R3.5 Raumfahrt und Philosophie

Leitung

Wolfgang Lepschies
Leitung


Tel.: 01520 299 7999
E-Mail: wolfgang.lepschies(at)dglr.de

Kreative Denkansätze zur Beseitigung von Weltraummüll

(v.l.:) Dr. Benjamin Heynoldt (Carl-Friedrich-Gauss-Gymnasium), Marc Lehmann (Institut für Luft-und Raumfahrt, Technische Universität Berlin), Wolfgang Lepschies (Leiter des Fachausschusses für Raumfahrt und Philosophie der Deutschen Gesellschaft für Luft-und Raumfahrt (DGLR) Foto R.L.

Gemeinsame Vortragsveranstaltung des DGLR-Fachausschusses „Raumfahrt und Philosophie“ und des Instituts für Luft-und Raumfahrt der TU-Berlin

Diese Veranstaltung fand am 28. März 2019 anlässlich der Gauss-Festwoche des Carl-Friedrich-Gauss-Gymnasiums in Frankfurt-Oder, einer mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Spezialschule des Landes Brandenburg, statt. 28 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 10-12 waren dem An­gebot ihres Astronomie-Lehrers Dr. Benjamin Heynoldt gefolgt und informierten sich zum aktuellen Thema „Weltraumschrott“. Der Vortragende Marc Lehmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU-Berlin, gab einen Abriss zur Geschichte der Raumfahrt von den enthusiastischen Anfängen der Theoretiker Konstantin Ziolkowski und Hermann Oberth, über die Praktiker Wernher von Braun und Sergej P. Koroljow bis zu den Akteuren von heute. Der Zugang zum Weltraum ist dank der Vorarbeit von 100 Jahren Forschung und Entwicklung weit offen und damit zum Problem geworden. Millionen Trümmerteile gefährden inzwischen den sicheren Weltraumverkehr.

Ein Studium an der TU-Berlin, Fachgebiet Raumfahrttechnik, von Marc Lehmann lebendig aus eigener Erfahrung geschildert, würde heute zum Bau von Minisatelliten befähigen und gleichzeitig mit einer Paradoxie konfrontieren, preiswerte Satelliten in großer Anzahl in den Orbit zu bringen und dafür zu sorgen das diese nach Ablauf ihrer geplanten Nutzungsdauer wieder verschwinden. Auf den Punkt gebracht: Satelliten sollen da sein und nicht da sein.

Jetzt begann der aktive Teil für die Schülerinnen und Schüler. Wie würden sie an die Problemlösung herangehen? Der Fachausschuss „Raumfahrt und Philosophie“ befasst sich intensiv mit methodischen Fragestellungen zum Themenkomplex des „erfinderischen Problemlösens“ und so schlug dessen Leiter Wolfgang Lepschies vor, die Kreativtechnik „Brainstorming“ auszuprobieren. In reger Mitarbeit kamen Lösungsvorschläge zum Einfangen, Wegschieben und Zerstören. Ein Vorschlag stellte als Maximalforderung einen Mechanismus zur Selbstauflösung zur Diskussion. Die Brainstorming-Methode kann punktuell interessante Ideen produzieren aber auch jede Menge kreativen „Beifang“. Marc Lehmann zeigte dann auf einigen Folien den heutigen Stand der Technik, mittels Harpunen oder Fangnetzen Satelliten oder größere Teile einzufangen. Der Vorschlag, ein Trümmerteil mit einem Laser zu beschießen um den Rückstoß der verdampfenden Dämpfe zu nutzen wurde gewürdigt aber als derzeit nicht praktikabel befunden.

Eine weitere Kreativtechnik, bekannt als morphologischer Kasten, zeigte Möglichkeiten einer strukturierten Finde-Technik auf. Dabei werden Merkmale und ihre Ausprägungen in einer Tabelle gesammelt und geeignete Kombinationen ausgewählt. Die vorurteilslose Vielfalt objektiver Möglichkeiten erweitert die zufällige Anhäufung des Brainstorm-Ergebnisses, die ja vielleicht doch subjektiven Dispositionen verhaftet bleibt, aber sicher ist ein optimaler Treffer auch nicht.

Zum Schluss gab es noch eine kurze Vorstellung der widerspruchsorientierten Herangehensweise. Im Kern dieser konzeptionellen Heuristik steht die Frage nach dem Grundkonflikt einer Aufgabenstellung und wie dieser ohne faule Kompromisse zu lösen wäre. Für die Schülerinnen und Schüler bot sich hier das Design der Hörsaalbestuhlung als Lehrstoff an. Der Widerspruch besteht hier darin, eine maximale Sitzplatzanzahl bei gleichzeitiger Platznot zu gewähren. Die bequeme „Lösung“ wäre die Wahl kleiner unbequemer Sitzplätze gewesen. Zum Glück hatte der Tischler die erfinderisch starke Konstruktionsvariante der Klappsitze gewählt.

Die Probleme der Eroberung des Weltalls waren also wieder auf der Erde im Lernort der natürlichen Lebenswelt gelandet. Zentrales Anliegen der Veranstalter war es, eine optimistische aber auch problembewusste Einstellung zu den Herausforderungen einer Technik-dominierten Welt zu fördern. Der Schlüssel dazu liegt in den kreativen Fähigkeiten.

Der Fachausschuss bedankt sich bei Marc Lehmann von der TU-Berlin, der seinen gehaltvollen und spannenden Vortrag für den methodischen Teil geöffnet hat, bei der Schulleiterin des Gauss-Gymnasiums, Frau Dr. Lange, für ihre Initiative, bei dem Astronomie-Lehrer, Herrn Dr. Heynoldt, für sein Fachinteresse und die Organisation und last but not least bei den Schülerinnen und Schülern für ihre aktive Mitwirkung und Neugierde, den Dingen auf den kreativen Grund zu gehen.

Wolfgang Lepschies


Veranstaltung 2017

V.l.: Dr. Christian Pischel, Dr. Tobias Haupts, Wolfgang Lepschies

Der DGLR-Fachausschuss Raumfahrt und Philosophie zu Gast im Institut für Theaterwissenschaft der FU-Berlin

Am 19.05. – 20.05.2017 veranstaltete das Seminar für Filmwissenschaft die Tagung "Space Agency – Medien und Poetiken des Weltraums". Das Themenspektrum – mit seinem Schwerpunkt der visuellen Kultur – umfasste transdisziplinäre Fragen der medialen Berichterstattung, der Unterhaltungsindustrie und der Medienpolitik über private und staatliche Raumfahrtagenturen.

Für den Fachausschuss Raumfahrt und Philosophie, vertreten durch seinen Leiter Wolfgang Lepschies, waren die Vorträge zur Rolle des "Imaginationsraum Weltall" in Bezug auf die im Flyer der Veranstaltung benannten Bedeutungsbildungs-, Sinnstiftungs- und Integrationsprozesse von großem Interesse. Für eine Philosophie der Weltraumfahrt ist die visuelle Kommunikation immer auch eine Aktivität mit kultureller Aufgabe. Die Visiotypen, ihr Gebrauch und Missbrauch fordern von uns Fähigkeiten im Sinne einer Kritik der imaginativen Vernunft, einer souveränen Einstellung der im Weltraum grenzenlos gewordenen Illusionen, aber auch einer bewussten Vorsicht gegenüber den Inflationen des Wunderbaren im alltäglichen Medienkonsum.

Ganz besonders bedanken wir uns bei den Veranstaltern für die Ermöglichung einer kurzen Vorstellung der DGLR, einer Plattform für die Kommunikation der Luft- und Raumfahrtbegeisterten in der Vielfalt der gegenwärtigen wissenschaftlichen, technischen und kulturellen "Orbits", den Bahnkurven neuzeitlicher Kreativität.

Wolfgang Lepschies


Veranstaltung 2016

Raumfahrtphilosophische Tagung 2016

Kreativität in der Raumfahrt

Industriemuseum Region Teltow e.V.
Oderstraße 23
14513 Teltow
Samstag, 11. Juni 2016, 10.00 – 14.00 Uhr

Gemeinsame Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt - Lilienthal-Oberth e.V.
(DGLR) und des Industriemuseums Region Teltow e.V. (IMT)

Verantwortlicher Organisator:
Wolfgang Lepschies (IMT und Leiter der DGLR-Fachgruppe R3.5 Raumfahrt und Philosophie) mit Unterstützung durch Dr.-Ing. Christian Gritzner (DLR, Bonn und DGLR)

Programmablauf

Eröffnung und Begrüßung
Wolfgang Lepschies
Grußwort
Lothar Starke, Vorsitzender, Verein Industriemuseum Region Teltow e.V.

Vorträge

Schöpferisches Denken – der Weg zum Erfolg
Wolfgang Lepschies (Stahnsdorf), Gerhard Doil, Dipl.-Ing. (Berlin)

Fluchtinspiration Mars – eine Annäherung
Uwe Schellenberg, Dipl.-Pol./Oec. (Berlin)

"Der Himmel klopfte in Rußland an“
Raumfahrt nach dem Einschlag von Tunguska 1908

Nina Berbassova (Berlin und Moskau)

Prinzipien analoger Rechentechnik zu Beginn der Raumfahrt
Gerhard Zesch, Dipl.-Math. (Berlin)

Ist Kreativität ein kybernetischer Vorgang?
Dr. Marie-Luise Heuser (Braunschweig)

Der Regelkreis – realisiert mit Mikrorechner am Beispiel der digitalen Automatisierungsanlage audatec
Ulrich Schnell, Dipl.-Ing. (Stahnsdorf)

Zusammenfassung und Ausblick

Ausklang und Rundgang durch das Industriemuseum


Veranstaltung 2015

Marslandschaften

Ausstellung mit ästhetischen Landschaftsaufnahmen von unserem Nachbarplaneten

vorgestellt von Wolfgang Lepschies
mit freundlicher Unterstützung des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR)

vom 6. März bis 30. April 2015
Gemeindezentrum (Foyer)
Annastraße 3
14532 Stahnsdorf


Galeriegespräch am 20. März um 18.30 Uhr:
Erweiterung der Ausstellung um faszinierende 3D-Bilder

Mo und Mi - 9 bis 17 Uhr
Di - 9 bis 19 Uhr
Do und Fr - 9 bis 18 Uhr