am Dialogtag Verkehrsluftfahrt diskutieren die Teilnehmer zum Beispiel Anforderungen an zukünftige Cockpits in Großraumflugzeugen. Im Projekt NICo (Next Generation Intelligent Cockpit) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) werden dafür das Konzept und die Architektur eines zukünftigen, hochautomatisierten Cockpits entwickelt und in mehreren Simulatorstudien untersucht. Ausgewählte NICo-Systeme werden anschließend durch Flugversuche im DLR-Forschungsflugzeug ISTAR (In-flight Systems and Technology Airborne Research) demonstriert.

Die sichere Integration von unbemannten Fluggeräten ist unter anderem Thema am Dialogtag Unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS). Diskutiert wird zu aktuellen rechtlichen Drohnenverordnungen genauso wie zu den Möglichkeiten, unbemannte Flugsysteme für Rettungseinsätze zu nutzen. Das Projekt GrenzFlug testet zum Beispiel die potenzielle zukünftige Einbindung von UAS in den regulären grenzüberschreitenden Rettungsbetrieb der Region EUREGIO Maas-Rhein, um in Zukunft schnellere und effizientere Rettungsmaßnahmen durchführen zu können.

Digitalisierung und Nachwuchsförderung


Die Digitalisierung der Luftfahrt schreitet voran und bietet verschiedenste neue Möglichkeiten: Zum Beispiel sollen Modellierungen, Simulationen und Serious-Gaming-Konzepte das Luftverkehrssystem verbessern, indem sie das Potenzial neuartiger lernfähiger Systeme untersuchen. Wie die Digitalisierung komplexer Verkehrsabläufe anhand von Virtualisierung und Simulation im Luftverkehrsmanagement gelingen kann, zeigt eine Sondersitzung zum Thema im Rahmen des DLRK. Eine weitere Sondersitzung beschäftigt sich mit dem Management von Forschungsdaten, das Wissenschaftlern helfen soll, ihre Daten zu erheben, aufzubereiten, zu sichern und für die Nachnutzung bereitzustellen. Die Sitzung liefert einen Einblick in die Umsetzung erster neuer Anwendungen auf dem Weg zu einem digitalen Ökosystem, das Anreize schaffen soll, digitale Forschungsdaten zu teilen.

Speziell für den wissenschaftlichen Nachwuchs hat sich der Junge Senat der DGLR etwas Besonderes ausgedacht: Er lädt Schülerinnen und Schüler ab der neunten Klasse zu einer virtuellen Sitzung ein, in der Experten aktuelle Projekte der Luft- und Raumfahrt vorstellen und Einblicke in ihre Berufsfelder geben. Hier wird zum Beispiel erklärt, wie umweltfreundliche Antriebssysteme funktionieren oder ob die Menschen in den Städten bald mit Hubschraubern zur Arbeit fliegen könnten. Die Schülerinnen und Schüler lernen außerdem, welche unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten es für einen Weg in die Luft- und Raumfahrt gibt.

Mehr Informationen zum Programm finden Sie unter dlrk2021.dglr.de.

Teilnahme für Pressevertreter

Pressevertreter sind herzlich eingeladen, virtuell am DLRK 2021 teilzunehmen. Bitte akkreditieren Sie sich dafür mit einer E-Mail an caroline.latz(at)dglr.de. Wenn Sie Interviewwünsche zu bestimmten Themen des Kongresses haben, teilen Sie uns diese bitte ebenfalls per E-Mail mit. Mehr Informationen zum Programm und der Registrierung gibt es unter dlrk2021.dglr.de

Die DGLR – Informieren, Vernetzen, Fördern

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt – Lilienthal-Oberth e.V. (DGLR) ist die älteste Institution in der Bundesrepublik Deutschland, die allen, die sich privat oder beruflich mit Luft- und Raumfahrt beschäftigen,
ein gemeinsames Forum bietet. Hier vernetzt sich das Wissen der Luft- und Raumfahrt, aktuelle Projekte und Entwicklungen werden vorgestellt und gute Ideen gefördert und honoriert.

Kontakt

Caroline Latz
Kommunikationsmanagerin | stellv. Pressesprecherin
Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR)
Godesberger Allee 70
53175 Bonn
Tel.: +49 228 30805-18
E-Mail: caroline.latz(at)dglr.de