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19.11.2019 - Rubrik: Wirtschaft/Technik

Airbus-Teleskop für Euclid-Mission der ESA auf der Zielgeraden

In den Reinräumen von Airbus nimmt die Euclid-Mission Gestalt an: Die Montage des Teleskops ist nahezu abgeschlossen. Es bildet das Herzstück des Nutzlastmoduls, für das Airbus im Rahmen der Euclid-Mission der europäischen Raumfahrtbehörde ESA verantwortlich ist. Das Euclid-Teleskop als Teil des Nutzlastmoduls ist das größte je bei Airbus entworfene und integrierte Instrument mit bisher unerreichter optischer Leistung. Industrieller Hauptauftragnehmer der Euclid-Mission ist Thales Alenia Space (TAS).

Bild: Airbus S.A.S.

Nachdem der Träger am Grundgerüst montiert wurde (beide Strukturen bestehen zu 100 Prozent aus Siliziumkarbid), schließen die Airbus-Ingenieure nun die finale Integrationsphase ab: die optische Ausrichtung. Im Anschluss an die Montage wird das Teleskop zu Thales Alenia Space transportiert, wo es weiter getestet und auf die Plattform montiert wird.

Die gesamte Nutzlastintegration setzt extreme Reinheitsbedingungen voraus. Die optische Ausrichtung erfordert darüber hinaus stabile Temperaturen und Vibrationsfreiheit. So wird beispielsweise während der mechanischen Montage die Präzision in Mikrometern gemessen, bei der optischen Ausrichtung hingegen liegt die Präzisionsskala im Nanometer-Bereich (eine Million Nanometer sind ein Millimeter).

Giuseppe Racca, Projektmanager des Euclid-Programms der ESA, sagte: „Euclid ist die zweite ‚Mittelklasse‘-Mission des Cosmic-Vision-Programms der ESA. Mit dem Ziel, der beschleunigten Ausdehnung des Universums auf den Grund zu gehen, wird Euclid die Geometrie des dunklen Universums so genau wie noch nie kartieren. Dafür brauchen wir die engagierte Zusammenarbeit von Hunderten Laboren und anderen Einrichtungen aus 16 Ländern, hauptsächlich aus Europa, aber auch aus Amerika. Ein sprichwörtlich universales Team, um die Geheimnisse des Universums zu lüften.“

Euclid wird tiefe und hochauflösende Aufnahmen des Himmels machen. Das Raumfahrzeug wird sich dabei alle 80 Minuten einmal drehen. In einer sechsjährigen Beobachtungsphase, in der mehr als ein Drittel des gesamten Himmels abgedeckt wird, soll Euclid die Formen und Entfernungen von über einer Milliarden Galaxien messen.

„Dieses Teleskop ist das komplexeste, das wir je entworfen und gebaut haben. Es muss bei extrem niedrigen Temperaturen von rund -170 °C arbeiten. Dabei profitiert es vom erstklassigen Airbus-Knowhow in Sachen Siliziumkarbidtechnologie für den Weltraum, die sich bereits im Rahmen der Herschel- und Gaia-Missionen der ESA im Orbit bewährt hat“, sagte Philippe Pham, Leiter Earth Observation, Navigation and Science bei Airbus.

Besonderheiten des Euclid-Nutzlastmoduls sind sein leichtes Teleskop aus 100 Prozent Siliziumkarbid, seine exzellente thermische Stabilität und seine Einsatztemperatur von -140 °C, die es für den nahen infraroten Spektralbereich unsichtbar macht.

Ein Spiegel mit 1,2 Metern Durchmesser ermöglicht beugungsbegrenzte Beobachtungen von lichtschwachen Galaxien bis hin zur Größenklasse 24,5 und ein Korsch-Teleskop mit drei Spiegeln liefert Licht an seine beiden Forschungsinstrumente, den Visible Imager (VIS) und das Nahinfrarotspektroskop (Near-Infrared Spectrophotometer – NISP).

VIS und NISP werden bei sehr tiefen Temperaturen betrieben (VIS-Fokalebene bei -115 °C, NISP bei -180 °C), wohingegen die Elektronik des VIS bei 20 °C laufen muss.

Die beiden Instrumente werden vom Euclid-Konsortium entwickelt und von der ESA an Airbus und Thales Alenia Space geliefert.

Quelle: https://www.airbus.com/newsroom/press-releases/de/2019/11/airbusbuilt-telescope-for-esas-euclid-mission-takes-shape.html