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21.08.2017 - Rubrik: DGLR-Presseservice, Politik/Gesellschaft

DLRK 2017: Von der Straße in die Luft

Immer mehr Menschen ziehen in die großen Städte. Diese Entwicklung stellt einen steigenden Anspruch an die vorhandene Infrastruktur: Nah- und Fernverkehr stehen vor neuen Herausforderungen – auf logistischer aber auch auf ökologischer Ebene. Hier spielt die Luftfahrt in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle. Um Entwicklungen, Möglichkeiten und Konzepte zu thematisieren, treffen Ingenieure, Wissenschaftler und Branchenvertreter beim 66. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK) zusammen. Diese Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) findet in diesem Jahr vom 5. bis 7. September in München statt.

Bild: DGLR

Elektrisches Fliegen

Ob urbane Kleinflugzeuge oder Modelle für den Fernverkehr: Eine zentrale Frage zukünftiger Luftfahrtprojekte sind ihre Antriebe. Bisherige Flugzeuge werden mit Verbrennungsmotoren angetrieben. Hier reichen die Forschungen ebenso wie in der Automobilindustrie von alternativen Treibstoffen bis hin zu alternativen Antrieben. Insbesondere der Elektroantrieb verspricht sowohl einen umweltschonenderen als auch einen leiseren Luftverkehr. An Prototypen wie dem zweisitzigen Airbus E-Fan wurde bereits die Machbarkeit eines solchen E-Flugzeugs getestet. Eine Alternative sind hybrid-elektrische Konzepte. Diese kombinieren die Flexibilität von Batterien mit der Energiedichte chemischer Energieträger. Bevor Flugzeughersteller aber an einen großflächigen Einsatz denken können, müssen noch Faktoren wie Energiespeicher, Gewicht und Wärmeableitung überwunden werden.

Um aktuelle Konzepte und Entwicklungen des elektrischen Fliegens vorzustellen, finden beim DLRK mehrere Sitzungen statt. Unter anderem geht es hier um neue Konfigurationen elektrischer Flugzeugmodelle oder Flugversuche und Architekturen von Luftfahrtantrieben. In seinem Plenarvortrag wird Frank Anton, Head eAircraft bei Siemens, über elektrische Antriebe für Passagierflugzeuge sprechen. Gefolgt wird dieser Vortrag von einer Podiumsdiskussion zu elektrischer Mobilität. Hier wird sich Frank Anton mit Andrew Anderson von Airbus, Calin Gologan von PC-Aero, der das erste elektrisch betriebene Ultraleichtflugzeug in Deutschland entwickelte und Rolf Henke, Luftfahrtvorstand beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Präsident der DGLR, über die nächsten Schritte dieses Antriebskonzepts austauschen.

Urban Air Mobility: Alltag in luftigen Höhen

Eine Antwort auf den dichter werdenden Verkehr in Städten könnte im Flugverkehr liegen. Dieser würde den Transport um eine dritte Dimension erweitern.  Weltweit wird bereits an neuen Fahrzeugmodellen gearbeitet, die nicht an den Erdboden gebunden sind. Vergangenes Jahr gründete Airbus dafür die eigene Abteilung „Urban Air Mobility“, die Ende 2017 ihren ersten Prototyp für ein automatisiert fliegendes Auto präsentieren möchte.

Wenngleich manche Technologien in diesem Bereich, wie die Automatisierung von Fahr- und Flugzeugen noch nicht vollständig ausgereift sind, laufen bereits zahlreiche Projekte, die solche Zukunftsvisionen verwirklichen sollen. Einige Vorstellungen orientieren sich dabei am bereits vorhandenen Carsharing-Modell: Über eine App sollen Flüge gebucht werden können. Airbus hat den bestellbaren Helikopterservice „Voom“ bereits in Sao Paulo getestet. Das deutsche Startup-Unternehmen „Lilium Aviation“ arbeitet hingegen an einem Ein-Personen-Elektrojet. Neben gemeinsam genutzten Flugfahrzeugen entwickelt sich auch der Frachtverkehr, wie etwa mit den Zustelldrohnen des „Skyways“-Projektes. Zum Thema „Urban Air Mobility“ spricht Mathias Thomsen, General Manager bei Airbus Urban Air Mobility, in seinem Plenarvortrag.

Studierende entwerfen das Flugzeug der Zukunft

Im Rahmen der DLR-NASA Design Challenge stellten die beiden Luft- und Raumfahrtinstitutionen Studierende aus Deutschland und den USA vor zwei Herausforderungen: revolutionär leise und emissionsarme Passagierflüge oder solche, die im Überschalltempo fliegen zu entwickeln. Auf deutscher Seite arbeiteten in Teams insgesamt 63 Studierende von sieben Universitäten an Flugzeugkonzepten für eines der beiden Themen. Die prämierten Arbeiten werden am Dienstag, den 5. September 2017, beim DLRK vorgestellt.
Das deutsche Gewinnerteam kommt von der Technischen Universität München. Es überzeugte die Jury mit seinem Hybridflugzeug „Urban Liner“. Mit diesem soll laut Plan der Studierenden der Teibstoffverbrauch halbiert und der Stickoxidausstoß um 80 Prozent verringert werden. Das Team der TU München stellt seine Arbeit im kommenden Oktober beim Wettbewerbssymposium bei der NASA in den USA gemeinsam mit den amerikanischen Mitstreitern vor.

Die Luftfahrt arbeitet seit Jahren daran Schadstoff- und Lärmemissionen zu reduzieren. Durch die Kooperation mit dem studentischen Nachwuchs sollen Möglichkeiten geschaffen werden, Durchbrüche in der Forschung zu erzielen und den Studierenden die Chance gegeben werden, eigene Ideen zu verwirklichen.

Digitalisierung und Cybersicherheit

Neben der Umweltverträglichkeit nehmen auch die Digitalisierung und die damit einhergehende Cybersicherheit wichtige Rollen in der zukünftigen Luftfahrt ein. Simulationsverfahren und Digitalisierung erlauben im Triebwerksbau zunehmend effizientere Datenverarbeitung und Abbildung von Wertschöpfungsketten. So können Anforderungen an Emissions-, Gewicht- und Kostenreduzierung besser erfüllt werden. Digitale Simulations- und Datenverarbeitungsprozesse tragen wesentlich zu Aspekten des Flugzeugentwurfes wie der Flugmechanik bei. Aber auch aus der Entwicklung von Cybersicherheit, die für Passagierflüge besonders relevant ist, sind sie nicht wegzudenken. Über derzeitige Simulationsmöglichkeiten im Triebwerksbau spricht Gerhard Ebenhoch von MTU Aero Engines.

Dialogtag Luftfahrt

Simulationen sind auch beim „Dialogtag Luftfahrt“ am 6. September 2017 ein Thema. Dieser Austausch zwischen Piloten und Ingenieuren findet in diesem Jahr bereits zum vierten Mal im Rahmen des DLRK statt. Unter Fragestellungen, wie zum Beispiel „Was Piloten im Cockpit vermissen“, trifft hier Forschung auf Praxis, um über Anforderungen, Entwicklungsbedarf und Lösungskonzepte zu diskutieren und die Erfahrungen beider Seiten zu verknüpfen.

Einer der beiden Schwerpunkte der Veranstaltung ist in diesem Jahr das Thema „Verkehrsflugzeuge“. Hier soll die operationelle Wirklichkeit, also der Linienbetrieb aus Sicht der Cockpit-Crew, dargestellt und Themen und Fragestellungen im fliegerischen Alltag besprochen und diskutiert werden. Das zweite Schwerpunktthema ist „Aircraft Control“. Hier wird zum Beispiel die manuelle Übernahme der Steuerung bei Kontrollverlust thematisiert. Außerdem geht es um Piloten unterstützende Systeme wie Pilotenassistenzsysteme und die Korrelationen zwischen Pilotentraining und Pilotenauswahl. In insgesamt drei Sitzungen werden der Bedarf in der Forschung sowie die Kooperation zwischen Forschung und Praxis, in der Piloten an Versuchen teilnehmen, behandelt.

Weitere Informationen zu Themen der Luftfahrt sowie Informationen zum Kongress finden Sie unter: dlrk2017.dglr.de

Die DGLR

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt - Lilienthal-Oberth e.V. (DGLR) ist die älteste Institution in der Bundesrepublik Deutschland, die allen, die sich privat oder beruflich mit Luft- und Raumfahrt beschäftigen, ein gemeinsames Forum bietet. Hier vernetzt sich das Wissen der Luft- und Raumfahrt, aktuelle Projekte und Entwicklungen werden vorgestellt und gute Ideen gefördert und honoriert.

 

Kontakt

Alisa Griebler
Kommunikationsmanagerin | Pressesprecherin
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