Die Nebel haben sich gelichtet: Schneller als erwartet einigte sich der EADS-Verwal-tungsrat am 26. Januar auf die Neubesetzung der Führungspositionen. Der von vielen erwartete Streit ist ausgeblieben, ebenso das Verschieben des heiklen, von nationalen Interessen belasteten Themas auf die lange Bank. Der Wechsel war notwendig, weil sich erstens der bisherige EADS-Chef Louis Gallois in den Ruhestand verabschiedet, und weil zweitens – nach fünf Jahren – ein Tausch dieser Position zwischen einem Franzosen und einem Deutschen anstand. Damals war die binationale Doppelspitze Enders/Gallois abgeschafft worden: Gallois blieb als alleiniger Konzernchef, Enders übernahm Airbus. Nun rückt Enders wieder an die Spitze der EADS auf, sein Nachfolger wird der bisherige COO Fabrice Brégier, seinerseits ersetzt durch Günter Butschek, seit einem Jahr Airbus-Chef in Hamburg. Mit diesen Rochaden siegte die Vernunft, denn nach manchem Geplänkel im Vorfeld war zu befürchten, dass die deutsch-französischen Animositäten zu einem unseligen Führungsstreit ausarten könnten. Nun kann sich das Unternehmen ohne Querelen in Ruhe weiterentwickeln. Dabei wird Enders stärker bei Airbus mitmischen als bisherige Konzernchefs. Ein Zeichen dafür ist, dass sowohl der neue Finanzchef Harald Wilhelm als auch der Personalvorstand Thierry Baril in Personalunion sowohl im Konzern als auch bei Airbus die Verantwortung tragen. Nie war die Integration, die Verklammerung zwischen Konzern und Airbus enger. Was Enders aus diesen Startvorteilen macht, wird man sehen. Mit seiner Führung von Airbus hat er an Reputation weiter gewonnen, auch bei den Franzosen, und das ist ein Kapital, mit sich wuchern lässt.