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90. Geburtstag der DGLR

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Happy Birthday DGLR!

Heute, am 3. April 2002, begeht unsere Gesellschaft ihren 90. Geburtstag! Anlass genug, im Folgenden an unsere Herkunft zu erinnern.

Die 1898 gegründete "Göttinger Vereinigung zur Förderung der angewandten Physik und Mathematik" beschäftigte sich bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts auch mit Fragen der Luftfahrt. 1911 stellte dort Prof. Schütte den Antrag, eine Sammelstelle für Luftfahrtfragen in Form eines Vereins zu schaffen. Die Gründung eines solchen Vereines,der "Wissenschaftlichen Gesellschaft für Flugtechnik" (WGF) fand am 3. April 1912 unter Vorsitz des Bruders des Kaisers, des Prinzen Heinrich, in Berlin statt. Bereits im ersten Jahr zählte die WGF 300 Mitglieder. 1914 wurde die WGF umbenannt in "Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt" (WGL), der Name, den sie bis 1936 behielt. Zweck der WGF/ WGL war von Anfang an die Zusammenführung der in Deutschland für die Luftfahrt arbeitenden Wissenschaftler, Ingenieure, Studenten sowie der allgemein an diesem Fachgebiet Interessierten. Mit der Einrichtung wissenschaftlich-technischer Ausschüsse wurde Ludwig Prandtl beauftragt, wie z.B. für Motoren, Aerodynamik, Messwesen, Aerologie, Medizin usw.

Bis 1929 stieg die Mitgliederzahl auf über 800. Auf den jährlichen Hauptversammlungen wurden von bedeutenden Wissenschaftlern und Pionieren der Luftfahrt Vorträge gehalten, so von Junkers, Oberth, Dornier, Rumpler, Focke, Kármán. Bereits 1928 hielt Prof. Lorenz Vorträge zu Themen wie "Der Raketenflug in der Stratosphäre" und "Die Ausführbarkeit der Weltraumfahrt".

Die Professoren Oberth, von Kármán und Pröll beteiligten sich lebhaft an der Aussprache. In den Jahren 1912 bis 1933 erlangte die von der WGF/WGL herausgegebene "Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschifffahrt" (ZFM) große Bedeutung. Im Jahre 1935 wurde die WGL aufgelöst und ihre Mitglieder in die neu gegründete "Lilienthalgesellschaft für Luftfahrtforschung" (LGL) überführt.

Nachdem 1945 bis 1952 jegliche Betätigung auf dem Luftfahrtsektor in Deutschland verboten war, erörterten Anfang der 50er Jahre Hermann Blenk und Heinrich Koppe in Braunschweig mit Gleichgesinnten die Möglichkeit eines Wiederbeginns von wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Luftfahrtgebiet. Es wurde beschlossen, für April 1952 zu einer luftfahrtwissenschaft-lichen Tagung nach Braunschweig einzuladen. Am 21. April 1952 kam es daraufhin zur Neugründung der "Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt" (WGL). Die neue Satzung besagte: "Zweck der Gesellschaft ist die Förderung der Luftfahrt auf allen Gebieten der Theorie und der Praxis. Die Mittel dazu sind Versammlungen, Sprechabende, Vorträge, Druckschriften, Anregungen zu Forschungsarbeiten, zu Versuchen, Unterstützung von Wettbewerben, Preisaufgaben." Als höchste Auszeichnung der Gesellschaft wurde der "Ludwig-Prandtl-Ring" seit 1957 an verdiente Wissenschaftler verliehen. Als Erstem an Prof. von Kármán, des Weiteren an Wissenschaftler in Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien usw. Die WGL erlangte wieder internationale Anerkennung. Es entstand eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den entsprechenden französischen, englischen, amerikanischen und anderen ausländischen Gesellschaften. Um auch die Probleme der aufkommenden Weltraumfahrt und -technik erfassen zu können, wurde die WGL 1962 umbenannt in "Wissenschaftliche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt e.V." (WGLR). Dabei kam es zu einer besonders engen Zusammenarbeit mit der "Deutschen Gesellschaft für Raketentechnik und Raumfahrt e.V." (DGRR). Die Raumfahrtbewegung in Deutschland wurde durch Hermann Oberth's Veröffentlichungen, beginnend 1923, ausgelöst und führte zunächst zur Gründung des "Vereins für Raumschifffahrt e.V.", in Breslau durch Johannes Winkler. Dieser errichtete 1932 in Berlin unter der Leitung von Rudolf Nebel den ersten deutschen Raketenflugplatz, wo auch die ersten praktischen Versuche unternommen wurden, die bis 1934 dauerten. Diese führten letztendlich zur Entwicklung der klassischen Großrakete (A4) in Peenemünde unter der technischen Leitung von Dr. Wernher von Braun. 1935 wurde nach Auflösung des Vereins für Raumschifffahrt (1934 aus finanziellen Gründen) eine "Gesellschaft für Weltraumforschung e.V., Berlin" gegründet, die bis an das Kriegsende das Sammelbecken der deutschen "Raumfahrt-Enthu-siasten" war. H. K. Kaiser und Krafft A. Ehricke waren in dieser Phase die treibenden Kräfte. Die "GfW" wurde 1948 wiedergegründet, zunächst als Regionalgesellschaft, aber bald vereinigt mit einer Geschäftsstelle in Stuttgart (H.H. Koelle, Heinz Cartmann, D.E. Koelle). Diese Gesellschaft begründete die Zeitschrift "Weltraumfahrt" beim Umschau Verlag, Frankfurt, und ab 1957 in eigener Regie die Fachzeitschrift "Raketentechnik und Raumfahrtforschung". Im Jahr 1967 wurde die Mitgliederzahl 2.000 erreicht. Prof. Oberth war seit 1948 Ehrenpräsident der "GfW", die 1956 in "Deutsche Gesellschaft für Raketentechnik und Raumfahrt e.V." umbenannt wurde. Zu den Vorsitzenden gehörten die Professoren W. Schaub, K. Schütte, O. Petzel, E. Sänger, A. Ehmert und H.H. Koelle. Diese Gesellschaft gab Zeitschriften, Fachbücher und Forschungsberichte heraus und leitete 1949 mit einer entsprechenden Resolution die Gründung der "Internationalen Astronautischen Föderation (IAF)" ein, sowie die Einrichtung des "International Astronautical Congress“, der 1950 das erste Mal in Paris stattfand und seit diesem Jahr regelmäßig jährlich, so dass im Weltraumjahr 1992 in Washington der 43. IAF Congress stattfand. 1967 war die Entwicklung der Luft- und Raumfahrt so weit gediehen, dass sich die Erkenntnis weitgehend durchsetzte, die gemeinsamen Interessen der Mitglieder der WGL und der DGRR in Zukunft in einer Gesellschaft zu vertreten. So kam es zur Vereinigung dieser beiden eingetragenen Vereine zur "Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt e.V." (DGLR) mit Sitz in Berlin und mit Prof. Lüst als ihrem neuen 1. Vorsitzenden. Im Herbst 1990 trat zunächst die Hermann-Oberth-Gesellschaft (HOG) in Verhandlungen ein mit der DGLR mit der Zielsetzung, die DGLR, die HOG, die Gesellschaft für Weltraumforschung und Raumfahrt (GWR) sowie den Fachverband Luftfahrt (FL) zu einer Gesellschaft zusammenzuschließen. Am 1. Januar 1993 wurde dieser Schritt, der nur durch die Wiedervereinigung Deutschlands möglich war, vollzogen. Seitdem lautet der Name der Vereinigung: „Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt - Lilienthal-Oberth e.V. (DGLR)“.

Sie ist weltweit die zweitälteste wissenschaftlich-technische Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt!

Herzlichst,

Ihr Hans Lüttgen
(Generalsekretär)

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