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21.07.2019 - Rubrik: DGLR-Presseservice, Politik/Gesellschaft

50 Jahre nach der ersten Mondlandung: DGLR unterstützt Rückkehr zum Mond

Vor 50 Jahren, am 20. Juli 1969, um 21:18 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, setzte die Mondfähre von Apollo 11 auf der Mondoberfläche auf. Sechseinhalb Stunden später betraten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen einen anderen planetaren Körper – ein historischer Augenblick, den rund 600 Millionen Menschen auf der Erde vor ihren Fernsehgeräten live miterlebten. Heute steht der Mond nach langer Zeit wieder im Fokus und ist das erklärte nächste Ziel der astronautischen Raumfahrt. Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) unterstützt das Ziel „Mond“, das jedoch nur in enger internationaler Zusammenarbeit gelingen kann.

Bild: NASA

„Die erste Mondlandung vor 50 Jahren ist eines der prägendsten Ereignisse der Menschheit und brachte der Raumfahrt enormen Auftrieb. Jetzt stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Ära: Viele Akteure in der Raumfahrt wollen zum Mond und diskutieren bereits, wie es von dort aus zum Mars weitergehen kann. Jetzt ist die Zeit, die entscheidenden Weichen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen, um die Zukunft der Exploration des Weltraums sinnvoll zu gestalten“, sagt Prof. Rolf Henke, Präsident der DGLR. „Der Mond ist das logische nächste Ziel der astronautischen Raumfahrt. Die notwendigen Technologien,  Forschung und Wissenschaft werden uns entscheidend voranbringen. Wenn wir unsere Kompetenzen vereinen und international kooperieren, dann können wir viel erreichen – auch das, was heute noch unmöglich erscheint.“

Einen Beitrag zur Zusammenarbeit leistete die DGLR in diesem Jahr bereits mit einem Jubiläumssymposium anlässlich des 50. Jahrestags der ersten Mondlandung. Im Technik Museum Speyer kamen 250 Experten aus Wissenschaft, Forschung und Industrie zusammen, um auf diesen bedeutenden Tag zurückzublicken, aber auch einen Blick in die Zukunft der astronautischen Raumfahrt zu werfen. Im Rahmen der Veranstaltung berichtete der US-amerikanische Astronaut Charles Duke eindrucksvoll von der Apollo-11-Mission, bei der er als Capcom (Verbindungssprecher) im Kontrollzentrum der NASA in Houston den Kontakt mit den Astronauten auf dem Mond hielt, und von seiner eigenen Reise zum Mond mit Apollo 16. Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern und mehreren ESA-Astronauten sprach er aber auch über zukünftige Missionen zum Mond sowie die europäische Beteiligung daran.

In US-amerikanisch-europäischer Kooperation wird derzeit das Raumfahrzeug Orion entwickelt, das 2023 erstmals mit Astronauten an Bord um den Mond fliegen soll. Essenzieller europäischer Beitrag ist das Versorgungsmodul ESM (European Service Module). Das Crew-Modul von Orion ähnelt nicht nur zufällig dem der Apollo-Missionen. Das Programm der NASA, das zwischen 1961 und 1972 lief und insgesamt zwölf Menschen auf den Mond brachte, schaffte fundamentale Voraussetzungen für heutige Raumfahrtsysteme. Dazu zählen zum Beispiel die Entwicklung von lebenserhaltenden Systemen, die sichere Kommunikation über große Distanzen oder die weiche Präzisionslandung auf einem anderen Himmelskörper und die Brennstoffzelle zu Energieversorgung. Ohne diese und andere Technologien aus dem Apollo-Programm wären Entwicklung, Bau und Betrieb der Internationalen Raumstation ISS, die Probenrückführung von Asteroiden und Kometen sowie viele weitere Missionen nicht möglich gewesen.

Europa plant außerdem derzeit die Beteiligung an dem geplanten „Lunar Gateway“. Die Station soll gemeinsam von den heutigen ISS-Partnern gebaut und betrieben werden – die Europäische Weltraumorganisation ESA arbeitet dafür bereits an der Vorentwicklung von Modulen. Hier sollen erstmals Menschen über einen längeren Zeitraum außerhalb des schützenden Erdmagnetfelds leben und arbeiten. Von der Station aus sind Missionen zur Mondoberfläche und später sogar zum Mars und Asteroiden geplant.
„Der Mond ist für uns noch immer eines der wichtigsten Ziele in der Exploration. Da er so eng mit der Erde verbunden ist, aber nicht ihre Atmosphäre, Leben und Plattentektonik besitzt, kann man in ihm eine Art Geschichtsbuch der Erde sehen“, erklärt Henke. Damit kann seine Erforschung viel über die frühe Phase des Sonnensystems und natürlich auch die Entstehung des Erde-Mond-Systems und die Entwicklung der Erde preisgeben.

Neben ihrem Beitrag zum Gateway arbeitet die ESA mit der russischen Weltraumorganisation Roskosmos zusammen, um sich an den zukünftigen Luna-Missionen zu beteiligen. Zudem brachte ESA-Generaldirektor Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner mit seinem Amtsantritt 2015 das offene Konzept eines Moon Village – als Marktplatz der Zusammenarbeit – ins Gespräch und setzt sich weiterhin dafür ein. Dabei soll eine gemeinsame Infrastruktur von staatlichen und privaten Akteuren auf dem Mond entstehen, die sowohl robotische als auch astronautische Aktivitäten möglich machen soll.

Wie genau die europäische, staatliche Beteiligung an künftigen Mondmissionen aussehen soll, wird die ESA-Ministerratskonferenz im November dieses Jahres zeigen. Die DGLR erhofft sich eine entscheidende Weichenstellung für die europäische Verantwortung in zukünftigen Mond- und Explorationsprojekten. „Neben den staatlichen Aktivitäten dürfen wir die privaten Bemühungen nicht vergessen. Gerade diese müssen wir noch mehr fördern und unterstützen“, so Henke. Denn auch in Europa gibt es immer mehr private Unternehmen, die den Mond im Blick haben. Start-ups und New-Space-Unternehmen wie zum Beispiel das deutsche Unternehmen PTScientists arbeiten – auch in Zusammenarbeit mit der ESA – an lunaren Infrastrukturen sowie regelmäßigen Transportflügen zum Mond. „Wir müssen alle unser Können und Wissen bündeln, um noch mehr zu erreichen“, sagt DGLR-Präsident Henke. „Wenn wir jetzt nicht reagieren, dann werden wir Europäer in Zukunft nur als Zuschauer daneben stehen, wenn andere zum Mond zurückkehren.“

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