DGLR-News Meldung

26.04.2018 - Rubrik: Wirtschaft/Technik

25 Jahre D-2: Vorreiter-Mission für die deutsche und europäische Forschung auf der ISS

Der 26. April 1993 ist Hans Schlegel, Ulrich Walter und ihren amerikanischen Crew-Kollegen der zweiten deutsch-amerikanischen Spacelab-Mission noch heute in lebhafter Erinnerung: "Für mich persönlich zählt die Vorbereitung und Durchführung der D-2-Mission zu den erlebnisreichsten und intensivsten Abschnitten meiner heute 66 Lebensjahre", berichtet Hans Schlegel, der als deutscher Nutzlastspezialist zur D-2-Crew gehörte. Sein Mitflieger und Astronauten-Kollege Ulrich Walter bringt die Mission mit dem amerikanischen Forschungslabor Spacelab so auf den Punkt: "Wenn ich heute eine möglichst effektive Wissenschafts-Mission organisieren müsste mit einer optimalen Crew dazu, dann würde ich sie genauso wieder machen."

Bild: DLR (CC-BY 3.0)

Heute vor 25 Jahren starteten der Physiker Hans Schlegel und der Raumfahrtingenieur Ulrich Walter an Bord der US-Raumfähre Columbia zur zweiten deutschen Spacelab-Mission - D-2: "Der Bindestrich wurde hinzugefügt, um eine Verwechslung mit einem damaligen deutschen Telefonanbieter zu vermeiden", erklärt Schlegel. Nach mehreren Verschiebungen aufgrund technischer Probleme hob die Columbia schließlich am 26. April 1993 um 18.51 Uhr Mitteleuropäischer Zeit vom Kennedy Space Center in Florida ab. Aus der ursprünglich für neun Tage geplanten Mission wurden dann sogar zehn Tage, bis die Crew am 6. Mai 1993 auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien landete und wieder festen Boden unter den Füßen hatte.

Neben den Deutschen Schlegel und Walter gehörten die NASA-Astronauten Steven Nagel (Kommandant), Terence "Tom" Henricks (Pilot) sowie die Missionsspezialisten Jerry Ross, Charles Precourt und Bernard A. Harris zur Crew. So bekam Jerry Ross ausgerechnet am 1. April 1991 den entscheidenden Anruf, und es war kein Scherz: "Ich befand mich gerade in Quarantäne im Johnson-Space-Center der NASA in Houston, vier Tage vor meiner dritten Space Shuttle-Mission STS-37, als ich gefragt wurde, ob ich als Payload Commander meinen vierten Raumflug mit D-2 starten könne - ich zögerte keinen Moment und sagte sofort zu. Im Mai 1991 kam ich dann nach Deutschland und in den darauffolgenden eineinhalb Jahren bis zum Start von D-2 verbrachte ich zusammen mit Bernard Harris etwa die Hälfte der Zeit in Deutschland. Es waren fast 90 Experimente aus elf Ländern vorzubereiten - wir hatten also kurzgesagt wirklich viel zu tun. Aber würde ich heute, 25 Jahre später, noch einmal gefragt: ich würde es sofort wieder tun!"

Die Deutsche Agentur für Raumfahrtangelegenheiten (DARA) war als Vorgängereinrichtung des heutigen DLR Raumfahrtmanagements in Bonn für die deutsche Experiment- und Missionsplanung verantwortlich. In Köln steht das Europäische Astronauten Zentrum EAC, dessen Bau während der Vorbereitung der D-2-Mission stattfand. Direkt daneben befindet sich auf dem DLR-Gelände eines der europäischen Nutzer-Unterstützungszentren, das MUSC (Microgravity User Support Center), das aus dem Bodenbegleitprogramm der D-2-Mission entwickelt wurde. Und im Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen wurde die Mission rund um die Uhr betreut. Die erste Mission im heutigen Gebäude war die D-2 Mission.

"Die D-2-Crew hat in zehn Tagen unglaubliche 88 Experimente erfolgreich im Spacelab absolviert. 61 Experimente stammten dabei aus Deutschland. Nach Sigmund Jähn, dessen 40-jähriges Erstflug-Jubiläum wir im August 2018 feiern, den Spacelab-Flügen von Ulf Merbold und der D1-Mission war die D-2-Mission im April 1993 ein essenzieller Meilenstein für die deutsche astronautische Raumfahrt", erklärt Dr. Walther Pelzer, Vorstand für das DLR Raumfahrtmanagement. Bei der D-2-Mission hatte Deutschland die Verantwortung für die gesamte Nutzlast - für Programmatik, Management und die operationelle Durchführung. Walther Pelzer: "Damals wie heute werden gemeinsam mit den Forschern Experimente so entwickelt, dass diese in Schwerelosigkeit durchführbar sind und in Forschung und Anwendung neue Erkenntnisse auch für unser Leben auf der Erde bringen".

Prof. Hansjörg Dittus, DLR-Vorstand für Raumfahrtforschung und -technologie, ergänzt: "Die D-2-Mission ist nicht nur eine "historische" Mission, auf die wir nach 25 Jahren nostalgisch zurückblicken - die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeiten haben vielmehr bis in unsere heutige Forschung eine Wirkung."  So wurde beispielsweise mit dem DLR-Roboterarm ROTEX zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt ein Roboter im All von der Erde aus ferngesteuert. "Damit nahm eine Reihe von erfolgreichen Experimenten ihren Anfang, bei der Mensch und Roboter zu einem Team wurden", so Dittus weiter. Heute können Astronauten von der ISS aus Aufgaben an den Roboter "Rollin‘ Justin" des DLR erteilen, die dieser mit künstlicher Intelligenz plant und ausführt. Das DLR in Oberpfaffenhofen ist auch in der kommenden Woche eine Station der D-2-Crew: Am 4. Mai 2018 trifft der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder die Astronauten und Missionsmitarbeiter im Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum.

Rückblick: In Deutschland begann die Astronauten-Ausbildung von fünf deutschen Wissenschaftlern für die D-2-Mission 1988. Dabei waren die zwei ersten deutschen Astronautinnen, Renate Brümmer und Heike Walpot, sowie Ulrich Walter, Gerhard Thiele und Hans Schlegel. Nach zweieinhalb Jahren schlossen alle erfolgreich die Basisausbildung ab und es folgte die D-2-Missionsausbildung in Deutschland, Europa und den USA.

Anfang 1992 wurde die Flugmannschaft benannt. Renate Brümmer und Gerhard Thiele wurden als Ersatz trainiert und Heike Walpot als "Crew Interface Coordinator" , die die Anweisungen des Kontrollzentrums für die Experimente - also vom GSOC in Oberpfaffenhofen aus - zum Shuttle weitergab. Hans Schlegel: "Die Experimentfülle der D-2-Mission erforderte eine akribische, mehrjährige Vorbereitung, bei der alle beteiligten Teams mit ihrer jeweiligen Expertise unsere Mission planten." Beteiligt waren außer den Astronauten Wissenschaftlergruppen aus aller Welt und verschiedene Kontrollteams von jeweils mehreren Hundert Spezialisten. Das deutsche Kontrollzentrum (GSOC) betreute die Durchführung der Experimente in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Payload Kontrollzentrum in Huntsville. Das Missionskontrollzentrum (MCC) in Houston war zuständig für den Betrieb des Space Shuttle Columbia und das Launch-Kontrollzentrum am Kennedy Space Center für die Vorbereitung des Shuttle bis hin zu den ersten Sekunden des Fluges.

Quelle: http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10212/332_read-27051/year-all/#/gallery/9397