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28.02.2018 - Rubrik: Wirtschaft/Technik, DGLR-Presseservice

50. Jahrestag der Do 31: DGLR blickt auf den wichtigsten Flug des bis heute einzigen VTOL-Strahltransporters zurück

Am 28. Februar 1968 war alles bereit für den Flugversuch: Im Landekreis der Startbahn des Dornier Firmenflugplatzes Oberpfaffenhofen stand die Dornier Do 31 E-3, der erste VTOL-Strahltransporter (Vertical Take-Off and Landing/ Vertikalstart und -landung) und wartete auf die Flugfreigabe. Der erste vollumfängliche Flug mit Senkrechtstart, Übergang in den Streckenflug und senkrechter Landung gelang und markiert einen Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte. Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) erinnert heute zum 50. Jahrestag an die Do 31 und die dahinterste-hende Meisterleistung der Beteiligten.

Bild: Airbus Heritage

„Als voll ausgestattetes vertikal startendes und vertikal landendes Strahltransporter-Flugzeug steht die Do 31 E-3 für ein neues Kapitel in der Geschichte der Luftfahrt“, sagte DGLR-Präsident Prof. Rolf Henke zum Jahrestag. „Die Entwicklung von VTOL-Flugzeugen war eine technologische und systemtechnische Weltneuheit und verlangte herausragende Ingenieurleistungen. Es galt, vielschichtige Probleme der Aerodynamik, der Triebwerkskonfiguration, des Flugsteuerungsprinzips, der Systemauslegung und der Schnittstelle zwischen Pilot und der Flugsteuerung zu lösen. Neben der Do 31 sind hier auch die senkrechtstartenden Überschallflugzeuge VJ 101 des Entwicklungsrings Süd und die VAK 191 B von VFW-Fokker zu nennen. Auch wenn diese Flugzeuge aufgrund veränderter politischer Bedingungen nicht in Serienentwicklung gingen, zeigen sie, zu was für einer gewaltigen Leistung die damaligen Luftfahrtkonzerne im Stande waren.“

Die Aufgabenstellung für den ersten umfänglichen Do 31-Flug am 28. Februar 1968 lautete lapidar: „Durchführung einer Starttransition mit steiler Startflugbahn und anschließendem Horizontalflug, Hochgeschwindigkeitsflug einer Platzrunde und anschließender Durchführung einer Landetransition mit verzögertem Horizontalflug und anschließendem stationären Sinkflug“. Doch die komplexe Aufgabe, einen senkrecht startenden und landenden Transporter zu entwickeln, stellte die Ingenieure vor große Herausforderungen. Sie entschieden sich für eine stufenweise, teils parallele Entwicklung einzelner Systeme und brauchten so nur etwa sieben Jahre bis der erste operationell vollwertig ausgestattete VTOL-Strahltransporter in die Luft ging. Von einem Reglerversuchsgestell, mit dem die Flugregler für verschiedene Schwebeflüge entwickelt wurden, über ein Schwebegestell, das die Bordsysteme erprobte, entwickelten sie zunächst die Do 31 E-1. Diese erste vollwertige Maschine besaß jedoch noch keine Hubtriebwerke und diente dazu, das aerodynamische Flugverhalten zu testen.

Mit der Do 31 E-3 präsentierte Dornier im Sommer 1967 das erste und einzige VTOL- und STOL-Flugzeug (Short Take-Off and Landing). Nach einigen Flugversuchen, die einzelne Funktionen der neuen Maschine testeten, starteten Pilot Drury Wood und Copilot Franz Rödel am 28. Februar 1968 mit einem Startgewicht von 19,3 Tonnen zu dem ersten umfangreichen Testflug in die Luft. Sie hoben senkrecht ab, flogen einige Kilometer, wendeten dann in einer 180-Grad-Kurve und setzten zum Tiefflug über den Flugplatz an. Um den Schwebezustand zu erreichen, reduzierten die Piloten die Fluggeschwindigkeit und brachten die Hubtriebwerke auf Hubniveau. Beim ersten Landeversuch verfehlten die Piloten den Lan-dekreis allerdings um ein paar Meter. Kurzerhand drehten sie das Fluggerät im Schwebezustand um 180 Grad, schwebten zurück über den Landekreis hinweg, drehten die Maschine nochmals um 180 Grad und setzten die Do 31 E-3 schließlich im Zentrum des Landekreises ab.

NATO-Doktrin bremst die Entwicklung

Mit dem Gedanken, ein Transportflugzeug für den zivilen und militärischen Markt zu entwickeln, spielte der Flugzeughersteller Dornier seit dem Jahr 1955. Erste Entwürfe basierten auf dem Do-29-Kurzstartflugzeug und sollten zu einem VTOL-Flugzeug der 25-Tonnen-Klasse für Transportaufgaben und andere multifunktionale Anwendungen führen. Dornier richtete sich dabei nach der Forderung des militärischen Nutzers nach senkrecht startenden und landenden Luftfahrzeugen, die von lokalen Plätzen im Gefechtsfeld aus operieren konnten. 1962 erhielt er schließlich den Vorvertrag für die Entwicklung und Serienreifmachung der Do 31.

Doch als die Entwicklung gerade losging, wurde sie Anfang 1963 aufgrund der sich ändernden NATO-Doktrin schon wieder gebremst. Die bislang gültige „massive Vergeltung“ (engl. massive retaliation) wurde zur „abgestuften Reaktion" (engl. flexible response) und veranlasste den damaligen General der Luftwaffe Werner Panitzki die Forderung nach VTOL-Flugzeugen zu revidieren. Der Vertrag zur Entwicklung der Do-31-wurde gestoppt. Dornier beschloss aufgrund der schon weit fortgeschrittenen Arbeiten, die Do 31 als Experimentalprojekt fortzuführen. Nach erfolgreicher Demonstration der geforderten Fähigkeiten gegenüber dem Auftraggeber endete das Do 31-Entwicklungsprogramm schließlich im Oktober 1969.

Die Do 31 ist bis heute das einzige Transportflugzeug mit Jet-Antrieb, das mit Senkrechtstart- und Landefähigkeiten entwickelt wurde. Die VTOL-Version der Do 31 befindet sich heute in der Flugtechnischen Außenstelle des Deutschen Museums, der Flugwerft Schleißheim. Die Do-31 E-1 für den konventionellen Flug steht heute vor dem Dornier Museum in Friedrichshafen.

Symposium zu Senkrechtstartern

Im Rahmen einer Programmserie zum 50-jährigen Jubiläum der Dornier Do 31 veranstaltet das Dornier Museum Friedrichshafen gemeinsam mit der DGLR am 17. April 2018 ein Senkrechtstart-Symposium. Unter dem Titel „Senkrechtstart-Technologie – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ werden Vortragende die Geschichte der VTOL-Technologie beleuchten sowie aktuelle und zukünftige Projekte, Innovationen und Perspektiven aus dem Bereich „Senkrechtstart“ und „air mobility“ vorstellen.

Die DGLR – Informieren, Vernetzen, Fördern

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt - Lilienthal-Oberth e. V. (DGLR) ist die älteste Institution in der Bundesrepublik Deutschland, die allen, die sich privat oder beruflich mit Luft- und Raumfahrt beschäftigen, ein gemeinsames Forum bietet. Hier vernetzt sich das Wissen der Luft- und Raumfahrt, aktuelle Projekte und Entwicklungen werden vorgestellt und gute Ideen gefördert und honoriert.

 

Kontakt
Alisa Griebler
Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR)
Kommunikation, Pressesprecherin
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