Thema der Woche

(mit freundlicher Unterstützung des Aviatic Verlages)
26.08.2005   News   

BDLI: FORDERUNGEN FÜR AUSRÜSTER

Eine gemeinsame Arbeitsgruppe BDLI/EADS haben die offensichtlich nicht rosige aktuelle Situation der „ Ausrüstungs- und Werkstoffindustrie am Luft- und Raumfahrtstandort Deutschland“ analysiert und Schlussfolgerungen mit Forderungen an die Politik für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gezogen.

In der „ Zielsetzung“ der Untersuchungen heißt es, dass „dieser Industriesektor, der hoch qualifizierte Arbeitskräfte am Standort Deutschland sichert und hier mit seinen technologischen Innovationen als Multiplikator für andere Branchen wirkt, erfordert konzertiertes Vorgehen von Politik und Industrie zum Erhalt und zur Stärkung seiner Wettbewerbsfähigkeit.“

Die Analyse vergleicht die industriellen Strukturveränderungen in Deutschland (große Defizite) mit den Strukturen in Frankreich (politisch initiierte Konzerne haben Multisystemfähigkeiten) und Großbritannien (industrielle Initiativen mit politischer Unterstützung führten zur vertikalen und horizontalen Konsolidierung). Aus der Analyse heraus formuliert der BDLI neue „ Forderungen an die Politik, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Unternehmen durch flankierende Maßnahmen zu stärken und so zum Erhalt der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Ausrüster- und Werkstoffunternehmen beizutragen:

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Langfristige Absicherung der Luftfahrtforschungsförderung (LuFo IV – mindestens 50 Mio. Euro p.a., EU-Rahmenprogramm FP7);

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Entwicklung von Möglichkeiten zur Absicherung von Entwicklungsvorfinanzierungsleistungen;

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Weitergehende Absicherung internationaler Geschäftsvorfälle durch Bürgschaften;

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„Downflow“ von Vergabebedingungen öffentlicher Beschaffungsvorhaben über System- an Ausrüster- und Werkstoffindustrie ;

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Aktive Unterstützung bei der Konsolidierung bzw. Anbahnung von Mergern, d.h. dem wirtschaftlichen Zusammenschluss.

Die „ Kernbotschaften“, die zu diesen Forderungen führen, beschreiben erhebliche Defizite der „deutschen Ausrüster- und Werkstoffindustrie“:

  1. Zum einen muss sich die Industrie den aus den Rahmenbedingungen des globalen Marktes resultierenden Herausforderungen stellen wie Wechselkursrisiken US-$, globale Konkurrenz auch auf dem Heimmarkt, Cost-Cutting-Programme der Zellenhersteller, Konkurrenz mit MRO-Betrieben der großen Airlines u.a.m. Zum anderen gibt es Herausforderungen struktureller Art wie finanzielle Stärke des Unternehmens zur Vorfinanzierung von Entwicklungsleistungen, zur finanziellen Absicherung von Risk Sharing-Forderungen und der Verteidigung der Position in der Lieferkette, Systemfähigkeit, Investitionskraft in FuE zum Erhalt der Innovationsfähigkeit, fehlende Stützung durch nationale militärische Programme, rückläufiger Binnenmarkt und nicht zuletzt auch den aus der Verknappung resultierenden steigenden Rohstoffpreise. Das Leistungsvermögen vieler Unternehmen ist bei der Erhöhung der Marktpräsenz und dem Aufbau von Vertriebsstrukturen in Zukunftsmärkten (China, Russland etc) überfordert. Und der Druck auf Konzentrations- und Konsolidierungsprozesse bleibt hoch!

  2. In den Nachbarländern haben sich auf der Ebene der Ausrüstungsindustrie starke, global aufgestellte und finanzstarke Konzerne und Unternehmensgruppen gebildet (z.B. Zodiac, Thales, Cob­ham, Smiths), die durch die Akquisition von Unternehmen mit hohem FuE-Mitteleinsatz ihr Pro­duktportofolio und ihre technologischen Fähigkeiten und so ihren Marktanteil weiter vergrößern.

    In Deutschland beschränkt sich die strategische Konsolidierung auf die Verteidigungstechnik (EADS), auf die Grundsysteme und Flugsteuerung (Liebherr-Aerospace) und auf Teile ziviler Avionik (Diehl). Zudem gibt es ein „Cherry picking“ ausländischer Unternehmen. Etliche deutsche Unternehmen sind inzwischen in große internationale Konzerne konsolidiert (z.B. SEL bei Thales, EVAC bei Zodiac, Nord-Micro bei UTC). Im Bereich der Kabinensysteme steht dieser Konsolidierungsprozess noch aus. Die verbliebene fragmentierte und weitgehend mittelständisch geprägte Industrie Deutschlands läuft Gefahr, zunehmend in tiefere Ebenen der Zuliefererkette abzurutschen sowie in abnehmendem Maße an großen internationalen Programmen aufgrund unzureichender Wettbewerbsfähigkeit beteiligt zu sein.

  3. Die Analyse lässt keine Firmengruppierungen und Fähigkeitskerne erkennen, um welche die verbliebenen, nicht konsolidierten deutschen Unternehmen zu einem oder mehreren wettbewerbsfähigen nationalen Verbünden konsolidiert werden können wegen zu geringer Unternehmensgröße, fehlenden gemeinsamen, bzw. sich ergänzenden Produktpaletten etc. Die bereits konsolidierten nationalen Unternehmen haben gute Chancen, sich am Weltmarkt zu behaupten. Aber auch sie stehen vor der großen Aufgabe, im hohen Tempo der global aufgestellten Unternehmen beim Ausbau ihrer Marktanteile mitzugehen. Die von ausländischen Unternehmen aufgekauften Firmen haben sich wegen der Integration in finanzstarken Strukturen häufig gut entwickelt.

Auszug aus:

FLUGPOST
Informationsdienst Luftfahrt

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