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24.08.2021 - Rubrik: Politik/Gesellschaft, DGLR-Presseservice

DGLR ehrt Prof. Dr. Klaus Schilling mit der Eugen-Sänger-Medaille

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt hat Prof. Dr. Klaus Schilling, Initiator der Raumfahrtstudiengänge an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, mit der Eugen-Sänger-Medaille geehrt. Schilling erhält die Auszeichnung für seine herausragenden Leistungen in der Entwicklung von Kleinsatelliten. Unter seiner Leitung entstanden die Experimental-Satelliten UWE (Universität Würzburg Experimental-Satellit), die heute als Pionierarbeit auf dem Gebiet der Kleinsatellitenentwicklung gelten. Die DGLR verleiht die Eugen-Sänger-Medaille für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Raumfahrtwissenschaften bzw. des Raumfahrtgeräts.

Bild: Prof. Dr. Klaus Schilling

Kleinsatelliten ermöglichen die Entwicklung und den Test von innovativen Technologien und neuen Raumfahrtanwendungen – auch für kleinere Unternehmen, Start-ups oder Hochschulen. Aufbauend auf seinen Erfahrungen in der Raumfahrtindustrie entwickelte Schilling gemeinsam mit seinen Studierenden an der Universität Würzburg eine Reihe von Kleinsatelliten mit dem Ziel, die Nutzungsmöglichkeiten des Internets im Weltall sowie verteilter, vernetzter Satellitensysteme zu erforschen. UWE-1, der Pionier des UWE-Programms, war 2005 der erste deutsche Picosatellit, der eine Masse von weniger als einem Kilogramm aufwies. Für die Industrie diente UWE-1 als Testlabor für hocheffiziente Solarzellen. Mittlerweile ist die Technik weltraumerprobt und erzeugt den Strom auf vielen europäischen Satelliten.

„Prof. Klaus Schilling hat von Anfang an die Bedeutung der übergreifenden technologischen Zusammenarbeit verschiedener Arbeitsgebiete wie Informatik, Automation, Softwareentwicklung und Robotik erkannt und vorangetrieben. Seine Satelliten spiegeln diese Interaktion verschiedener Komponenten eindrucksvoll wider“, sagte DGLR-Präsident Prof. Rolf Henke.

Dem Team um Prof. Schilling gelang es auch, zum ersten Mal die Umlaufbahn eines Kleinstsatelliten gezielt zu verändern. 2018 demonstrierte UWE-4 erstmals weltweit den Einsatz von elektrischen Triebwerken auf einem Kleinsatellit. Diese neue Technik eröffnet zum Beispiel neue Möglichkeiten bei der Beseitigung von Weltraummüll, bei der Kollisionsvermeidung oder bei der Verlängerung der Lebensdauer von Satelliten.

In Zusammenarbeit mit dem außeruniversitären Forschungsinstitut Zentrum für Telematik (ZfT), dessen Vorstand Schilling ist, gelang es ihm und seinem Team im Jahr 2020, vier Kleinsatelliten von der Größe eines Schuhkartons ins All zu bringen, die sich erstmals selbstständig organisieren und untereinander im All kommunizieren können. Die NetSat genannten Kleinsatelliten erarbeiteten die Technologie-Grundlagen im Formationsflug, um in Nachfolgemissionen dreidimensionale Aufnahmen von der Erde und Messungen für bessere Klimavorhersagen durchzuführen.

Die Entwicklung der Kontroll- und Selbstorganisationsansätze der NetSat-Mission konnte Schilling mit einem Advanced Grant des European Research Council (ERC) finanzieren. Für die Mission Cloud CT (Cloud Tomography by Satellites for Better Climate Predicition) erhielt er gemeinsam mit Kollegen den mit 14 Millionen Euro bisher höchstdotierten Forschungspreis, einen ERC Synergy Grant. Im Rahmen von Cloud CT soll eine Formation aus insgesamt zehn Kleinsatelliten die Bestandteile von Wolken mit Methoden der Computertomographie charakterisieren.

Anlässlich der Ehrung Schillings mit der Eugen-Sänger-Medaille finden Sie hier ein Video mit einem Grußwort des Geehrten.  

Pressemitteilung der Universität Würzburg vom 26. August 2021

Bericht von BR24 vom 26. August 2021


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